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Denkmalgeschützt: Das Haus Fruth in der Höckhstraße (Baujahr 1927/28) beschäftigt am Dienstag erneut den Tölzer Bauausschuss.

Bauausschuss diskutiert am Dienstag

Haus Fruth: Entkernen statt abreißen

Nächste Runde im Streit um den Abriss des denkmalgeschützten Hauses Fruth in der Höckhstraße. Der Eigentümer versucht nun, über eine Entkernung des Gebäudes doch noch den Bau von Wohnungen zu erreichen. 

Bad Tölz – Die einen sagen, es ist handle sich um typische Tölzer Bäderarchitektur der 1920er-Jahre, deren Erhalt der zunehmend gesichtsloser werdenden Stadt gut anstehe. Die anderen, darunter Eigentümer Ernst Duttler, wollen das ehemalige Sanatorium Fruth am liebsten abreißen und neu bauen. Das in die Jahre gekommene Haus ist keine Augenweide, eine Sanierung sicher aufwendig.

Der Bauausschuss hatte den Abriss des denkmalgeschützten Hauses 2013 abgelehnt. 2016 kam die Kehrtwende. Plötzlich konnte sich eine Mehrheit den Abriss vorstellen. Nicht wenige Beobachter glaubten freilich, dass Duttler, der gleichzeitig das Hotel Tölzer Hof betreibt, die Daumenschrauben gegenüber der Stadt ausgepackt hatte, die händeringend Hotelbetten sucht.

Nach dem Votum des Bauausschusses meldete sich das Landesamt für Denkmalpflege zu Wort und stellte klar, dass das Haus ein Baudenkmal ist und der Besitzer es nicht einfach abreißen dürfe. Auch sonst wurde viel Kritik laut. Als der Bauausschuss erste konkrete Planungen vorgelegt bekam, stimmte er nun mit 7:6 Stimmen wieder für den Erhalt.

Aus einem Prospekt um 1936: Das Sanatorium Dr. Fruth hat nun einen Erweiterungsbau (li.). Die Preise seien angesichts des regen Besuchs „zeitgemäß“.

Am heutigen Dienstag nimmt Ernst Duttler erneut einen Anlauf, doch noch seine Wohnbaupläne durchzusetzen. Vorausgegangen sind mehrere Gespräche mit dem Rathaus, in denen ihm Bürgermeister Josef Janker (ein Abrissbefürworter) nach eigenen Worten klarzumachen versuchte, dass es nur den Weg der Klage oder des Kompromisses gibt. Ihm, Janker, sei es wichtig gewesen, dass bei einer Lösung die Fassade des Hauses erhalten bleibt. Duttler, der auf telefonische Anfrage und E-Mails nicht antwortete, hat nun den Abriss des nicht denkmalwürdigen Anbaus beantragt und will dort eine Wohnanlage mit Tiefgarage errichten. Der geschützte Altbau soll entkernt und durch einen Zwischenbau mit dem Neubau verbunden werden. Wie weit so eine Entkernung im Detail gehen dürfe, ist laut Janker Sache des Genehmigungsverfahrens und müsse mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt werden.

Die Münchner Behörde, auf die sich auch das Kreisbauamt beruft, kann zum konkreten Vorbescheidsantrag nichts sagen, weil der zuständige Gebietsreferent im Urlaub ist. Man habe den Fall aber schon im Blick, versichert Sprecherin Alexandra Beck. Janker hält eine Entkernung des Hauses für eine vertretbare Lösung. Mit dem Zwischenbau kann er sich nicht recht anfreunden. Die Entkernung hält auch der Historische Verein für einen gangbaren Weg. „Man muss nicht jeden Balken schützen“, sagt Vorsitzender Claus Janßen.

Christoph Schnitzer

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