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Mitreißender Frontmann, aufmerksame Band: Hans Söllner mit seinen Begleitmusikern von „Bayaman’Sissdem“ im Zirkuszelt auf dem „Summer Village“.

Konzertbericht 

Hans Söllner in Tölz: Weltfrieden und ein Jahr ohne Hendl

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Der Liedermacher Hans Söllner war in Bad Tölz und hatte einiges zu sagen. Und er hatte eine einfache, klare Botschaft.

Von Tobias Gmach

Bad Tölz – Wann wird man als Reporter schon mal für einen Polizisten in Zivil gehalten? Die Antwort: Auf einem Hans-Söllner-Konzert. Argwöhnisch beobachtet der Stehnachbar den Journalisten mit Block und tastet sich neugierig vor: „Immer fleißig mitschreiben, gä?!“

Ja, Staatsbeamte auf Söllner-Abenden gab es sicher und gibt es vielleicht auch noch: Der Liedermacher aus Bad Reichenhall, mittlerweile 61, eckt immer noch an, ach was, er rauscht verbal krachend in das hinein, was er „System“ nennt und singt für Freiheit, Frieden und Marihuana. So auch am Sonntagabend im Zirkuszelt des Tölzer „Summer Village“ im Moraltpark.

20 Uhr: Söllners Band „Bayaman’Sissdem“ betritt die in Jamaika-Farben beleuchtete Bühne: eine Bassistin mit Rasta-Frisur, ein Gitarrist mit Wuschelkopf und zwei adrette Männer mit schwarzen T-Shirts, Schlagzeuger und Keyboarder.

Entzückte Zuhörer: Die Fans in der ersten Reihe staunten über den umtriebigen Söllner.

20.04 Uhr: Hans Söllner kommt hinter dem Vorhang hervor. Er trägt ein weißes T-Shirt mit dunkelblauen Palmen und fängt an zu reden. Minutenlang. Über Ställe, in denen unterbezahlte Gastarbeiter 60 000 Hühner verstümmeln, damit der Hendlverkäufer an der Ecke möglichst billiges Fleisch loswerden kann. Das Hendl, besser gesagt der Verzicht darauf, wird zum Leitmotiv des Abends. Söllner hat sich entschieden, neben dem Weltfrieden eine einfache Botschaft zu verbreiten, die jeder umsetzen kann: „I verlang von eich, dass ihr oa Jahr koa Hendl essts“, schreit er. Und: „Fangt’s heid Nacht wos Neis o.“ Aufbruchstimmung verbreitet Söllner besonders, als er endlich das erste Lied spielt. Nur sporadisch schlägt er die Gitarrensaiten an. Seine aufmerksam groovende-Reggae-Band hält ihm den Rücken frei, wenn er plötzlich unterbricht und sagt, dass „im Namen der Liebe so viel Grausiges passiert“.

20.55 Uhr: „Hansä, spui an Klassiker“, schreit einer. Söllner folgt und singt: „Hey Staat, jetzt sog da i amoi, wos i ois mach für di“. Ein Protestlied über alles, was der Staat dem einfachen Bürger vorschreibt und wie er vom Hunger in der Welt profitiert. Bald lässt Söllner „Oan schritt gemma hint’re“ folgen. Eine Mitsing-Nummer mit dem ewiggleichen Refrain. Funktioniert. Rund 700 Besucher sind im Zelt, viele sitzen auf den Bänken hinten, ein harter Kern springt „Hansä“-grölend vor der Bühne herum.

22.05 Uhr: „Marihuanabam“: Man merkt, wie sehr alle auf den Song gewartet haben. Jetzt muss Söllner nur noch sporadisch singen, die Meute übernimmt. Der Mann, der immer mal wieder mit der Polizei aneinandergerät, bedient sich dem einfachsten Mittel, um eindringlich zu sein: Er wiederholt die Refrains so oft, bis sie auch „die Langsamsten“ verstanden haben. So bietet er seinen Fans ein zweieinhalbstündiges Konzert und dankt am Ende dem lieben Gott, dass er ihn erschaffen hat.

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