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Tritt am Sonntag in der Alten Madlschule auf: Kabarettist Han’s Klaffl.  

Han’s Klaffl kommt nach Bad Tölz

Lehrer blickt ins eigene „Vorstrafenregister“

Wieder einmal gibt es eine Weltpremiere in der Tölzer „Lust“: Der Kabarettist und frühere Oberstudienrat Han’s Klaffl zeigt am kommenden Sonntag, 6. Mai, um 19.30 Uhr zum allerersten Mal „Nachschlag“ in der Alten Madlschule.

Bad Tölz Bereits zum wiederholten Mal feiert der Kabarettist hier Vorpremiere und testet sein neues Programm vor Tölzer Publikum. Der Auftritt ist ausverkauft. Im Interview mit dem Tölzer Kurier gibt Klaffl aber einen kleinen Einblick.

-Herr Klaffl, was ist für Sie das Besondere an der Alten Madlschule in Bad Tölz?

Hans Klaffl: Ich fühle mich diesem Veranstaltungsort sehr verbunden. Wiggerl Retzer (ehemaliger Vorstand der „Lust“, Anm. d. Red.) war der erste, der mich engagiert hat, als ich noch in einer Münchner Kellerbühne aufgetreten bin. Es passt einfach alles: Es hat Atmosphäre, es ist eng, warm, man sitzt sich quasi gegenseitig auf dem Schoß – es hat somit genau die richtige Größe, um die Reaktionen des Publikums mitzubekommen. Das ist bei einer Vorpremiere sehr wichtig. Das Tölzer Publikum hab’ ich ebenso positiv in Erinnerung. Die Leute gehen mit und geben Rückmeldung. Es ist schon viel angenehmer, wenn man davon mitgetragen wird.

-Worum geht es in Ihrem neuen Programm „Nachschlag“? Haben Sie immer noch nicht genug von der Schule?

Klaffl: Es schließt sich an die drei vorherigen Programme an. Ich vergleiche meine Schulzeit und ziehe Parallelen zu heute – der Begriff Dèjá-vu kommt dabei öfter vor. Ich hab’ noch nicht genug vom Thema Schule, und auch für die Gesellschaft ist es natürlich immer interessant. Gerade jetzt, bei der Wiedereinführung des G9 gibt es ja etliche umstrittene Dinge und einigen Zwist.

-Was ist Ihrer Meinung nach die größte Veränderung beim Thema Schule?

Klaffl: Manches hat sich überhaupt nicht verändert, deshalb auch das Dèjá-vu. Bereits in den 50er-Jahren, in meinem bayerischen Dorf, waren die Leute nicht begeistert von Aussiedlern und Flüchtlingen, und das ist so geblieben. In Bayern hat man eine ausgeprägte Xenophobie (Fremdenfeindlichkeit), egal woher die Leute kommen. Damals zählten Glaubensunterschiede genauso; der evangelische Unterricht war nicht gerade angesehen und wurde in einem Kellerraum abgehalten. Und leider findet auch wieder Antisemitismus statt. Früher haben das die Lehrer noch aus dem Dritten Reich rübertransportiert, heute bekommt man einen „Echo“ dafür. Damit hätte ich nicht gerechnet, als ich das Programm geschrieben habe. Aber ich erzähle auch von meinem eigenen „Vorstrafenregister“ in der Schule. Wir waren ja – ehrlich gesagt – genauso respektlos mit frechen Bemerkungen und entsprechendem Benehmen. Das ist gleich geblieben, nur wurden früher keine Anwälte von den Eltern engagiert, wenn es dafür Strafen gegeben hat.

-Was haben Sie auf der Bühne noch alles vor?

Klaffl: Altersbedingt ist ja bei mir ein Ende abzusehen. Ich werde es irgendwann auslaufen lassen, ich spiele keine zehn Jahre mehr. Ich bin ja nicht Dieter Hildebrandt, da kann ich nicht mithalten – und auch nicht beim politischen Kabarett allgemein. Ich mache Kabarett über Schulpolitik, da kenn’ ich mich aus, und da hab’ ich mir einen Namen gemacht. Allerdings geht es in meinem neuen Programm durchaus ein wenig ernster zu, und es sind weniger Schenkelklopfer dabei.

-Vermissen Sie eigentlich etwas am Schulalltag?

Klaffl: Ich war gerne Lehrer, und der Kontakt zu den Schülern fehlt mir schon. Ich war nicht nur reiner Fachlehrer für Musik und Theater, sondern auch eine Vertrauensperson für die Schüler. Manchmal passiert es, dass ehemalige Schüler nach der Vorstellung zu mir kommen und sagen „Sie waren mein Lehrer“. Das freut mich, und das zeigt mir, dass ich vielleicht doch einiges hingekriegt hab’ als Lehrer.

Ines Gokus

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