Tattoo-Model „JackyMexx“ posierte für Fotos.

Rock n‘ Race im Moraltpark

Harley-Fahrer zeigen, was sie haben

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Bis zu 1000 Harley Davidsons waren am Wochenende beim „Rock ’n’ Race“ im Moraltpark zu sehen – teils spektakulär aufgemotzt, teils selten, immer aber liebevoll gepflegt. Die dazugehörigen Biker vermittelten das Bild einer bodenständigen Liebhaber-Szene.

Bad Tölz– Motorenknattern, Lederkluften, reichlich Tätowierungen, Eisen in diversen Körperteilen und überall Totenkopfmotive: An Ehrfurcht gebietender Rocker-Symbolik mangelte es am Wochenende nicht im Tölzer Moraltpark. Wer mit den Besuchern des „Rock ’n’ Race“ ins Gespräch kam, merkte aber schnell: Hinter der rauen Schale verbarg sich meist ein weicher Kern. Denn die Harley-Davidson-Besitzer, die sich hier ein Stelldichein gaben, zählen zur eher gemütlichen Spezies unter den Bikern.

In der Spitze waren es bis zu 1000 Motorräder, die gleichzeitig im Moraltpark zu bestaunen waren. Die Halter kamen mit ihren Maschinen aus dem ganzen Oberland, der Region München, aber auch zahlreich aus Österreich und der Schweiz angerollt. „Sehen und gesehen werden, das ist hier das Motto“, sagt Veranstalterin Stephanie Hörmann, die am frühen Sonntagnachmittag zufrieden feststellt: „Der Platz ist voll.“ Am verregneten Samstag war es freilich ruhiger zugegangen. Doch Hörmann erzählt von der prima Stimmung: Als abends um 11 die Band zu spielen aufgehört habe, da seien einige Biker auf die Bühne geklettert und hätten selbst weitergesungen.

Unter den Besuchern stellt Hörmann grinsend einen gewissen Überhang von „Männern über 50“ fest, „die sich ihren Traum verwirklicht haben“. Beim Harley-Treffen gilt es dann, dem geneigten Fachpublikum zu präsentieren, wie Mann seine Individualität an der Maschine auslebt. „Hier gleicht keine Harley Davidson der anderen“, stellt etwa Thomas Dankesreiter aus München fest, der interessiert eine „Soft Tale“ begutachtet. Ihr Besitzer hat sie zum „Bobber“ umgebaut. „Hier kann man sich viele Anregungen holen – ich überlege gerade, wie ich bei meiner Maschine das Heck umbauen könnte.“

Seine Frau, die daneben steht, stellt dagegen klar: „Meine Harley Davidson wird nicht umgebaut. Das ist eine Street Bob, von der es nur 500 auf der Welt gibt.“ Gitti Dankesreiter hat erst von einem Jahr den Motorrad-Führerschein gemacht – „mit 53“, wie sie fröhlich erzählt. „Ich wollte nicht immer nur hinten drauf sitzen.“ Eine Harley Davidson, das sei genau das richtige Motorrad für sie, „bequem und ein bissl schwerfällig“, meint sie. „Denn ich will gemütlich fahren und was sehen von der Strecke.“ Diese Einstellung spiegle sich auch in der Harley-Szene wider. „Die Leute sind alle sehr freundlich, es gibt kein Gezicke, Gehacke und Gestänker.“

Diese „chillige Atmosphäre“ weiß auch Richard Dolze zu schätzen. Der 50-Jährige aus der Nähe von Günzburg hat nach eigenen Angaben „20 Jahre Arbeit“ in seine reich verzierte 91er-„Soft Tale“ gesteckt. Beim Blick auf die stachelförmigen Nieten im Vorderbereich des Sitzes wünscht man ihm, dass er nie abrupt bremsen muss und zu weit nach vorne rutscht.

„Eine Harley muss man pflegen – dass der Chrom blinkt, ist das A und O“, lautet dagegen das Motto von Matthias Klebel (57) aus Ottobrunn, der entspannt auf seiner „Road King“ sitzt. Auch seine Frau Susanne (55), die bis vor drei Jahren noch BMW fuhr, ist mittlerweile auf Harley umgestiegen, eine „Superlow – für Fahrer mit kurzen Füßen“, erklärt sie selbstironisch. In der männerlastigen Szene fühlt sie sich als Frau alles andere als verloren, im Gegenteil: Sie berichtet von den Gentlemen, die ihr bei Bedarf bereitwillig helfen, ihre 240-Kilo-Maschine zu schieben.

Eindeutig auf die männliche Zielgruppe zugeschnitten ist derweil „JackyMexx“. Das über und über tätowierte Model mit dem eindrucksvollen Dekolleté und dem feuerroten Haar stöckelt im knappen Outfit übers Festgelände und lässt sich bereitwillig neben begeisterten Herren fotografieren. Doch selbst bei ihr kommt hinter dem wilden Äußeren ein bodenständiges Wesen zum Vorschein. Bürgerlich heißt sie Jacqueline Astlinger, und sie kommt aus St. Johann in Tirol, sagt sie höflich. Ihre Tätowierungen zeigen ein Bildnis ihres kleinen Sohns Max – „das Wichtigste in meinem Leben“ – und eine Ausgabe der Tiroler Tageszeitung, in der sie einmal unter dem Titel „Hart, aber herzlich“ porträtiert wurde. Ja, sie passt gut zur versammelten Harley-Szene – nur etwas zu jung ist sie wohl noch. „Ich hoffe“, meint sie treuherzig, „dass ich mir irgendwann eine leisten kann.“

Harley-Treffen: Coole Biker und ihre Liebhaberstücke

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