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Heiligabend bei den Pfarrern

„Mit Liebe auf die Welt schauen“

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Christbaum, Weihnachtskrippe und Kerzenschein: An Heiligabend herrscht in der Kirche eine besondere Stimmung. Für die Pfarrer bedeutet die Vorbereitung darauf viel Arbeit. Sie hoffen, in ihrer Predigt die richtigen Worte zu finden – gerade in diesen Tagen.

Pfarrer Karl Bopp hat vor Heiligabend viel zu tun. Er besucht die Pfarrgemeindemitglieder, die alleine sind, ist bei Beerdigungen für die Menschen da, die so kurz vor Weihnachten einen geliebten Menschen verloren haben. Und er muss seine Predigt schreiben. Wenn sich die Menschen am 24. Dezember entspannt zurücklehnen, weil sie endlich all ihre Aufgaben erledigt haben, fängt die Arbeit von Bopp erst richtig an. Zwei Messen hält er an Heiligabend in Bad Heilbrunn. „Das ist ganz gut zu bewältigen“, sagt er. In seiner Predigt will er eine Antwort auf den schrecklichen Anschlag in Berlin geben. „Wir dürfen uns nicht zu Hass verleiten lassen, sondern müssen gerade jetzt von Betlehem her mit dem Blick der Liebe auf die Welt schauen“, sagt Bopp.

Auch der evangelische Dekan Martin Steinbach will in seiner Christvesper in Tölz Bezug darauf nehmen, aber mit einem anderen Ansatz. „Wir denken, alles ist in Ordnung, wenn es so ist wie immer“, sagt Steinbach. Bei dem ersten Fest war dagegen nichts in Ordnung, nichts war wie immer, was ein Zeichen dafür sein könnte, dass Gott gerade dann kommt, wenn alles in Unordnung ist. „Wir sind dem Stall Jesu in Flüchtlingsunterkünften, Krankenhäusern und den Trauerhäusern Berlins näher als an der festlich gedeckten Tafel.“ Er wolle damit niemanden geißeln, sagt Steinbach, nur an das Wohlwollen der Menschen appellieren, weiter sozial und christlich zu denken.

„Fürchtet euch nicht“, will Pfarrerin Antonia Janßen nach Berlin der evangelischen Kirchengemeinde Kochel mitgeben – mit dem Friedenslicht aus Betlehem, das seit Mitte Dezember in der Kirche leuchtet. Für ihre Predigt hat sie aber das Thema „Weihnachten als Gottes Liebeserklärung an die Menschen“ gewählt. Ohne zu viel zu verraten: Es geht um den Sinn von Geschenken.

Pfarrer Leo Sobik aus Wackersberg will in der Messe ein weltweites Problem ansprechen, das ihm sehr am Herzen liegt. „So viele Kinder leben in Armut, werden misshandelt oder geschlagen.“ Dabei ist Gott an Weihnachten als Kind in diese Welt eingetreten, klein und wehrlos. „Es ist die Pflicht aller Menschen, für den Schutz bedrohten Lebens einzutreten.“

Obwohl sie an Weihnachten viel zu tun haben, ist Heiligabend für die Pfarrer etwas Besonderes. „Man spürt bei allen große Offenheit und Herzlichkeit. Es ist eine andere Atmosphäre als sonst“, sagt Steinbach. Für einen Theologen sei Ostern zwar eigentlich wichtiger, erklärt Bopp. „Weihnachten ist aber stimmungsvoller.“ Besonders die Reaktion von Kindern rühre ihn selbst immer wieder.

Sobik genießt gerade heuer die Verbindung mit den Gläubigen besonders – auch, weil Schwester und Schwager nicht mehr zu Besuch kommen können, da der Weg aus Polen zu weit ist. Aber bei all den Gottesdiensten bleibe ohnehin nur am Nachmittag Zeit, sich mit Bekannten zu treffen. „Der Tag ist voll, aber das ist ja unsere Aufgabe“, sagt er mit einem Lächeln.

Nach drei Gottesdiensten sei sie einfach müde, sagt auch Pfarrerin Janßen. Ihre Zwillinge sind erst zwei Jahre alt und müssen schon fast im Bett sein, wenn sie nach Hause kommt. „Aber am ersten Weihnachtsfeiertag wird gefeiert“, sagt sie.

Steinbach verbringt Heiligabend im Familienkreis und mit Freunden – zwei Irakern und ein Syrer, die im Kirchenasyl waren. „Nach den Gottesdiensten sitzen wir in der Küche, einer zündet die Kerzen am Christbaum an, und wenn das Christkind läutet, singen wir ,Ihr Kinderlein kommet‘.“

Wenn Pfarrer Bopp mit seinen beiden Messen fertig ist, geht er in seiner Klostergemeinschaft Benediktbeuern in die Weihnachtsvesper. Danach kommen alle im Speisesaal zusammen, hören die Weihnachtsbotschaft, singen Lieder und jeder bekommt ein kleines Geschenk.

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