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Hans Kammerlander hält in Tölz den Vortrag: "Manaslu - Berg der Seelen".

Auftritt beim „Wunderfalke“-Festival

Hans Kammerlander übers Bergsteigen: „Das Oben-Sein hat etwas Beglückendes“

Der Südtiroler Extrembergsteiger Hans Kammerlander kommt am 8. März zu einem Vortrag nach Tölz. Im Interview mit dem Tölzer Kurier spricht er über Höhepunkte und dunkle Momente seines Lebens.

Bad Tölz – Der Südtiroler Extrembergsteiger Hans Kammerlander hat 12 der 14 Achttausender bestiegen. Seine schwärzesten Stunden erlebte er 1991 am Manaslu, als seine Kameraden Carlo Großrubatscher und Friedl Mutschlechner starben. Am Sonntag, 8. März, kommt Kammerlander mit seinem Vortrag „Manaslu – der Geisterberg“ ins Kurhaus. Im Interview mit Kurier-Mitarbeiter Rainer Bannier spricht er über Höhepunkte und dunkle Momente seines Lebens.

Herr Kammerlander, zuerst eine Frage für alle Nicht-Bergsteiger: Wie fühlt es sich an, auf einem Berg zu stehen?

Das Oben-Sein hat etwas sehr Beglückendes. Das hatte ich besonders in meiner Jugendzeit und jetzt wieder, wo mein Bergsteigen nicht mehr den Wettlauf-Charakter hat.

Sind Sie schon mal im Karwendel geklettert? Ihr berühmter Südtiroler Bergführer-Kollege Angelo Dibona hat hier 1911 die Erstbegehung der Laliderer-Nordwand gemacht.

Nein, im Karwendel war ich noch nicht, aber das möchte ich nachholen. Der brüchige Fels liegt mir: Da zählt beim Klettern nicht die Kraft, sondern das Gefühl, man muss den Berg förmlich streicheln.

Am Gipfel ist man noch nicht am Ziel. Beim Abstieg passiert am meisten – erst recht an den ganz hohen Bergen, wenn Kraft und Konzentration schwinden oder das Wetter kippt...

Ja, das trifft insbesondere für meine Steilwand-Skiabfahrten vom Mount Everest und Nanga Parbat zu. Da beginnt erst am Gipfel das eigentliche Abenteuer. Diesem Thema widmet sich auch mein Buch „Abstieg zum Erfolg“.

Was bleibt in der Erinnerung von solchen Schindereien?

Die intensivsten Erinnerungen sind mit Momenten des Scheiterns verbunden – nicht mit Touren, wo alles glatt lief.

Ist Extrembergsteigen eine Sucht, das Glücksgefühl des Gipfelerfolges so etwas wie ein Rausch?

Auf jeden Fall, denn ohne Risikobereitschaft und völlige Hingabe kann man solche Ziele nicht erreichen.

Ein Erfolgsrezept beim Bergsteigen lautet: Schnelligkeit ist Sicherheit. Heute geht man deshalb die Achttausender ohne aufwändige Lagerkette und mit möglichst wenig Gepäck an. Birgt das nicht auch zusätzliche Risiken?

Nein. Die Sicherheit schöpft man aus seinem Körper, seinem Geist und dem kleinen Schönwetterfenster, nicht aus der Menge des Gepäcks.

Sie waren ein junger Extrembergsteiger, als der zwölf Jahre ältere Reinhold Messner auf Sie zukam und sie gemeinsam viele sensationelle Erfolge erzielten, darunter die erste Doppelüberschreitung von zwei Achttausendern. Viele halten Messner für „schwierig“, aber Sie haben als Zweierseilschaft großartig funktioniert. Was war Ihr gemeinsames Erfolgsgeheimnis?

Ich war der sehr gute Kletterer, schnell und konditionsstark. Er der gewiefte Taktiker, der den Berg besser „gelesen“ hat. Ich habe sehr viel von ihm gelernt und ihm viel zu verdanken, seine Erfahrung war mir Gold wert. So eine Überschreitung ist noch nie wiederholt worden.

Der Manaslu ist so etwas wie Ihr Schicksalsberg. Nach der Tragödie von 1991 haben Sie lange auf weitere Versuche verzichtet.

Das Thema ist für mich noch nicht erledigt, auch heute mit 63 habe ich das noch drauf, aber ich mache mir da keinen Druck mehr. Mein Vortrag „Manaslu – der Geisterberg“ ist keine Erfolgsstory, sondern eine Geschichte mit tiefen persönlichen Einsichten.

Ein dunkler Fleck in ihrem Leben ist auch der Verkehrsunfall, bei dem ein Mensch ums Leben gekommen ist.

Ja, diese Schuld habe ich angenommen und gehe damit offen und ehrlich um.

Sie gehören zu den Bergsteigern, die mehr tun wollen als ihre Gipfelziele abzuhaken. Sie engagieren sich auch für Land und Leute in Nepal. Wie steht es um das Land nach dem schweren Erdbeben?

Zusammen mit vielen Freunden aus Deutschland und Österreich unterstützen wir den Wiederaufbau von Schulen, Heimen für Waisenkinder und Wasserleitungen. Es ist ein schönes Gefühl, helfen zu können. Und es ist zutiefst beeindruckend, wie diese Menschen um ihre Toten trauern und dann ihr Schicksal akzeptieren und alles wieder neu aufbauen.

Sie haben sich auch sehr kritisch zur Politik Chinas im besetzten Tibet geäußert.

Es ist unfassbar, wie unmenschlich China die Einheimischen unterdrückt und ihre Kultur zerstört. Am hohen Passübergang nach Nepal schießen chinesische Soldaten auf friedliche Pilger. Wegen meiner Kritik habe ich ein Einreiseverbot nach Tibet. Es ist schändlich, wie im Westen die Politiker und Konzerne dazu schweigen, weil sie Geschäfte mit China machen wollen.

Der Vortrag „Manaslu – der Geisterberg“ im Rahmen der Outdoor- und Adventurefestivals beginnt am Sonntag, 8. März, um 19.30 Uhr im Tölzer Kurhaus. Weitere Infos auf www.wunderfalke.de

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