Gespenstische Leere: Wo sich sonst die Gäste tummeln, ist jetzt überall in der Tölzer Sport-Jugendherberge zwangsweise Stille eingekehrt – ob nun in den Schlafräumen, im Innenhof, im Foyer oder im Speisesaal.
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Gespenstische Leere: Wo sich sonst die Gäste tummeln, ist jetzt überall in der Tölzer Sport-Jugendherberge zwangsweise Stille eingekehrt.

Corona Auswirkungen

Herberge ohne Jugend: Das Haus auf der Tölzer Flinthöhe bleibt voraussichtlich bis Ende Dezember geschlossen

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Der aktuelle Lockdown trifft auch die Sport-Jugendherberge in Bad Tölz hart. Das Haus hat geschlossen, seit Anfang November das Verbot der Beherbergung touristischer Übernachtungsgäste in Kraft trat.

Bad Tölz – Ganz egal, ob der Lockdown über Ende des Monats hinaus verlängert wird oder nicht: Eine Wiedereröffnung ist laut dem Leiter des Hauses, Holger Strobel, frühestens am 27. Dezember vorgesehen – doch auch das ist aktuell noch mit einem Fragezeichen versehen. Überleben kann die Einrichtung nur dank staatlicher Soforthilfen und einem Erlass der Pacht durch die Stadt Bad Tölz.

November und Dezember sind in der Jugendherberge ohnehin keine besonders gut gebuchten Monate. Dass das Haus nun komplett geschlossen bleibt, schmerzt dennoch, wie Strobel im Gespräch mit dem Tölzer Kurier berichtet. „Ein paar Buchungen hätten wir für diesen Monat schon gehabt, die wir gern mitgenommen hätten“, sagt er. In den bayerischen Herbstferien wollten Familien kommen, die die Spezialpauschale „111 Jahre Jugendherbergen“ gebucht hatten. Zudem erwartete Strobel als Gäste unter anderem einen Chor und eine Naturschule, und die benachbarte Bergwacht Bayern wollte die Jugendherberge wieder einmal als Seminar- und Tagungshaus für Schulungen nutzen.

Alle Mitarbeiter in Kurzarbeit

Nun ist das alles abgesagt. Sämtliche Mitarbeiter sind erneut in Kurzarbeit. In Hochzeiten, so Strobel, beschäftigt sein Haus bis zu 20 Kräfte. In der aktuellen Situation seien zuletzt aber frei werdende Stellen von Ruheständlern, Saisonkräften oder Menschen im Bundesfreiwilligendienst nicht mehr neu besetzt worden, sodass noch zwölf Mitarbeiter bleiben. Fast alle sind jetzt komplett zu Hause. Nur Strobel und seine Stellvertreterin arbeiten noch 14 Stunden pro Woche – und eine Bundesfreiwilligendienst-Leistende aus Albanien, die zurzeit auch nicht nach Hause kann. Allzu viel zu tun gibt es im gespenstisch leeren Haus nicht, außer einigen Instandhaltungsarbeiten wie der regelmäßigen Legionellen-Spülung.

Holger Strobel, leitet die Tölzer Jugendherberge.

Schon der Lockdown im Frühjahr habe die Tölzer Sport-Jugendherberge an den Rand der Insolvenz geführt und somit ihren Fortbestand gefährdet, sagt Strobel. „Die wirtschaftliche Notlage war deswegen so groß, weil Jugendherbergen als gemeinnützige Beherbergungsbetriebe nur in geringem Umfang Rücklagen bilden dürfen.“ Deswegen seien die liquiden Mittel des Landesverbands des Deutschen Jugendherbergswerks im Mai „fast vollständig aufgebraucht“ gewesen.

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Dankbar ist er der Staatsregierung und der Stadt Bad Tölz. So habe auch die Tölzer Sport-Jugendherberge auf Mittel aus dem staatlichen Rettungsschirm „Corona-Programm Soziales“ zugreifen können. „Zum anderen wurden die vertraglich geregelten Pachtzahlungen an die Entwicklungsgesellschaft der Stadt Bad Tölz ausgesetzt“, so Strobel. „Mit dem Verzicht auf die Pachteinnahmen signalisieren wir, wie sehr uns am Fortbestand der Jugendherberge gelegen ist“, sagt Bürgermeister Ingo Mehner. Es handle sich um ein „überregional geschätztes Juwel“, mit dem es gelinge, die Zielgruppe der Schüler und Jugendlichen anzusprechen.

Hoffnung auf Silvester

Positives Denken ist zurzeit das einzige, was Strobel und seinem Team bleibt. Eine spezielle Silvesterpauschale sei relativ gut nachgefragt, berichtet er – und kann nur hoffen, dass touristische Übernachtungen bis dahin wieder erlaubt sind. Sobald der Betrieb wieder anlaufen kann, setzt er zudem auf einen gewissen Nachholbedarf seiner Klientel. „Schon im Sommer hat man gemerkt, dass Jugendliche wieder raus wollen, um in der Gemeinschaft etwas zu erleben.“ Bei künftigen Klassenfahrten, so Strobels Überlegung, sind vielleicht zunächst Ziele im Inland gefragter als etwa Rom oder Amsterdam.

Zunächst aber einmal gilt: Bis Ende Februar sind Klassenfahrten in Bayern komplett gestrichen. Und die Familien und Radfahrer, die die Jugendherberge zuletzt verstärkt als Klientel gewann, können dieses Hauptgeschäft nicht komplett ersetzen – schon allein weil sich Mehrbettzimmer mit Familien nicht voll belegen lassen. Hilfe ist also weiter nötig.

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