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Die Tölzer Leonhardifahrt soll von der Unesco in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen werden. Der Weg dahin ist aber ein weiter.

Leonhardifahrt

Gutachten stützen Unesco-Antrag

Bad Tölz - Eines steht fest: Es wird ein Marathon, kein 100-Meter-Lauf, den die Stadt zurücklegen muss, damit die Tölzer Leonhardifahrt ins immaterielle Unesco-Kulturerbe aufgenommen wird. Zwei neue Gutachten sollen den Antrag stützen.

Die Flößerei in Deutschland (auch in Lenggries) oder die Passionsspiele in Oberammergau gehörten 2014 zu den ersten kulturellen Ausdrucksformen, die von der Unesco in die deutsche Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen wurden. Im Jahr 2013 hatte Klaus Pelikan aus der Stadtverwaltung die Idee gehabt, auch die Tölzer Leonhardifahrt ins Rennen um diese hohe Auszeichnung zu schicken. Das hatte der Tölzer Stadtrat zunächst abgelehnt, weil man eine Regulierung von oben befürchtete.

Erst eineinhalb Jahre später dämmerte es den Räten, dass ein Weltkulturtitel eher ein Schutz des Bestandes und natürlich auch eine Auszeichnung sein könnte. Man stimmte einem erneuten Antrag zu, und muss sich nun auf die Ochsentour durch die regionalen und überregionalen Instanzen machen. Derzeit geht es um die Aufnahme in die bayerische Vorschlagsliste. Vielleicht wisse man 2017, so schätzt Pelikan, ob die Leonhardifahrt auch auf der Deutschlandliste erscheine.

Der Antrag für die Landesliste wurde dieser Tage im Kultusministerium abgegeben. Zum Bewerbungspaket gehören neben zehn ausgewählten Fotos und einem kleinen Film auch zwei Gutachten.

Eines hat die Leiterin der Volkskundeabteilung im Bayerischen Nationalmuseum, Dr. Nina Gockerell, verfasst. Das andere stammt von Prof. Dr. Bärbel Kerkhoff-Hader, frühere Lehrstuhlinhaberin für europäische Ethnologie an der Universität Bamberg. Letztere urteilt in ihrer Expertise, dass die Leonhardifahrt „ein exzellentes Beispiel für gewachsene Erinnerungskultur ist“. Sie sei ein von religiösem Selbstverständnis und bürgerlichem Selbstbewusstsein getragenes, tief in der bäuerlichen Lebenswelt verankertes Ereignis. Für die Tölzer Bevölkerung und die des gesamten Isarwinkels „ist sie von stark identitätsstiftender Qualität, aber auch von großer emotionaler Attraktivität, auch für die von weither angereisten Zuschauer“. Bei der Würdigung der Wallfahrt als immaterielles Kulturerbe dürfe die Wertschätzung tradierter Kenntnisse und Fertigkeiten nicht fehlen. Die Autorin listet als Beispiele die kunstvoll geflochtenen Ross-Mähnen und -Schweife, den Blumenschmuck der Wagen sowie die in alter Tölzer Kistlertradition gebauten und bemalten Truhen auf.

Nina Gockerell benennt in ihrer Expertise weitere herausragende Merkmale der Tölzer Wallfahrt. Bemerkenswerterweise hebt sie zum Beispiel die Bewahrung alter Anspanntechniken hervor: Das Stoßzügelfahren, das nur von geübten Fuhrleuten praktiziert werden darf. Hintergrund: Vor einigen Jahren gab es aus versicherungstechnischen Gründen sogar Bestrebungen der Behörden, das Stoßzügelfahren gegen den Widerstand gestandener Fuhrleute ganz zu verbieten. Inzwischen darf es mit Sondergenehmigung und einem zusätzlichen Gespannbegleiter wieder praktiziert werden und ist – so ändern sich die Zeiten – nun sogar zu einem Qualitätsmerkmal der Tölzer Wallfahrt geworden.

Gockerell bezieht auch den Tölzer Kurier in ihre Argumentationskette mit ein. Schon seit 1882 würden hier jährlich die Hofnamen der beteiligten Gespanne genannt. Es gebe vielfache Nennungen von 50, 60 und mehr Beteiligungen. Der Gaißacher Pfisterfranzl-Hof fährt heuer zum 110. Mal auf den Tölzer Kalvarienberg.

Viele Gruppierungen aus allen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens in Stadt und Land beteiligten sich als Teilnehmer oder Helfer an der Leonhardifahrt. Dazuzugehören „ist wichtiger Bestandteil des städtischen wie dörflichen Selbstverständnisses, das sich auf das Eingebundensein in Traditionen stützen kann, die über Generationen gepflegt wurden“. Diese Traditionen haben, setzt Gockerell ihren Schlusspunkt, „dank vieler beteiligter junger Menschen auch eine gesicherte Zukunft.“

Christoph Schnitzer

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