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Gute Laune bei der Gesundheitsdiskussion (v. li.): Fritz Haugg, Thomas Ranft, Wolfgang Heubisch und Günther Fuhrmann in der „Reindlschmiede“.

FDP-Diskussion

„Hausarztpraxis ist ein Auslaufmodell“

Über die Entwicklung des Gesundheitswesens sprach der frühere bayerische Kultusminister Wolfgang Heubisch jetzt in der „Reindlschmiede“. 

Bad Tölz-WolfratshausenGibt es in Zukunft den Arzt als freien Beruf noch? Mit dieser einfachen Frage war die Diskussion über ein hochkomplexes Thema eröffnet. FDP-Politiker Fritz Haugg hatte in die „Reindlschmiede“ nach Bad Heilbrunn eingeladen. Gastredner war der ehemalige bayerische Kultusminister Wolfgang Heubisch.

Den selbstständig praktizierenden Arzt könne es weiterhin nur geben, wenn das Honorar stimme, betonte der Münchner FDP-Stadtrat. Probleme des Berufs konnten nur aufgezeigt, aber Lösungen kaum befriedigend dargelegt werden. Den Landarzt in der bisher bekannten Form werde es sicherlich nicht mehr geben, erklärte Heubisch. Er zeigte generelle Tendenzen dieses Berufes auf. Die finanziellen Möglichkeiten, in neue medizinische Geräte zu investieren, seien nicht mehr gegeben, sagte Heubisch. „Für einen freiberuflich praktizierenden Arzt muss das Honorar stimmen“, forderte er den Gesetzgeber auf. In einem Artikel der FAZ sei nachzulesen, dass selbst Ärzte das Zustandekommen der Honorare für den jeweiligen Patienten nicht mehr verstehen, viele klagen über Einbußen. „Der Gesundheitssektor ist der am meisten regulierte überhaupt“, klagte Heubischs Stadtratskollege Thomas Ranft, Präsident der Geretsrieder River Rats.

Um die Ausbildung von Ärzten sicherzustellen, forderte Heubisch die Schaffung von mehr Studienplätzen durch den Gesetzgeber. Dem räumte er Vorrang ein vor der Lockerung des Numerus Clausus, dem Noten abhängigen Zugang zum Medizinstudium. Der liegt für Mediziner bei 1,0. 75 Prozent der Studienplätze werden von Frauen besetzt. Die wünschten sich laut einer Umfrage aber lieber eine Anstellung und Teilzeitarbeit, um den Beruf mit der Familie vereinbaren zu können.

„Die Einzelpraxis ist ein Auslaufmodell“, sagte Zahnarzt Heubisch, „auch wegen der weiteren Spezifizierung der Ärzte.“ In Zukunft werde der Patient von mehreren Ärzten betreut. Außerdem müsse das ambulante Angebot der Krankenhäuser steigen. Die Patienten informierten sich heutzutage immer mehr selbst dank Internet. Somit sei ihnen aber auch mehr Eigenverantwortung durch Vorsorge zuzumuten, meinte der ehemalige Präsident des Verbands Freier Berufe in Bayern. Die Digitalisierung verwandle die Diagnostik, die computergestützt werde, und auch das Management der Praxis. Heubisch sprach nicht mehr von der Gesundheitskarte, sondern von der digitalen Gesundheitsakte. „Hier bin ich aber gegen eine zentrale Speicherung“, schränkte er ein, dezentral verwaltet wären die Daten vor Hackerangriffen besser geschützt.

Eine transparente Abrechnung über Ärzteleistungen forderte FDP-Kreisrat Günther Fuhrmann. An der sehr leidenschaftlichen Diskussion nahmen etwa ein Dutzend Zuhörer vom Fach teil. (bib)

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