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Symbolbild

„Die haben gleich ihre Colts gezogen“

Bad Tölz/Wolfratshausen - Sie können sich nicht riechen. Deshalb geraten ein Tölzer (71) und seine Nachbarin (54) regelmäßig aneinander, wenn sie sich begegnen. An gegenseitigen Beleidigungen wird dabei nicht gespart. Nun musste sich der Rentner zum wiederholten Mal vor Gericht verantworten, weil er sich im Streit gehörig in der Wortwahl vergriffen hatte. Der Mann wurde zu 1500 Euro Geldstrafe verurteilt.

Wie so oft genügte den beiden auch am 29. Juni vorigen Jahres eine Kleinigkeit, um leidenschaftlich zu streiten. Die Nachbarin hatte ein Fenster im Hausflur geöffnet, der Rentner wollte es geschlossen sehen. Sie nannte ihn „A....loch“. Er revanchierte sich mit „F... dich.“. „Das ist nicht ausgeschlossen“, ließ der Angeklagte seinen Verteidiger ausrichten. Der Rest sei jedoch „eher nicht so seine Wortwahl“. Den „Rest“ hatte die Geschädigte, die der Verhandlung ferngeblieben war, seinerzeit so verstanden: „Du könntest dein Geld nicht mal im Puff verdienen, Du Asoziale.“

Die Frau beorderte daraufhin die Polizei zu dem Mehrfamilienhaus im Tölzer Badeteil. Als die Beamten wenig später eintrafen, drohte die Situation zu eskalieren. Der Mann hielt ein Messer mit einer zirka 15 Zentimeter langen Klinge in der Hand, als er die Tür öffnete. „Ich wusste ja nicht, wer vor der Tür stand“, sagte der Angeklagte, der befürchtete hatte, dass die Nachbarin ihm ihren Freund geschickt hatte. „Ich dachte, die Polizei wird sich doch nicht vor einem Messer fürchten. Aber die Polizisten haben gleich ihre Colts gezogen und verrückt gespielt.“

Der ermittelnde Beamte, der bei dem Einsatz nur von einem Praktikanten begleitet worden war, erinnerte sich an „eine ganz blöde Situation“. „Wenn er die Wohnung mit dem Messer in der Hand verlässt, müssen wir praktisch schießen“, so der Polizist. Weil der Angeklagte „emotional extrem hochgefahren“ gewesen sei, war er zunächst zur Inspektion mitgenommen und später für eine Nacht in eine psychiatrische Klinik gebracht worden.

Der Verteidiger beantragte, seinen Mandanten wegen der wechselseitig begangenen Beleidigungen „straffrei zu stellen“, zumal die Anzeige gegen die Nachbarin bereits im Vorfeld ebenfalls eingestellt worden war. Dafür sah das Gericht jedoch keine Veranlassung. Zwar erkenne er die Gegenseitigkeit der Aggressionen, erläuterte Richter Helmut Berger in seiner Urteilsverkündung. Negativ wirkte sich jedoch aus, dass der Angeklagte nur wenige Monate vor der Tat schon einmal wegen Beleidigung zu 90 Tagessätzen verurteilt worden war. Damals hatte er die 54-Jährige als „Flittchen“ bezeichnet und ihr gedroht: „Dich schlag ich klein, bis Du in eine Tüte passt.“ Berger verurteilte den Rentner nun zu 100 Tagessätzen zu je 15 Euro. Dass die zwei sich bald wieder „mit gegenseitigen Nettigkeiten überbieten“ (Berger), erachtet das Gericht als eher unwahrscheinlich. Die Frau ist inzwischen ausgezogen.

Rudi Stallein

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