Zugeparkt: Unzählige Ausflügler zog es am Wochenende nach Hinterriss.
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Zugeparkt: Unzählige Ausflügler zog es am Wochenende nach Hinterriß.

Polizei schreibt Strafzettellisten

Wegen Corona-Sperren: Zahlreiche Ausflügler lösen Parkchaos im Naturschutzgebiet aus

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
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  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    Veronika Ahn-Tauchnitz
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Viele Wintersportler zog es am vergangenen Wochenende in die Berge. Die Folge: Viele Besucher fanden keinen Parkplatz, was stellenweise zu Chaos führte.

Bad Tölz-Wolfratshausen - „Wenn man es nicht anders gewusst hätte, hätte man denken können, es ist ein ganz normaler Skitag.“ So beschreibt Andreas Rohrhofer, stellvertretender Leiter der Tölzer Polizeiinspektion, das vergangene Wochenende. „Alle Parkplätze waren voll.“ Die Beamten hatten alle Hände voll zu tun, Sammellisten mit Parkverstößen zu schreiben.

Besonders auffällig: Auf der Straße in Richtung Hinterriß parkten unzählige Fahrzeuge am Wegrand. Da die Fahrbahn durch die Schneemengen ohnehin schon eingeengt war, standen die Autos fast in kompletter Breite auf der Straße. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd schreibt in einer Pressemitteilung von „zahlreichen Verkehrsordnungswidrigkeiten“.

Das Gebiet ist jedes Jahr beliebt bei Skitourengehern, die beispielsweise auf den Schafreuter wollen. Da aber aufgrund der Corona-Beschränkungen derzeit ein Weiterfahren in Richtung Hinterriß (Österreich) nicht möglich ist, ohne eine zehntägige Quarantäne zu riskieren, ballte sich der Verkehr auf der deutschen Seite. „So viele sind es sonst nicht gewesen“, sagt Rohrhofer. Die Falschparker habe man aufgeschrieben – sie bekommen nun Post. Ein Durchkommen der Rettungskräfte hätte wohl funktioniert, aber nicht mit der üblichen Geschwindigkeit. Laut Polizeipräsidium stellt das verbotene Parken am Wegrand außerhalb geschlossener Ortschaften auch ein Problem für den Räumdienst dar.

Parckchaos: Rangers sensibilisieren Wanderer im Naturschutzgebiet

Um die Menschen, die an diesem Wochenende auf der Kreisstraße Töl 24 unterwegs waren, zu sensibilisieren, waren laut Landratsamts-Sprecherin Marlis Peischer auch die Ranger unterwegs. Sie wiesen Wanderer und Skitourengeher darauf hin, auf den vorgegebenen Pfaden zu bleiben und Hunde an der Leine zu führen.

Dass gerade an diesem Wochenende so viele Menschen im Tölzer Land unterwegs waren, lag wohl auch daran, dass Tagesausflüge in den Landkreis Miesbach verboten waren. Der Nachbarlandkreis hatte den Ausflugsverkehr eingeschränkt, da dort die Corona-Inzidenzzahl von 200 überschritten worden war. In Miesbach sei deutlich weniger los gewesen, hat Rohrhofer von Kollegen erfahren. Laut Polizeipräsidium wurden dort 58 Verstöße gegen das Verbot von Tagesausflügen festgestellt.

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Für Bad Tölz-Wolfratshausen hatte Landrat Josef Niedermaier als letzte Möglichkeit ebenfalls überlegt, ein Verbot von Tagesausflügen auszusprechen. Dies sei aber mit Blick auf den Inzidenzwert deutlich unter 200 nicht möglich. Daher hofft Niedermaier auf Verständnis:

„Ich appelliere an alle, sich fair und respektvoll zu verhalten und die geltenden Regeln zu beachten. Dann kommen wir erst gar nicht in die Situation, dass wir überhaupt darüber nachdenken müssen, etwas in diese Richtung zu unternehmen. Übrigens gehört dazu auch, dass man eingeschränkte Parkregelungen im Naturschutzgebiet einhält.“

Die Park-Situation, die sich am Wochenende ergeben habe, trage nicht unbedingt zur Entschärfung der Situation bei. „Wir suchen nun das Gespräch mit allen Beteiligten“, unter anderem der Polizei, so Niedermaier.

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Parkchaos: Strafzettel schreiben - und schlimmstenfalls abschleppen

Mit den drei Inspektionsleitern aus Tölz, Geretsried und Wolfratshausen sprach der Landrat am Montagnachmittag. Eine schnelle Lösung für das Problem wird es nicht geben. „Die Polizei wird weiter Strafzettel schreiben und im schlimmsten Fall abschleppen lassen“, sagt Niedermaier. Letzteres gehe aber nur in Einzelfällen. „300 Autos bekommen sie so da nicht raus.“ Lösen könnte das Problem eine Kontingentierung. Die fordert der Landrat seit Längerem für touristische Hotspots, beispielsweise auch für den Walchensee. Kontingentierung heißt, dass eine bestimmte Anzahl an Autos in das Gebiet einfahren darf. Dann ist Schluss. „Rechtlich haben wir dafür aber keine Handhabe“, sagt Niedermaier. „Diese rechtlichen Möglichkeiten werden aber geschaffen werden müssen“, fordert er. Sonst werde sich das Problem nie lösen lassen. Bis dahin bleibe nur, Präsenz zu zeigen und Tagestouristen zu sensibilisieren.

Für Miesbach wurde das Ausflugsverbot inzwischen wieder aufgehoben. Dies könnte in Zukunft auch in Tölz wieder Entlastung bedeuten.

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