+
Hatten einiges zu lachen: Heinz Bader (li.) und Christoph Schnitzer in der Weinstube Schwaighofer. 

„Reden über Gott und die Welt“

Heinz Baders Weg vom Konditor zum Mesner

Als Sohn eines Eishockey-Nationalspielers hätte eine sportliche Karriere nahe gelegen. Doch Heinz Bader entschied sich für einen ganz anderen Weg. 

Bad Tölz Wer bekommt bei seiner Geburt schon gleich so viel öffentliche Aufmerksamkeit? „Ist der neue Eishockeystar geboren?“, stand im Tölzer Kurier zu lesen, als im Juni 1966 der Sohn des damaligen Eishockey-Nationalspielers Heinz Bader zur Welt gekommen war. Nein, ein Eishockeystar ist aus Heinz Bader jun. nicht geworden. Vielmehr erlernte er (wie sein Vater) den Beruf des Konditors, um später auf Greenkeeper umzusatteln und wiederum Jahre danach als Mesner der Tölzer Kalvarienberg- und Mühlfeldkirche zu seiner „Berufung“ zu finden.

Es war ein offenes, unkompliziertes, aber dennoch tiefgehendes „Reden über Gott und die Welt“, zu dem sich Kurier-Redakteur Christoph Schnitzer und der Tölzer Heinz Bader bei der 10. Auflage der vom Kreisbildungswerk veranstalteten gleichnamigen Gesprächsreihe in der Weinstube Schwaighofer zusammensetzten.

Zwischendurch als Greenkeeper gearbeitet

Warum ist der Junior nun nicht als Eishockeyspieler in die Fußstapfen seines Vaters getreten, wollte Schnitzer wissen. Dies sei nach seinen Kindheits-Erfahrungen für ihn nie in Frage gekommen, schilderte der 52-Jährige. „Mein Vater war ständig mit der Mannschaft unterwegs, meine Mutter musste arbeiten und Geld verdienen, das Familienleben blieb auf der Strecke. Ich hatte einen Grausen vor dem Eishockey.“ Stattdessen absolvierte er lieber die Ausbildung zum Konditor. Zu seiner späteren Anstellung als Greenkeeper auf dem Golfplatz am Straßerhof kam er, weil er zuvor als Konditor im seinerzeitigen „Café Straßerhof“ gearbeitet und da schon gelegentlich draußen auf dem Platz ausgeholfen hatte. Irgendwie war die Tätigkeit mit nachgeholter Ausbildung zum „Fachagrarwirt für Golfplatzpflege“ aber auch ein gewisser Ersatz für seinen eigentlichen Wunsch, Landwirt zu werden.

Diese Vorstellung hatte man ihm ausgeredet, nachdem auf dem Familien-Anwesen am Hintersberg die Viehhaltung schon aufgegeben worden war und man auch sonst keine Zukunft in dieser Richtung sah. „Ich habe meine Arbeit auf der damaligen Golf-Anlage gerne gemacht“, resümierte Bader vor dem interessierten Zuhörerkreis. Inzwischen habe sich in der Golf-Szene manches geändert, mental nicht unbedingt zum Positiven.

Als Mesner mehr Zeit für die Familie

Als dann zum Jahreswechsel 1999/2000 die Mesnerstelle ausgeschrieben war, nur einen Katzensprung von zu Hause entfernt, da habe er zugegriffen. Zwar sei diese Aufgabe nicht so gut bezahlt, „aber sie brachte mir den Vorteil, dass ich mehr Zeit mit meiner Frau und den beiden Töchtern verbringen konnte. Jeden Mittag miteinander essen, wer kann das schon?“ Nebenher ist Bader fast täglich zur Stallzeit als Milchprobenehmer bei den Bauern unterwegs. Dass deren Leistungen keine Anerkennung mehr finden, das ist traurig, meint er.

Wie es denn nun sei, zwei altehrwürdige Kirchen zu betreuen, hakte Schnitzer nach. „Schön“, lautete die ebenso kurze wie aussagekräftige Antwort. Überhaupt habe er hier im Umfeld alles, was sein Herz aufgehen lasse: Die prächtige Landschaft, die heimatliche Kultur mit ihren reichen weltlichen und religiösen Bräuchen. Diese Werte zu schätzen und zu leben habe er auch von seiner Oma, unter deren Fittichen er großteils aufgewachsen ist, gelernt.

In seinen Ämtern als Jugendleiter und Vorstand bei den „Edelweißern“ sei ihm wichtig gewesen, „diese Kultur den Kindern zu zeigen und zugleich Gemeinschaft zu pflegen“. Und wie wird es weitergehen mit der Kirche angesichts des Priestermangels? „Das wird ein Drama“, befürchtet Bader. „Da geht so viel verloren. Dabei brauchen die Leute dieses Einkehrhalten und zur Ruhe kommen heute oft mehr als früher.“ rb


Lesen Sie auch:

Tölzer Autoschau: Weniger Schaulustige, aber viele Kaufwillige

Lenggrieser (19) bei Unfall auf B 13 schwer verletzt

„Jeder fünfte bleibt oben“: Frank Irnich will 8000er besteigen - das sind seine Gründe

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Corona-Krise im Landkreis: Zahl der Infektionen steigt auf 177 - so verteilen sie sich auf die Gemeinden
Mittlerweile ist die Zahl der Corona-Fälle im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen auf 177 gestiegen. Alle Entwicklungen in der Region im News-Ticker.
Corona-Krise im Landkreis: Zahl der Infektionen steigt auf 177 - so verteilen sie sich auf die Gemeinden
Kunden-Zählung mit Einkaufswagen
Dass er dazu angehalten wurde, einen Einkaufswagen mit in den Supermarkt zu nehmen, selbst wenn er nur ein einziges Produkt kaufe, überraschte einen Tölzer jüngst. Die …
Kunden-Zählung mit Einkaufswagen
Tölzer Knabenchor bangt um Konzerte
Mit kreativen Ideen versucht man auch beim Tölzer Knabenchor, der Corona-Krise zu begegnen. Geschäftsführerin Barbara Schmidt-Gaden hat jedoch Sorgenfalten, wie es im …
Tölzer Knabenchor bangt um Konzerte
Werbegemeinschaft Lenggries kämpft für Händler und Geschäfte
Die Werbegemeinschaft Lenggries kämpft mit diversen mitteln für die Geschäfte und Händler in der Ortschaft. Die wirtschaftlichen Einbußen sind für einige extrem …
Werbegemeinschaft Lenggries kämpft für Händler und Geschäfte

Kommentare