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Bei Han’s Klaffl bekamen Eltern, Schüler und Kultusministerium ihr Fett weg.  

Han’s Klaffl in der Tölzer „Lust“ 

Störenfried in der Schullandschaft

In seinem neuen Programm „Nachschlag“ kontrastiert der Pädagoge und Kabarettist Han’s Klaffl seine eigene Schulzeit mit der heutigen. Bei der Vorpremiere in der ausverkauften Tölzer „Lust“ erlebte das Publikum einen verblüffenden und hoch unterhaltsamen Abend.

Bad Tölz– Klaffl rief beinahe schockierende Realitäten von damals in Erinnerung: „Freilein“, also das Fräulein, die unverheiratete Frau, war Aushilfslehrerin. Sobald sie heiratete, war ihr Berufsleben aber vorbei. Oder: Sein Lateinlehrer rauchte noch im Unterricht. Im Abitur wurde dem Schüler noch die Frage gestellt: Wie sah das Rentensystem im Dritten Reich aus? Dagegen rebellierte Klaffl mit saufrechen Sprüchen, die im Publikum für einige Schenkelklopfer sorgten. Sie brachten ihm als Schüler zahlreiche Verweise ein und die Zeugnisbemerkung: „Flegel und Störenfried.“

Der heutigen Bildungspolitik zog Klaffl verbal die Ohren lang. Das G 8 habe „Azubis mit abgebrochenem BWL-Studium“ hervorgebracht. Er berate inzwischen als Coach die Eltern bei der Wahl der richtigen Schulart. Bei dieser Persiflage stellte er am Modell einer dreispurigen Autobahn dar, dass trotz Schulreformen eines gleich geblieben sei: Die Überholspur, sprich das Gymnasium, sei verstopft. Alle hörten auf die Forderungen der Wirtschaft, obwohl doch das Beste für die Kinder gewollt werde.

In einem seiner Lieder, zu denen er den Kontrabass und das E-Piano spielte, hänselte Klaffl die Pädagogik: Lehrer seien auf den Gängen unterwegs anstatt in Klassenzimmern zu unterrichten, weil sie die Schüler dort abholten, wo diese gerade stehen, liegen oder rauchen würden.

Das Abitur sei etwas „für alle, die es sich leisten können“. Denn trotz kostenlosen Schulbesuchs würden große Summen aufgewendet für Nachhilfe oder Anwälte, um die bessere Note durchzusetzen. Hier bekamen manche Eltern ihr Fett weg. Singend stellte der Kabarettist die durchgetakteten Schulwochen von „Tim“ dar. Als der Bub in den Ferien baden gehen will, höhnen die Eltern: „Ja, auf diese Weise wirst du wirklich einmal baden gehen.“

Als Klaffl unfreiwillige komische Presseüberschriften vortrug, war das zwar unterhaltsam, bedauerlicherweise aber nichts aus Klaffls eigenem Fundus: Stilblüten hat der ehemalige Gymnasiallehrer auf seiner Internetseite gesammelt. Trotz Lachkrämpfen bei dieser Lektüre erinnert man sich an Klaffls letzte Verse auf der Bühne: „Was haben wir Wichtiges übersehen? Ich fürcht’, irgendwann müssen wir dafür gerade steh’n.“ Birgit Botzenhart

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