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Corona-Partys in bayerischem Hotspot? Unverständnis bei Polizei und Ärzten - „Völlig pervers“

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Von: Christiane Mühlbauer

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Auf sogenannten „Leberkäspartys“ sollen sich einige junge Menschen bewusst mit dem Virus infizieren, um dann den Status als Geneser zu haben.
Auf sogenannten „Leberkäspartys“ sollen sich einige junge Menschen bewusst mit dem Virus infizieren, um dann den Status als Geneser zu haben. © Symbolfoto: Angelika Warmuth/dpa

Trotz stark steigender Corona-Zahlen sollen sich immer wieder junge Menschen zu sogenannten „Leberkäspartys“ treffen. Dort soll das Virus bewusst weitergegeben werden.

Bad Tölz/Wolfratshausen - Die Corona-Zahlen schießen derzeit im Landkreis in die Höhe. Besonders hoch ist die Inzidenz unter jungen Erwachsenen. Gerüchten zufolge sollen sich einige Ungeimpfte immer wieder auf privaten Feiern, sogenannten „Leberkäspartys“, bewusst anstecken, um nach Ablauf der Quarantäne-Zeit den Status als Genesener zu haben.

Der Miesbacher Landrat Olaf von Löwis hat vor Kurzem in einem Interview mit der Münchner Abendzeitung von solchen Partys berichtet – zwar habe er keine Beweise, aber eine „glaubhafte Quelle“, so der Landrat. Miesbach hat eine der höchsten Inzidenzen bundesweit.

Corona-Partys im Bad Tölz-Wolfratshausen: Polizei ermittelt nach Stadlfeier nahe Ellbach

Vermutlich gibt es solche Partys auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. In den Redaktionen von Tölzer Kurier und Isar-Loisachbote haben sich in den vergangenen Tagen mehrere Bürger gemeldet und von solchen Feiern, die ihnen zu Ohren gekommen sind, berichtet. Konkret geht es um Feiern bei Ellbach, Lenggries, Sachsenkam und Dietramszell. Stets einher geht damit die Frage, warum Polizei und Behörden nicht einschreiten.

Die Tölzer Polizei weiß von einer nicht angemeldeten Stadlparty Anfang Oktober nahe Ellbach. „Wir haben im Nachhinein davon erfahren“, sagt der Tölzer Polizeichef Johannes Kufner. „Die Ermittlungen hierzu laufen.“ Werden Verstöße gegen die Anmeldeverpflichtung festgestellt, werde man diese ahnden.

Im Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim wird die Corona-Entwicklung im ganzen Einzugsgebiet beobachtet. Pressesprecher Stefan Sonntag zweifelt nicht daran, dass solche Partys stattfinden. Einsätze habe es deshalb im Landkreis aber noch nicht gegeben. Die Polizei erfahre erst im Nachgang davon. „Die Veranstalter hängen es ja nicht an die große Glocke. Es passiert im privaten Bereich.“

Arzt über Corona-Partys: Trend kommt aus den USA - Dramatische Entwicklung dort

Der Trend zu solchen Partys sei vor einiger Zeit aus den USA nach Deutschland geschwappt, weiß Dr. Jörg Lohse, Ärztlicher Koordinator im Landkreis. Er bezeichnet solche Feste als „völlig pervers“. In den USA hätte sogar diejenige Person, die nach der Party als Erste Corona-positiv war, einen Preis bekommen. „Mit dem Ganzen war aber schlagartig Schluss, als sich jemand geoutet hat, der kurze Zeit später an Corona gestorben ist“, sagt Jörg Lohse.

Der Münsinger Hausarzt ist gut vernetzt und hat auch von solchen Festen gehört. Der Landkreis habe damit seiner Einschätzung nach „kein Flächenproblem“, aber es gebe „punktuelle Spitzen“. Lohse will junge Erwachsene nicht unter Generalverdacht gestellt sehen. „Als junger Mensch ist man halt risikofreudiger“, sagt der Arzt. „Man macht Dinge, über die man Jahre später sagt: ,Da hab’ ich damals aber Glück gehabt.‘“ Statistisch gesehen, würden nach einer Corona-Party zehn Prozent der Infizierten einen schwereren Verlauf haben, und ein bis zwei Prozent würden schwerstkrank.

Arzt: „Spritzenparty“ in Münsing war kein Hotspot

Auch Lohse hat von den Gerüchten über ein „Leberkäsfestl“ bei Ellbach gehört. Er spricht von einer „Dummheitsparty“ und zieht einen Unterschied zur provokanten „Spritzenparty“ des Münsinger Burschenvereins Ende Oktober. Der Name bezieht sich auf den Ausschank, es wurde Schnaps in Spritzen serviert. Dieses Fest, sagt Lohse, wurde genehmigt, es fand im Freien statt, es gab Kontrollen und letztlich einen Einlassstopp wegen zu vieler Besucher. Die Gäste waren bis aus dem Allgäu gekommen. „Im Nachgang betrachtet, war es aber kein Corona-Hotspot“, sagt Lohse.

Vize-Landrat Thomas Holz, der derzeit die Geschäfte im Landratsamt führt, appelliert an junge Erwachsene, Vernunft walten zu lassen. Man trage nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere Verantwortung. Auch Holz hat von solchen Partys gehört. „Wir erfahren aber, wenn überhaupt, erst im Nachgang davon.“ Die Polizei könne nicht jeden Stadl kontrollieren, sagt der Vize-Landrat.

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