Bundesregierung verbietet Auftritt von Erdogan in Deutschland

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Unterwegs in zwei Landkreisen (v. li.): Benjamin Bartholdt (Geschäftsführer), Dr. Gabriele Fritsch (ärztliche Leiterin) und Annette Freier (Pflege) von der Oberland Hospiz- und Palliativversorgung.

Opal-Palliativteam

Hilfe, wenn es keine Hilfe mehr gibt

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Bad Tölz - Zu Hause sterben, das wünschen sich viele schwerstkranke Menschen. Die Opal-Palliativversorgung unterstützt Patienten bei diesem Wunsch. 

Fünf dünne weiße Kerzen stecken in der Schale auf dem Konferenztisch, eine für jeden Patienten, der diese Woche gestorben ist. Diese Totenehrung ist ein Ritual in den Sitzungen des Opal-Teams. Das Sterben gehört zu ihrem Beruf, sie begleiten ihre Patienten dabei, damit sie trotz schwerer Krankheitsbilder in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können.

Opal steht für „Oberland Hospiz- und Palliativversorgung“. Das Team mit 13 Mitarbeitern bietet seit Mai 2015 eine sogenannte spezialisierte Ambulante Palliativ-Versorgung (SAPV) für Schwerstkranke in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach an. Wie die Betreuung konkret aussieht, hängt immer von den Wünschen des Sterbenskranken und seinen Angehörigen ab.

„Wir kommen auf Verordnung des Hausarztes“, erklärt die ärztliche Leiterin Dr. Gabriele Fritsch. Zum Beispiel, wenn eine Patientin Brustkrebs mit vielen Metastasen hat und es keine Behandlungsoptionen mehr gibt. „Wenn keine Heilung mehr möglich ist, stellt sich für die Patientin die Frage, wie sie das Leben, das ihr noch bleibt, verbringen will. Wir möchten ihr das so angenehm wie möglich machen.“

Das Team, das immer aus einem Arzt und einer Pflegekraft als Ansprechpartner besteht, behandelt die körperlichen Symptome wie Schmerzen, Atemnot und Übelkeit. Es geht auch darum, Hilfsmittel zu organisieren, wenn der Patient etwa nicht mehr im eigenen Bett schlafen kann. „Und wir versuchen, dass der Patient den Gedanken ans Sterben so gut wie möglich ertragen kann.“

Manchmal entstehe aus dieser Situation Positives. Es zeige sich, was alles noch möglich sei. Manche Patienten nutzen ihre letze Lebensphase, um Konflikte zu klären oder mit dem Partner die Reise zu machen, die man immer verschoben hat. „Wichtig ist, ein neues Lebensziel zu haben, wenn sich vorher alles um die Heilung gedreht hat“, sagt Geschäftsführer Benjamin Bartholdt.

Opal will das Thema Sterben und Tod wieder ein Stück weit in die Gesellschaft bringen, es entmystifizieren. „Sterben ist ein völlig natürlicher Vorgang, es war Jahrhunderte normal, einen Sterbenden daheim zu betreuen“, sagt Barthold. Die Mitarbeiter des Palliativteams sehen den Tod als Teil des Lebens. „Wir haben eine gewisse Routine. Trotzdem ist uns das nie gleichgültig“, erklärt Fritsch. Daher auch das Ritual mit den Kerzen. „So können wir es verarbeiten.“

Seit es die SAPV-Versorgung im Oberland gibt, haben schon viele Kerzen im Sand gesteckt. In den ersten zwölf Monaten betreute das Team 238 Patienten – mehr als erwartet. „Rechnerisch kommen in unserem Einzugsgebiet pro Jahr 220 Menschen für die SAPV infrage“, sagt Barthold. Von den 220 000 Einwohnern stirbt im Schnitt jährlich ein Prozent. „Zehn Prozent der Sterbenden benötigen SAPV.“

Besonders stolz ist Barthold darauf, dass Opal bei 80 bis 90 Prozent der Patienten ihr Ziel erreicht hat und sie in ihrem gewohnten Umfeld bleiben konnten. Bei den übrigen ließ sich ein Krankenhausaufenthalt nicht vermeiden. 40 der Patienten im ersten Jahr waren alleinlebend. Auch sie konnten zu Hause bleiben. „Das zeigt, dass das Versorgungsnetzwerk funktioniert.“

Opal rechnet damit, dass der Bedarf in den Landkreisen steigen wird. „Der Altersdurchschnitt ist relativ hoch, und die Landkreise wachsen“, sagt Bartholdt. Deswegen will auch das Team weiter wachsen. Personal zu finden, ist allerdings nicht einfach. „Unsere Mitarbeiter brauchen eine hohe fachliche Qualifikation und müssen gefestigt sein. Es braucht eine gewisse Lebenserfahrung.“

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