Günther Sigl, bekannt als Frontmann der Spider-Murphy-Gang, trat am Freitag im Tölzer Kurhaus auf

Günther Sigl im Kurhaus

Tölz twistet: „Seid’s ihr wuid, hey!“

Bayerische Musikgeschichte war im Tölzer Kurhaus geboten, als Günther Sigl am Freitagabend mit Band auftrat. Die fünf Profis boten Musik vom Feinsten. Der Saal tanzte.

Bad Tölz Es war sagenhaft, wie der 71-Jährige die Stimmung anheizte, nämlich ganz gelassen. Sigl hat als Frontmann der Spider-Murphy-Gang über 40 Jahre Bühnenerfahrung, die Bodenhaftung aber nie verloren. Das Publikum schätzte diese „ehrliche Haut“ von Anfang an.

Die Band präsentierte in der ersten Hälfte des Abends vor allem Stücke aus Sigls Solo-Album „Habe die Ehre“. Das stammt schon von 2010. Altmeister Sigl hat „keinen Druck mehr, Alben rauszuhauen“. Er mache, was ihm Spaß macht. Und das spürte das begeisterte Publikum. Der alte Hit „Schickeria“ kam vor der Pause.

Die fetzige Stimmung nahm die Band anschließend sofort wieder auf. Nur bei „Marlene“ stimmte etwas nicht. „Mach dich mal locker und zieh dich aus“ war nur grob. Sigl gab auch glatt zu: „Des passt ned zur Me-too-Debatte.“

Ausgelassene Stimmung im Tölzer Kurhaus: Günther Sigl 7 überzeugte mit seinem Solo-Programm „Habe die Ehre“.

Sigl hat nach der „Spider Murphy-Gang“-Ära seine unvergleichliche Erzählart fortgesetzt mit Stücken wie „Zwoa Zigarettn auf da Schuitoalettn“ oder „Frosch im Hois“, ein Lied übers Anbandln. Mit „Unterm Flauchersteg“ und „Bella Italia“ kamen weitere Oden an sein geliebtes München hinzu, so wie früher „Sommer in der Stadt“. Die Gäste scherzten mit Sigl, der mehrmals versicherte: „Seid’s ihr wuid, hey!“. Der Sänger meinte, manche Damen an Bars in gewissen Etablissements hießen Chantal. „Oder Rosi!“, rief da jemand. Sigl kommentierte lachend: „Da wär i jetzt ned draufkemma!“ Und „Rosi“ kam – das Lied war 1981 acht Wochen lang auf Platz eins –, aber nicht in der knalligen Rockversion, als Sigl noch Anfang 30 war, sondern im gemütlicheren Countrysound.

Dank seiner genialen Kollegen war auch diese Version umwerfend. Dazu zählen der ehemalige Regensburger Domspatz Wolfgang Götz (Keyboard und Ziach), der „Jüngste“‘, Robert Gorzawsky (Schlagzeug), der seit 2015 dabei ist, der einzige bairisch sprechende Schotte Willie Duncan (E-Gitarre) sowie der alte Schulfreund Dieter Radig (Percussion).

Sigl schaffte, was nur selten Bands im Kurhaus gelingt: Bei „Radio, Radio“ twistete alles, trotz Bestuhlung, der Balkon bebte. Das johlende Publikum ließ die Fünf nicht gehen. Am Ende bekam es eine A-cappella-Version mit Ukulele (Sigl) des Oldies „I’m driving nails in my coffin“ von 1961. Damit war Sigl einst auch in Bad Tölz vor US-Soldaten aufgetreten. bib

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