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Um die Vorgaben des Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes einzuhalten, plant die Stadt, das Josefistift durch einen Neubau zu ersetzen. Auch in Lenggries ist ein Heim-Neubau unumgänglich. Der Plan, beide Häuser unter einem Dach zu betreiben, ist nun aber gescheitert.

„Heilige Kühe, die man nicht anfasst“

Die Tölzer Josefispitalstiftung wird die Betriebsträgerschaft des Lenggrieser Kreispflegeheims nicht übernehmen.

Bad Tölz – Traditionen oder Geschichtsbewusstsein spielen im Alltagsbetrieb der Tölzer Politik schon lange keine Rolle mehr. Pragmatismus und Handlungszwänge beherrschen die Bühne. Umso bemerkenswerter war es, dass in der Tölzer Stadtratssitzung am Dienstag doch ein Hauch von Ehrfurcht vor der Leistung der Altvorderen zu spüren war. Die Josefispitalstiftung, die 1752 den Grundstein für die Altenbetreuung in Tölz legte und dies bis heute erfolgreich tut, will man dann doch nicht antasten und verändern. Einstimmig wurde der Plan verworfen, die Josefispitalstiftung auszuweiten und die Betriebsträgerschaft des Kreispflegeheims in Lenggries zu übernehmen.

Sogar Bürgermeister Josef Janker als Ideengeber der „Fusion“ (wir berichteten) dachte um. Es gab viele Gründe. Zunächst mal die Rechtsform der Stiftung, die eine Überführung in eine Betriebs-GmbH für beide Häuser unmöglich macht. Allenfalls, so Kämmerer Hermann Forster, könnte der Stiftungszweck auf Lenggries ausgedehnt werden. Leicht wäre auch das nicht. Dann müsste die Stiftungsaufsicht etwa klären, ob Lenggries noch unter dem in der Stiftungssatzung verwendeten Begriff „örtlich“ fällt. „Stiftungen“, so ergänzte Peter Priller (Grüne) sind „heilige Kühe, die man nicht anfasst“.

Kämmerer Hermann Forster hatte sich auch das Gutachten des Landkreises vorgenommen. Die dort aufgelisteten Chancen der Kooperation bezeichnete er als sehr „theoretisch“ und „gefühlt“. Die beispielhaft angeführte gemeinsame Nutzung von Software in zwei Häusern sei eine geradezu marginale Einsparung gegenüber dem wahren Kosten-Posten, dem Personal. Die angeblich gestärkte Position bei Pflegesatzverhandlungen sei bei zwei Heimen praktisch nicht vorhanden.

Hingegen erkennt Forster massive Nachteile. Derzeit werde das Josefistift von der Kämmerei mitbetreut. Käme ein von 54 auf rund 100 Betten ausgebautes Lenggrieser Pflegeheim hinzu, sei das nicht mehr machbar. Damit wären Mehrkosten für den Josefispitalbetrieb verbunden. Der jetzige Stiftungsbeirat müsste auch zwei Häuser und zwei Gemeinde-Interessen vertreten. Ob das in der Praxis funktioniert, daran hatte Forster gravierende Zweifel. „Was passiert, wenn Defizite entstehen? Wer trägt die dann oder was ist, wenn Vorwürfe der Bevorzugung erhoben werden?“, legte Forster nach.

„Es gibt genug gute Heimbetreiber auf dem Markt“, lehnte Andreas Wiedemann (FWG) die Übernahme ab und erkannte ein großes Betriebsrisiko für Tölz. René Mühlberger (CSU) wollte wissen, wer bei einem Zusammenschluss die Gesamtleitung übernehmen würde? Es gäbe wohl eine kaufmännische Leitung, die in einer Hand wäre, sagte Forster, die Pflegedienstleitung läge vor Ort.

Anton Heufelder (CSU), der dienstälteste Stadtrat, verwies auf die ganz besondere Bedeutung des Josefistifts für die Tölzer. Ihn interessierte, was die Mitarbeiter des Stifts sagen. „Die lehnen die Pläne rundweg ab“, gab Josef Janker zu und räumte ein, dass auch das ein Umdenken bei ihm verursacht habe. Mögliche Probleme wie Defizitausgleich und Beirat hätten ein Übriges getan. Willi Streicher (SPD) hielt die Region für groß genug, dass beide Häuser Platz haben.

Am Rande sei erwähnt, dass auch eine Alternativ-Lösung wie ein Riesenheim mit 200 Plätzen irgendwo zwischen Bad Tölz und Lenggries angedacht, aber als unrealistisch und unzeitgemäß verworfen wurde. Auch dass die Tölzer Stiftung zugunsten einer anderen Lösung aufgegeben wird, sei schlicht „nicht vermittelbar“. Mit der Ablehnung der Übernahme bleibt es also beim alten Sachstand.

Das Josefistift muss, so will es der Gesetzgeber, größere Zimmer bekommen. Statt umzubauen, denkt man nun an einen Josefistift-Neubau beim Krankenhaus und Aufstockung der Bettenzahl von 95 auf 120 sowie weitere acht Kurzzeitpflegebetten.

Und das sagt die Gemeinde Lenggries zum Nein aus Bad Tölz

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