Der Landkreis könnte bald eine Hochschule bekommen.
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Der Landkreis könnte bald eine Hochschule bekommen (Symbolbild).

Vier Kommunen bewerben sich als Standort

Hochschule will sich im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ansiedeln

Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft zusammenzubringen, ist erklärtes Ziel des Freistaats. Und zwar nicht nur in den Ballungsräumen und Mittelzentren, sondern auch draußen in der Region, wo große Ressourcen schlummern.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Dem Tölzer Landrat Josef Niedermaier schlackern nach eigenen Worten immer wieder die Ohren, „was wir für unternehmerische Kompetenz vor Ort haben“. Dieses Know-how an eine Hochschuleinrichtung anzudocken, ist schon länger Bestreben des Landkreises. Nun mündet sie hoher Wahrscheinlichkeit in einer Kooperation mit der Hochschule München (HM), die eine der größten Fachhochschulen Deutschlands ist. Rund 18 000 Studierende sind in 85 Studiengängen in den Bereichen Natur-/Ingenieurwissenschaften, Wirtschaft, Sozialwesen und Design eingeschrieben. Derzeit wird von der HM ein Konzept erarbeitet, mit dem beim bayerischen Wissenschaftsministerium die Genehmigung für ein Transfer- und Innovationszentrum (TIZIO) im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen beantragt wird. In so einem Zentrum werden zum Beispiel gezielte Forschungsprojekte für Unternehmen vor Ort durchgeführt. Dort können Wissenschaftler der Hochschule mit der Praxis und umgekehrt in Kontakt kommen. „TIZIO will die Innovationskraft der Unternehmen vor Ort stärken“, fasst es Prof. Thomas Stumpp, der an der HM für TIZIO zuständig ist, zusammen. Es geht übrigens nicht nur um Technik. Stumpp nennt das Beispiel Tourismus. Die HM besitzt dafür eine eigene Fakultät. Management und Digitalisierung seien in dem Bereich spannende Themen.

Vier Kommunen bewerben sich als Standort für ein Transfer- und Innovationszentrum

Die Uni hat für den idealen Standort einen Kriterienkatalog erarbeitet. Fläche, Mietkosten, Infrastruktur nennt der Hochschul-Vertreter als Beispiele. Das heißt etwa schnelles Internet und so banale, aber wichtige Dinge wie Traglast der Gebäude. „Da stehen ja vielleicht auch schwere Maschinen drin“, sagt Stumpp, der auch HM-Vizepräsident im Bereich Wirtschaft ist. Über den Standort selbst entscheide aber nicht die Hochschule München, sagt Stumpp, sondern die Region. Das bestätigt auch Landrat Niedermaier. In seiner Behörde laufen die Fäden bei der Standortsuche zusammen. „Wie wir das dann letztlich entscheiden, weiß ich noch nicht. Aber der Standortvorschlag muss von uns kommen. Wir müssen uns einig sein.“ Die Kommunen im Kreis seien eingebunden und hätten sich als Standorte ins Gespräch bringen können.

Kriterienkatalog für idealen Standort

Das haben nach Lage der Dinge bisher die drei Städte Wolfratshausen, Geretsried und Bad Tölz sowie die Gemeinde Eurasburg getan, wo „Eagle Burgmann“ eine Niederlassung hat. Dessen früherer Geschäftsführer Elmar F. Baur habe, so Josef Niedermaier, bei der langen Suche nach einer Hochschuleinrichtung maßgeblich mitgewirkt. Obgleich zwischen den vier Wettbewerbern im Landkreis Vertraulichkeit vereinbart war, wurde das Thema TIZIO jüngst im Wolfratshauser Stadtrat öffentlich diskutiert. Wolfratshausen rechnet sich demnach recht gute Chancen aus, weil die Loisachstadt eine gute Anbindung nach München und die nötige Infrastruktur besitzt. Wichtig wird aber, so der Landrat, neben dem Hochschulkriterienkatalog auch die Finanzierung sein. Da geht es vor allem um die „Hardware“, also die Gebäude und Räume, wo TIZIO untergebracht wird. Erst nach fünf Jahren und einer Evaluierung der Ergebnisse wird der Freistaat über eine dauerhafte Übernahme der Kosten entscheiden. „Das heißt: Fünf Jahre Gas geben“, sagt Niedermaier, der das Modell so ganz gut findet. Es bedeutet aber auch, dass die Kommune mit dem Zuschlag fünf Jahre die Kosten zu einem bestimmten Schlüssel tragen muss. „Das wird ein entscheidender Punkt in dem Verfahren sein“, sagt der Landrat. In der Tölzer Stadtratssitzung war das Thema TIZIO ein Punkt im nicht öffentlichen Teil. Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) wollte zu Ergebnissen der Diskussion nicht viel sagen. Das sei so vereinbart. Er teilte lediglich mit, dass der Stadtrat „ganz eindeutige Zustimmung“ zu der Bewerbung signalisiert habe. Zur Frage, ob und welche Tölzer Unternehmen – etwa Sitec – mit an Bord seien, hielt sich Mehner bedeckt.

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