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Keller unter Wasser (hier ein Archiv-Foto von einem Hochwasser am Starzelbach 2013): Die Ursache kann von unten eindringendes Grundwasser sein.

Grundwasser

Die unsichtbare Hochwassergefahr

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Beim Stichwort Hochwasser denken die meisten Menschen zuerst an Flüsse, die über die Ufer treten. Die größere Bedrohung für viele Häuser ist aber das Grundwasser, das von unten kommt. Dessen Pegel ist im Landkreis aktuell an einigen Stellen so hoch, wie er noch nie in einem Januar gemessen wurde.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Emmerich Wurst ist besorgt. „Wenn der Grundwasserpegel weiter steigt, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass hier im Viertel die Keller vollaufen“, sagt der Sprecher der Interessengemeinschaft grundwassergeschädigter und -gefährdeter Geretsrieder (IGGG). Für sein Wohnquartier maßgeblich ist der sogenannte „Pegel Ger 211“ an der Messstelle im Bereich Lilienstraße/Edelweißweg. „Hier lag der Pegel heute Mittag bei 588,28 Meter über Normalnull“, erklärt er.Diesen Stand bezeichnet Wurst als „äußerst kritisch“ und „für den Monat Januar sehr ungewöhnlich“.

Tatsächlich ist das Grundwasser in der Region auf einen Pegel gestiegen, der sonst um diese Jahreszeit kaum erreicht wird. Auf der Internetseite des Hochwassernachrichtendienstes Bayern sind zwei Messstellen im Landkreis aufgeführt, eine an der Jeschkenstraße in Geretsried, eine in Wackersberg-Arzbach. Beide Punkte sind auf der Landkarte orange markiert – das steht für einen Pegel, der „sehr hoch“ ist. Höher ist nur die Kategorie Rot, die einen „neuen Höchstwert“ symbolisiert.

Diese Einstufungen seien relativ zu sehen, erläutert dazu Karlheinz Daamen. Er leitet im Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weilheim das Sachgebiet Gewässerkunde, das die Messstellen betreut. Die Kategorie „sehr hoch“ beziehe sich auf Vergleichswerte im selben Monat. So herrsche in Geretsried aktuell beim Grundwasser „der höchste Stand, der hier jemals in einem Januar gemessen wurde“. Im Jahresverlauf gebe es aber durchaus noch höhere Pegelstände, namentlich im Frühjahr.

Dass das Grundwasser so stark gestiegen ist, liegt nicht nur am Schnee und Regen der vergangenen Tage – der Grundwasserspiegel reagiert nicht so schnell wie die Flusspegel. Daamen nennt als Ursache die längerfristige Wetterlage. „In Tölz hatten wir 1800 Millimeter Niederschlag im Jahr. Das liegt mehrere 100 Millimeter über dem Durchschnitt. Es war ein feuchtes Jahr.“ Müssen sich Hausbesitzer wegen des Grundwasseranstiegs Sorgen machen? „Es ist lokal sehr verschieden“, sagt Daamen. Wer öfter Probleme mit feuchten Kellern hat, der muss jetzt schon ein bisschen gucken.“

Und wenn der Pegel jetzt schon so hoch ist – was wird dann erst im Frühling, wenn das Grundwasser tendenziell seinen Jahreshöchststand erreicht? „Es wäre ganz gut, wenn jetzt eine längere trockene Periode käme“, sagt der Fachmann vom WWA. Gäbe es über ein paar Wochen hinweg keinen Nachschub an Niederschlag, dann senke sich der Wasserspiegel im Boden wieder ab. „Wenn es jetzt allerdings noch längere Zeit weiterregnet, bekommen wir eine Situation, die nicht so schön ist.“

Wiederholt Probleme mit dem Grundwasser gab es in der Vergangenheit in Arzbach. Bei einigen Häusern liefen die Keller voll. Der Arzbacher Anton Wasensteiner hat jedoch keine Sorge um die Situation vor Ort. „Zurzeit ist kein Frost im Boden, deshalb sehe ich die Lage eher entspannt“, sagt er. Der Vorsitzende des Wasserbeschaffungsverbands Arzbach-Schlegldorf hat die Pegelstände immer im Auge – wobei es ihm eher Kopfzerbrechen bereiten würde, wenn das Grundwasser zu tief absinken und damit den örtlichen Brunnen versiegen lassen würde. Dass nach trockenen Januaren in den vergangenen Jahren der Grundwasserspiegel heuer „gut nachgefüllt“ sei, findet er aus dieser Warte sogar „optimal“.

Ähnlich ist die Perspektive des Tölzer Stadtwerke-Chefs Walter Huber. „Den Pegel beobachten wir nur im Bereich unserer Brunnen in Gaißach“, sagt er. „Dort wäre höchstens eine starke Absenkung schlecht.“ Für Strom-, Gas- und Wasserleitungen im Boden sei das Grundwasser hingegen irrelevant. „Selbst wenn die Leitungen im Wasser liegen würden, wäre das kein Problem.“

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