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Lkw in der Marktstraße sind bei Bauarbeiten – wie hier an einem Kanal des Kolpinghauses (grün) – keine Seltenheit.

Arbeiten am Kolpinghaus

Marktstraße: Handwerker ärgern sich über Strafzettel

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„Verarscht“ kommt sich ein Handwerker vor, der mithilft, das historische Kolpinghaus an der Marktstraße zu sanieren. Wütend macht ihn ein 30-Euro Strafzettel an seinem Baufahrzeug. „So was gibt es nur in Tölz“, sagt er. Die Stadt stellt klar: Der Parkausweis für Handwerker gilt nur während der Lieferzeiten.

Bad Tölz/Wackersberg – Hans Gerg ist richtig sauer: „Leben und leben lassen, heißt’s doch immer. Aber die, die lassen einen nicht mehr leben“, schimpft er. Die, damit meint Gerg, Maurer- und Stahlbetonmeister aus Wackersberg, die Tölzer Verkehrsüberwacher – jene Frauen und Männer, die Falschparkern einen Denkzettel an die Windschutzscheibe heften. So einen hat auch der Handwerker bekommen: 30 Euro musste er an die Stadt zahlen, weil ein Fahrzeug seiner Baufirma zur falschen Zeit in der Marktstraße parkte. Weil es nicht das erste Mal sei, obwohl er doch den orange-farbenen Handwerker-Parkausweis habe, gehe er nun mit seinem Ärger zur Zeitung. Und übrigens: Handwerker-Kollegen würde das Knöllchen-Verteilen auch stören.

Hans Gerg und seine drei Mitarbeiter waren zuletzt am Kolpinghaus gleich neben dem Kurier-Gebäude beschäftigt. Den ersten Stock und das Dachgeschoss haben sie verputzt. „Wir tragen zum Erhalt der Tölzer Altstadt bei und werden dafür bestraft. Da kommt man sich verarscht vor“, klagt Gerg. Seine Männer hätten 50 Säcke Putz à 35 Kilo über drei Treppen nach oben tragen müssen. „Und du brauchst immer mal wieder Werkzeug aus dem Fahrzeug.“ Deshalb parkten seine Mitarbeiter vormittags in der Fußgängerzone.

Sondergenehmigung kostet 15 Euro pro Tag

Zu lange, wenn es nach den Regeln von Stadt und Landratsamt geht. Denn der Handwerker-Parkausweis gilt nur während der Lieferzeiten, sagt Alexander Schindler, Leiter des Tölzer Ordnungsamts. Und die sind in der Markstraße von 6 bis 9.30 Uhr und von 18 bis 20 Uhr. Für alles, was darüber hinaus geht, müssten die Betriebe eine Sondergenehmigung beim Landratsamt beantragen. Das tat Hans Gerg nicht, und er wusste nach eigener Aussage auch nichts davon. 15 Euro beträgt die Gebühr laut Schindler für einen ganzen Tag in der Marktstraße. „Man muss aber nachweisen, dass man sein Baufahrzeug in der Nähe braucht.“

60 Euro überweisen Firmen dem Landratsamt, damit sie ein Jahr lang im ganzen Landkreis an ihren Baustellen be- und entladen können. Der orange-farbene Ausweis für jedes weitere Fahrzeug kostet 25 Euro. Der Maurermeister Hans Gerg darf mit seinem Parkschein also gebührenfrei auf städtischen Parkflächen und auch im eingeschränkten Halteverbot stehen bleiben. Trotzdem hat er heuer schon das dritte Knöllchen kassiert. Eines zum Beispiel, als er im Sommer in der engen Klammergasse beschäftigt war. 40 Euro Strafe, weil er eine Feuerwehrzufahrt blockierte.

Ordnungsamtsleiter Schindler findet, dass die Sondergenehmigungen einen Sinn haben: „In der Marktstraße ist eh immer viel los. Was wäre denn, wenn da auch noch jeden Tag zehn bis 15 Handwerker-Autos parken würden?“ Gerg ist ganz anderer Meinung. „Sowas gibt’s nur in Tölz“, schimpft er. „In Wolfratshausen, Geretsried oder Penzberg haben wir überhaupt keine Probleme.“ Auf jedem Handwerker-Fahrzeug stehe doch eine Telefonnummer. „Aber da ruft niemand an, da wird sofort der Zettel verteilt.“ Nach der Meinung des Wackersbergers geht es der Stadt nur ums Geld, um einen „Reibach“.

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