Rune HoffmannUnternehmens-Sprecher der Asklepios-Gruppe. kn

„Hat nichts mit Wirtschaftlichkeit zu tun“

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Bad Tölz/Hamburg - In Bad Tölz könnte es wie berichtet ab Mitte nächsten Jahres keine Geburtshilfe mehr geben. Der Asklepios-Konzern schließt derzeit auch in NRW und Hamburg Geburtshilfe-Abteilungen. Nicht aus finanziellen Gründen, sagt der Unternehmenssprecher.

Diese Nachricht ist Wasser auf den Mühlen jener, die sich für den Erhalt der Geburtshilfe-Abteilung in Bad Tölz stark machen und den Schwarzen Peter bei Asklepios sehen: Auch in Sankt Augustin (NRW) und in Harburg (Hamburg) schließt der Konzern nächstes Jahr die Entbindungsstationen. Der Tölzer Kurier hat mit Unternehmenssprecher Rune Hoffmann über die Hintergründe und die Zukunft der Tölzer Geburtshilfe gesprochen.

Ist Asklepios ein gewinnorientierter Privatkonzern, der aus Gründen der Wirtschaftlichkeit die Geburtshilfe-Abteilungen schließt?

Nein. Die Verlagerung der Geburtshilfe der Asklepios Klinik Harburg an ein benachbartes Krankenhaus war ein politischer Wunsch der Hamburger Gesundheitsbehörde. Auch in NRW ist es der politische Wille, die Krankenhauslandschaft umzubauen. Das heißt, die Häuser sollen sich künftig auf ihre spezifischen Kompetenzen konzentrieren, auch wegen des anhaltenden Personalmangels. Genau das machen wir in Sankt Augustin – und auch dort wird die Abteilung nicht geschlossen, sondern an andere Krankenhäuser verlagert. Mit Wirtschaftlichkeit haben alle Fälle nichts zu tun. Weitere Geburtshilfe-Abteilungen sollen aktuell weder geschlossen noch verlagert werden.

Was ist in Bad Tölz das Problem?

Die beiden Belegärzte haben uns gegenüber erklärt, dass sie die hohe Arbeitsbelastung auf Dauer nicht stemmen können und wollen. Bislang haben wir trotz intensiver Suche keinen weiteren Belegarzt gefunden, um die beiden zu entlasten. Zum anderen ist es auch der Stadtklinik nach einer Gesetzesänderung nicht mehr möglich, die Zusammenarbeit mit den Belegärzten in der bisherigen Form fortzusetzen.

Wegen des Antikorruptionsgesetzes?

Ja, die gesetzlichen Regeln über Korruption im Gesundheitswesen bestimmen eindeutig, dass wir die Ärzte nicht subventionieren können.

Die Hebammen fragen sich, was daran korrupt sein soll, wenn die Kliniken ganz offen und nachvollziehbar etwa die hohen Versicherungsbeiträge für die Belegärzte zahlen?

Eine Rechtswidrigkeit wird ja nicht dadurch legal, dass ich sie öffentlich mache.

Haben Sie es mit finanziellen Anreizen versucht?

An den Gehältern scheitert es nicht. Es liegt schlicht an den nicht vorhandenen Bewerbern.

Was ist mit der vielzitierten Umwandlung in eine Hauptabteilung?

Das ist sehr schwierig, weil die Ansprüche an die Qualität und die Personalausstattung sehr hoch sind. Wir bräuchten einen Chefarzt, mindestens zwei Oberärzte und fünf bis sechs Fachärzte, um bei Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes eine leitliniengerechte Geburtshilfe sicherstellen zu können. Aber: Deutschlandweit sind 80 Chefarztposten in der Gynäkologie unbesetzt.

Gibt es denn Bewerbungen für Bad Tölz?

Vereinzelt ja, aber: Wir haben einen hohen Qualitätsanspruch. Es haben sich zum Teil Ärzte beworben, die diesem Anspruch bei Weitem nicht gerecht wurden.

Können Sie die Aufregung der Menschen vor Ort verstehen?

Natürlich können wir die Sorgen nachvollziehen. Aber wenn wir das Personal nicht dauerhaft haben, um die Sicherheit von Mutter und Kind zu gewährleisten, können wir die Geburtshilfe nicht aufrechterhalten.

Es geht das Gerücht um, dass die Geburtshilfe bereits Anfang des Jahres geschlossen werden soll...

Das ist nicht der Plan. Wir haben uns mit unseren Belegärzten darauf geeinigt, die Geburtshilfe in der gegenwärtigen Besetzung noch bis Mitte 2017 fortzuführen. Vielleicht erzielen wir bis dahin doch noch einen Durchbruch.

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