Darf den Kunden endlich wieder vor Ort Schuhe zeigen: Heidi Hollmann, Mitarbeiterin im „Stammhaus Mayr“ in Bad Tölz, freut sich über die Wiedereröffnung.
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Darf den Kunden endlich wieder vor Ort Schuhe zeigen: Heidi Hollmann, Mitarbeiterin im „Stammhaus Mayr“ in Bad Tölz, freut sich über die Wiedereröffnung.

Ladeninhaber in Bad Tölz fürchten baldige Regelverschärfung

Öffnung nach Corona: So lief die erste Woche in den Geschäften

Bad Tölz-Wolfratshausen – Seit vergangener Woche darf der Einzelhandel in der Region wieder Kunden in den Geschäften empfangen. Die Befürchtung ist allerdings groß, dass man demnächst nur mit Termin einkaufen gehen kann. Denn der Inzidenzwert im Landkreis liegt aktuell nur knapp unter der 50er-Marke. Bisher allerdings zeigen sich die Händler mit den Umsätzen überwiegend zufrieden.

So auch Anton Klugherz, Geschäftsführer des Sporthauses Krätz an der Lenggrieser Straße in Bad Tölz. „Die restliche Winterware konnte abverkauft werden“, berichtet er. Auch die neue Saisonware wurde gut nachgefragt. Der Geschäftsführer glaubt, dass es mit dem Einkaufen ohne Anmeldung bald vorbei sein könnte. „Wir sind dabei, einen Plan zu erstellen, wie wir die Termine händeln“, erklärt Klugherz. Voraussichtlich werde pro Kunde eine halbe Stunde im Geschäft eingeplant. Allerdings sei eine Terminvergabe immer noch besser als das Prinzip „Call & Collect“ beziehungsweise „Click & Collect“. Bei ersterer sei eine bessere Kundenberatung möglich, sagt er. Trotzdem bedeute auch diese Umstellung einen „erheblichen Mehraufwand.“

Wiedersehensfreude der Kunden war groß

Auch Buchhändler dürfen seit dem 8. März ihre Türen wieder öffnen. „Die Wiedersehensfreude bei den Kunden war groß“, berichtet Petra Schenk, Inhaberin der Buchhandlung Winzerer an der Tölzer Marktstraße. Die erste Woche im Geschäftsbetrieb sei gut gelaufen. „Es gab eine relativ große Nachfrage“, sagt Schenk.

Nach den neuen Regelungen zählt der Buchhandel nun zum Einzelhandel des täglichen Bedarfs – ähnlich wie Supermärkte. Somit dürfen die Buchgeschäfte unabhängig von regionalen Inzidenzwerten geöffnet bleiben. Schenk zeigt sich erleichtert über diese Entwicklung und freut sich über die „Anerkennung, die der Branche zukommt“.

Kinder haben sich über die Öffnung gefreut

Für alle anderen Einzelhändler gilt jedoch folgendes: Wird drei Tage in Folge die Inzidenz von 50 überschritten, ist ab dem zweiten Tag nach der Überschreitung Einkaufen nur noch mit Anmeldung möglich.

Ebenfalls eine positive Bilanz zieht Sandra Macka, Mitarbeiterin bei Spielwaren Krömer in Bad Tölz. „Wir sind zufrieden, wie es angelaufen ist.“ Vor allem die Kinder hätten sich über die Öffnung gefreut. Denn eine Bestellung von Spielsachen via Internet komme an einen Besuch im Spielwarenladen nicht heran, meint Macka. Besonders gefragt seien – wie auch während des Lockdowns – Puzzles und Gesellschaftsspiele.

Viel los war vergangene Woche auch in der Fashion Boutique „Gadfly“ an der Nockergasse in Bad Tölz, wie Inhaberin Brigitte Schöffmann berichtet. „Das Geschäft lief Bombe.“ Besonders konnte sie dabei auf ihre Stammkundschaft zählen. „Die Leute haben einfach wieder Lust einzukaufen“, erklärt Schöffmann. Am Montag war der Ansturm allerdings noch nicht so groß. Die meisten hätten nicht gewusst, dass bereits wieder offen sei, vermutet sie.

Sollte der Inzidenzwert im Landkreis die 50er-Marke überschreiten, wird Schöffmann auf „Click & Meet“ umstellen müssen. Viel hält sie davon allerdings nicht. „Die Kunden fühlen sich dann eher verpflichtet, etwas zu kaufen“, mutmaßt die Inhaberin. Vermutlich hätten die Kunden nach einer Terminvereinbarung Hemmungen, sich einfach nur im Laden umzuschauen.

Kunden machen vermehrt Hamsterkäufe

Eher überschaubarer Andrang herrschte hingegen beim Schuhhaus Bammer in Lenggries, sagt Klaus Wöls, Ehemann der Inhaberin Kathrin Wöls. „Es war aber immer so viel los, dass wir kontinuierlich durcharbeiten konnten“, berichtet Wöls. Nur zwei Kunden gleichzeitig dürfen das Geschäft betreten, obwohl von der Quadratmeterzahl mehr erlaubt wären.

Die Kunden seien glücklich, im Laden stöbern zu können. „Trotz der Masken herrscht eine gewisse Normalität“, meint er. Außerdem habe er festgestellt, dass die Kunden vermehrt Hamsterkäufe tätigen. „Da werden statt einem gleich drei Paar Schuhe gekauft“, sagt Wöls.

Grundsätzlich habe sich die Öffnung aber „nicht wirklich rentiert.“ Vor allem, da er davon ausgeht, dass spätestens nächste Woche die Kunden nicht mehr ohne Weiteres kommen können. Wöls befürchtet, dass bald – je nach Inzidenz – zwischen Schließung und Öffnung hin und her gesprungen werde. „Es entsteht ein Jo-Jo-Effekt.“

Heidi Hollmann, Mitarbeiterin im Schuhhaus „Stammhaus Alois Mayr“ in Bad Tölz, zieht eine gemischte Bilanz. „Es hätten mehr Kunden sein können“, meint Hollmann. Der große Ansturm sei in der ersten Woche ausgeblieben. Im Großen und Ganzen ist sie aber zufrieden. Auch weil der Großteil der heruntergesetzen Winterware verkauft werden konnte, so die Mitarbeiterin.

Nicht nur aus dem Landkreis, sonders auch aus München und Umgebung seien die Kunden ins Stammhaus gekommen. Letztere seien besonders „happy“ gewesen, ohne vorherige Anmeldung einkaufen zu können, meint Hollmann. Allerdings habe sich bemerkbar gemacht, dass viele derzeit in Kurzarbeit sind. „Man hat gesehen, dass manchen weniger Geld zur Verfügung steht“, sagt sie.

FRANZISKA SELTER

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