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Ein Müllberg blieb: Am Sammelplatz von Erlau wurden die Überreste ganzer Haushalte nach der Flut 2013 entsorgt.

Hochwasser

Obernzell meldet: „Uns geht’s gut“

Bad Tölz - Der Katastrophenort Simbach ist gerade mal ein Stündlein entfernt. Und Obernzell hat selbst leidvolle Erfahrungen mit Hochwassern gemacht. Diesmal ist der Donau-Markt aber verschont geblieben. Auch im Tölzer Landkreis ist alles im Normbereich.

Tölz am Apparat, da weiß der Beamte im Obernzeller Rathaus ohne große Erklärung, um was es geht. Und gibt auch gleich Entwarnung: „Uns geht’s gut. Gottseidank. Das Hochwasser hat uns bisher verschont.“ 2002 und 2013 wurde die Donau-Anliegergemeinde von schwersten Überflutungen betroffen. Die Schäden gingen in die Millionen. Zweimal zogen die früher selbst oft genug hochwasser-gebeutelten Isarwinkler und Loisachtaler Bürger grandios mit, als der Tölzer Kurier Spendenaktionen für die Niederbayern startete und insgesamt rund 200 000 Euro sammelte.

In diesen Tagen wird wohl kein neuer Aufruf nötig sein, gibt Hans Sterl, Geschäftsleitender Beamter im Rathaus Obernzell, beruhigende Kunde. Die Donau habe am Mittwoch in Passau zwar einmal einen Pegelstand von 7,68 Metern erreicht. Von den 12,89 Höchststand im Jahr 2013 ist man aber „noch weit entfernt“. Und damit natürlich auch die Nachbargemeinde Obernzell mit ihrem Ortsteil Erlau, der 2013 buchstäblich in den Fluten versank. „Die Ängste waren natürlich gleich wieder da“, sagt Sterl, aber die Prognosen des Hochwasserwarndienstes für die kommenden Tage fallen gut aus. „Ich glaube, diesmal bleiben wir verschont.“

Die 3800-Einwohner-Gemeinde hat aber auch ihre Hausaufgaben gemacht. Der erste Bauabschnitt für den millionenteuren Hochwasserschutz des 2013 besonders geschädigten Elektronikteilherstellers Sumida wird seit dem vergangenen Jahr verwirklicht, berichtet Sterl und bestätigt, dass die Förderprogramme des Freistaats tatsächlich wirksam greifen. Etwa, wenn bei der derzeitigen Entwurfsplanung für die restlichen Hochwasserschutz-Maßnahmen die Förderquote des Staates deutlich erhöht werden konnte. Statt 50 Prozent muss die Kommune letztlich wohl nur noch 25 Prozent der Ausbaukosten bezahlen. Diese Fortschritte sind auch einer engagierten Bürgerinitiative Hochwasserschutz zu danken.

In einer Hochwasserbilanz vor zwei Jahren befürchtete Bürgermeister Josef Würzinger, dass der Ortsteil Erlau Einwohner verlieren könnte. Eine Familie, deren Haus damals wegen der Flutschäden abgerissen werden musste, zog tatsächlich nach Obernzell, berichtet Sterl. Ansonsten seien noch einige Mieter umgezogen. Die Immobilienbesitzer selbst mussten freilich bleiben. Sie haben laut Sterl mit dem Problem zu kämpfen, dass sich für ihre hochwassergefährdeten Häuser keine Käufer finden.

Auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen kam es in den vergangenen Tagen immer wieder zu starken Niederschlägen. Tobias Lang vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim meldet aber, dass alles im Normbereich liege und „die Prognosen nicht dramatisch sind“. Allenfalls bei kleineren Gewässern seien Anstiege zu erwarten. Der Abfluss am Sylvensteinspeicher lag gestern Mittag bei rund 24 Kubikmetern in der Sekunde. „Völlig normal“, sagt Lang. Man stehe auch ständig in Kontakt mit der Baustelle unterhalb des Speichers, wo die Brücke verschoben wird, um sie auszutauschen. Keinen Grund gibt es für das Amt auch, den Tag der offenen Tür am Sylvensteinspeicher abzusagen: Am Samstag, 4. Juni, kann zwischen 10 und 16 Uhr das Kraftwerk mit seinen Anlagen besichtigt werden.

Christoph Schnitzer

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