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Setzt sich kritisch mit seinen Landsleuten auseinander: Der amerikanische Künstler Mark Dion.

Ausstellung

Vom Jagen und Gejagt-Werden

Bad Tölz – Eine neue Ausstellung in der Tölzer Wandelhalle beschäftigt sich mit der Waffenkultur der Amerikaner. Es ist der letzte Teil der Reihe „Halle – Politik“.

Die Zeit der Amerikaner in Bad Tölz ist ein wichtiges Kapitel für Bad Tölz, das immer wieder unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet wird. Jetzt widmet sich eine Ausstellung in der Wandelhalle dem Thema. Der US-Installationskünstler Mark Dion beschäftigt sich dort mit der US-Kultur des Schießens. Der Waffengebrauch in Amerika ist nicht nur ein erschreckendes, sondern zugleich auch ein omnipräsentes Thema.

Die Ausstellung setzt den Schlusspunkt unter die Reihe „Halle – Politik“, die die beiden Galeristen Florian Hüttner und Till Krause ins Leben gerufen haben. Es geht nun um die amerikanische Besatzungszeit.

Mark Dion installierte den modernen Wilden Westen in der Wandelhalle, ein Klischee, das jede Romantik verloren hat. Das Plakat zur Ausstellung zeigt eine Zigarettenpackung („Lucky Strike“) mit Einschusslöchern. „Der Name des Produkts könnte auch lauten: glücklicher Treffer“, schmunzelte Dion beim Presserundgang, denn schließlich sei das die wörtliche Übersetzung.

Aber so harmlos bleibt es nicht. Die Ausstellung zeigt Widersprüche und Illusion in zahlreichen Facetten. Normalerweise werde in den USA in unwirtlicher Umgebung geschossen, wie etwa einer Müllhalde, erklärte Dion. Deshalb habe er einen amerikanischen Übungsplatz in die altehrwürdige Tölzer Wandelhalle versetzt. Diese scheint auf den ersten Blick erstaunlich leer. Ein Sofa und Stühle stehen nebeneinander. Doch in 35 Metern Entfernung hat Dion seine „Shooting Galery“, eine Galerie aus verschiedenen Zielen, aufgebaut. „Auf dem Sofa kann man sich ein paar betrunkene Jugendliche vorstellen, die sich zum Schießen getroffen haben“, erklärte der Künstler.

Seine „Shooting Galery“ zeigt Erstaunliches. Der Anblick des Computerbildschirms mit Einschussloch wirkt seltsam berührend – erschreckend, aber auch irgendwie komisch. Wer würde nicht gerne mal auf das Ding schießen, wenn die vermeintliche Lebenswelt abstürzt? Sehr skurril erscheinen auch die aufgehängten, durchsiebten Bratpfannen. „Es geht beim Schießen darum, Spaß zu haben“, erklärt Dion. In Autotüren, Fässern und Metalltonnen sind die unterschiedlich großen Kaliber der Projektile erkennbar.

Der Humor weicht jedoch immer mehr bei Objekten wie Tierzielscheiben und kommt bei menschlichen Umrissen mit Einschusslöchern im Brustbereich schließlich völlig zum Erliegen. Dem Betrachter kommen Gedanken an Amokläufe in den Sinn, die auch schon an deutschen Schulen Menschenleben kosteten. Dion sagt dazu: „Aber kein anderes Land der Welt würde die Sicherheit an Schulen erhöhen, indem es dort das Tragen von Waffen erlaubt.“ Die amerikanische Waffenpolitik sei ein Wahnsinn, die Lobbyisten finanziell sehr mächtig.

Dion hat die Illusion aufgebaut, als sei in der Wandelhalle auf diese Gegenstände geschossen worden. In Wahrheit „bearbeitete“ er selbst seine Galerie vergangene Woche in einem Jagdrevier. „Dort war ich in einer wunderschönen Landschaft“, erinnerte sich Dion. Er hat Europa schon oft bereist und sich mit dem Bild des Jägers auseinandergesetzt. „Der Jäger ist ein Fachmann der Natur, aber seine Leidenschaft liegt letztendlich doch im Töten.“ Birgit Botzenhart

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