Die Isar in Bad Tölz, das Isar-Kraftwerk und der verschwundene Stausee nach dem Hochwasser im August 2020.
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Reichlich Wasser führte die Isar auch am Mittwoch noch. Am Tölzer Isarkraftwerk waren die Schleusen geöffnet, sodass der Stausee verschwand.

Lage hat sich entspannt

Hochwasser im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Bootfahren auf der Isar weiterhin bedrohlich

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    Veronika Ahn-Tauchnitz
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Die ergiebigen Niederschläge seit Sonntag halten die Feuerwehren im Landkreis auf Trab. Ein Einsatzschwerpunkt ist die Gemeinde Bad Heilbrunn.

  • Die ergiebigen Regenfälle haben zu Hochwasser im Tölzer Land geführt.
  • Die Loisach hat mittlerweile ihren Scheitelpunkt in Kochel am See und Beuerberg überschritten.
  • Der Sylvenstein hat viel Wasser für die Isar zurückhalten. Jetzt werden diese Wassermassen nach und nach wieder abgegeben. Vom Bootfahren rät das Wasserwirtschaftsamt dringend ab.

Update vom 5. August, 16 Uhr: Der Regen hat aufgehört – und somit entspannte sich die Hochwasserlage am Mittwoch im Landkreis wieder deutlich. Der Pegelstand der Loisach allerdings lag noch längere Zeit über der Meldestufe 1.

An der Messstelle in Kochel war der Scheitelpunkt am Mittwochmittag überschritten. Den ganzen Vormittag über lag der Pegel bei 313 Zentimetern, ab 12 Uhr sank der Wasserstand dann wieder leicht. Die Grenze für Meldestufe 1 liegt in Kochel bei 250 Zentimetern. Dort kommen Hochwasserwellen aufgrund der dämpfenden Wirkung des Kochelsees etwas zeitverzögert an an, wie Robert Kriegsch, Chef des Wasserwirtschaftsamts Weilheim erläutert,

Aus dem Sylvensteinspeicher fließt das zurückgehaltene Wasser jetzt nach und nach ab

Weiter flussabwärts in Beuerberg dagegen hatte sich die Loisach aus ihren Zuflüssen schon früher gefüllt. Der Scheitelpunkt des Hochwassers war hier am Dienstag gegen 16 Uhr mit einem Pegelstand von 537 Zentimetern erreicht. Erst am Mittwoch gegen 9 Uhr war der Wasserstand dann wieder unter 500 Zentimeter und somit unter die Meldestufe 3 gesunken. Die Hochwassermeldestufe 1 (ab 450 Zentimeter) blieb am Mittwoch bis Redaktionsschluss überschritten.

An der Isar „hat sich die Situation schon am späten Dienstagnachmittag zunehmend entspannt“, so Kriegsch. Wenn der Fluss jetzt noch relativ voll ist, dann liegt das daran, dass das Wasserwirtschaftsamt nun nach und nach das Wasser ablässt, das der Sylvensteinspeicher zurückgehalten hat. „Wir sind dort mit dem Pegel von der gewöhnlichen Sommerstaumarke von 750 Meter auf 756 Meter raufgegangen“, so Kriegsch. „Damit wir so wieder bei unserer üblichen Reserve ankommen, senken wir ihn jetzt so schnell wie möglich wieder auf den Normalstau runter.“

Behörde warnt eindringlich davor, auf der Isar Boot zu fahren

In der Nacht zum Mittwoch wurde der Abfluss deswegen schon auf 125 Kubikmeter pro Sekunde erhöht, am Mittwoch dann auf 150. Das werde nun voraussichtlich bis Freitag oder Samstag so weitergehen, der Stausee werde je nach den aktuellen Gegebenheiten gesteuert.

Aktuell rät das WWA dringend vom Baden und Bootfahren in und auf der Isar ab. In den abfließenden Wassermengen treibe „enorm viel Totholz“, so Kriegsch. Das lagere sich an einigen Stellen ab, werde wieder weggerissen, sei dabei unter der Wasseroberfläche nicht immer sichtbar und verändere die Strömung auf unberechenbare Weise. „Das sorgt für tückische Gefahrenstellen und kann lebensgefährlich sein.“

Insgesamt sei das Ungewöhnliche an dem aktuellen Hochwasserereignis gewesen, „dass es in relativ kurzer zeit so extrem ergiebige Niederschläge gab“, resümiert der Behördenleiter

Update vom 5. August, 6.33 Uhr: Die Loisach bei Beuerberg liegt immer noch deutlich über de Meldestufe 3 bei rund fünf Metern. Aber auch hier, wie überall im Landkreis, scheint das schlimmste vorbei zu sein. Der Scheitelpunkt ist überschritten, die Pegel fallen langsam wieder ab,

Gassi gehen geht nicht mehr. Hochwasser in Beuerberg an der Loisach.

Update vom 4. August, 18.05 Uhr: Insgesamt zählte Stefan Kießkalt, Pressesprecher der Kreisbrandinspektion, bis Dienstagnachmittag 58 Feuerwehreinsätze im Landkreis – 40 davon im südlichen Teil. In erster Linie sei es um vollgelaufene Keller gegangen, sagt Kießkalt. In Walchensee musste die Feuerwehr ausrücken, weil die B11 überflutet war.

„Das ist das 61. Hochwasser in 50 Jahren“, sagt ein Anwohner

Besonders hart getroffen hat es erneut Klaus Kaschinski, der im Heilbrunner Ortsteil Kiensee wohnt. „Das ist das 61. Hochwasser in 50 Jahren“, sagt Kaschinski. Seit 2 Uhr morgens liefen in seinem Haus die Pumpen. Dabei hatte er große Hoffnungen in die Hochwasserschutzmaßnahmen gesetzt, die erst in der vergangenen Woche abgeschlossen wurden (wir berichteten). „Der Damm hat auch viel abgehalten“, sagt Bürgermeister Thomas Gründl. Allerdings lief direkt dahinter der Reindlbach über die Fahrbahn und machte diese unpassierbar. „Ich habe deshalb gleich in der Früh das Ingenieurbüro angerufen und gebeten, dass man sich das vor Ort anschaut“, sagt Gründl. Nun müsse geklärt werden, ob es vielleicht daran lag, dass Rohrdurchlässe, die das Wasser eigentlich schneller aus der Fläche ableiten sollen, dicht gemacht haben.

In Kiensee hat der Reindlbach die Straße überschwemmt. Dort waren erst in der vergangenen Woche Hochwasserschutzmaßnahmen fertiggestellt worden.

Hochwasser im Tölzer Land: Sylvestein hält viel zurück

Update vom 4. August, 17.16 Uhr: Einmal mehr zeigte sich am Dienstag, wie wichtig die Rückhaltefunktion des Sylvenstein-Stausees ist. Dessen Wasserspiegel stieg innerhalb von 24 Stunden um über fünf Meter. Der Gesamtzufluss bewegte sich zu Spitzenzeiten bei 439 Kubikmeter pro Sekunde. Die Abgabe lag am Vormittag dagegen nur bei 14 Kubikmetern pro Sekunde und wurde erst im Laufe des Nachmittags auf über 100 Kubikmeter erhöht.

 Update vom 4. August, 15.23 Uhr: Noch keine Entwarnung will das Wasserwirtschaftsamt Weilheim geben. Der Pegel der Loisach in Schlehdorf steigt beispielsweise weiter an. Die umliegenden Flächen seien bereits so mit Wasser gesättigt, dass nun tatsächlich alles über die Loisach abfließt, sagt Roland Kriegsch, Chef des Wasserwirtschaftsamt. Um 15 Uhr wurde in Schlehdorf Meldestufe 2 erreicht. Bis zu Meldestufe 4 wäre in den nächsten Stunden noch möglich. Das liegt auch daran, dass es nach wie vor eine Warnung des Deutschen Wetterdienstes vor ergiebigem Dauerregen gibt. Diese gilt bis 20 Uhr.

Hochwasser im Tölzer Land: Die Bilder - Land unter in Bad Heilbrunn

Bilder vom Hochwasser in der Region Bad Tölz. Vor allem Bad Heilbrunn hat es über Nacht hart getroffen.
Bilder vom Hochwasser in der Region Bad Tölz. Vor allem Bad Heilbrunn hat es über Nacht hart getroffen.
Bilder vom Hochwasser in der Region Bad Tölz. Vor allem Bad Heilbrunn hat es über Nacht hart getroffen.
Bilder vom Hochwasser in der Region Bad Tölz. Vor allem Bad Heilbrunn hat es über Nacht hart getroffen.
Hochwasser im Tölzer Land: Die Bilder - Land unter in Bad Heilbrunn

Update am 4. August, 14.36 Uhr: Die Lage entspannt sich leicht, zumindest hat der Regen aufgehört. Der Pegel der Loisach sei zuletzt nur noch zentimeterweise gestiegen, sagt der Mürnseer Feuerwehrkommandant Thomas Girgnhuber. Für 15 und 18 Uhr sind noch einmal Vor-Ort-Termine geplant, für 19 Uhr ist die Abschlussbesprechung angesetzt. „Hohenbirken wird aber wohl bis Mittwochabend nicht erreichbar sein“, sagt Girgnhuber. Örtlich sind auch noch weitere Fahrbahnen überflutet.

Probleme am Stauwehr der Großen Gaißach

Update am 4. August, 12.35 Uhr: Probleme gibt es derzeit an der Großen Gaißach. Dort lässt sich die Schleuse nicht öffnen. Ein Kran ist angefordert. In den umliegenden Häusern pumpt die Feuerwehr.

Am Wehr der Großen Gaißach hatte sich so viel Holz angesammelt, dass das Treibholz mit einem Bagger entfernt werden musste.

Die Stadt Bad Tölz bittet darum, dass die auf Deck A des Parkhauses an der Bockschützstraße parkenden Fahrzeuge entfernt werden. Eine Zufahrt zum Deck ist bereits aktuell nicht mehr möglich. Darüber hinaus wurden hochwasserbedingt der Parkplatz P4 / Isarpromenade mit dem Wohnmobilstellplatz gesperrt sowie die Bürgermeister-Holzner-Promenade.

Darüber hinaus wurden hochwasserbedingt der Parkplatz P4 / Isarpromenade mit dem Wohnmobilstellplatz gesperrt sowie die Bürgermeister-Holzner-Promenade. Ein Aufstellen der Dammbalken an der Königsdorfer Straße / Wilhelm-Dusch-Straße ist auf Basis der Pegel-Prognosen zum aktuellen Zeitpunkt nicht nötig.

Update, 4. August, 11.21 Uhr: Die Gemeinde Bad Heilbrunn weist darauf hin, dass der Ortsteil Hohenbirken derzeit nur über den Bahndamm verlassen werden kann. Die Fahrt zurück nach Hohenbirken ist auf diese Weise nicht möglich. „Wir müssen die Strecke freihalten für den Rettungsdienst!, sagt Bürgermeister Thomas Gründl. Wer also zurück will, muss sein Auto bitte abstellen und zu Fuß gehen.

Tritt übers Ufer: Der Reindlbach an der Reindlschmiede bei der B11 zwischen Bichl und Königsdorf.

Update am 4. August, 10.22 Uhr: Auch die Isar in Bad Tölz und in Lenggries hat die Meldestufe 1 erreicht. In Tölz sind die Fußwege an der Isarpromenade gesperrt. Auch das untere Deck des Parkhauses an der Bockschützstraße kann wegen Überflutungsgefahr nicht mehr angesteuert werden. Das viele Wasser in der Isar kommt vor allem durch die Zuflüsse. Denn der Sylvensteinsee gibt gleichbleibend nur 20 Kubikmeter pro Sekunde an die Isar ab. Der Zufluss zum Sylvenstein liegt dagegen bei 400 Kubikmetern pro Sekunde. In Tölz rauschen derzeit 304 Kubikmeter pro Sekunde durch die Stadt.

Im Gemeindebereich Bad Heilbrunn ist der Ortsteil Hohenbirken im Prinzip nicht mehr über die Straßen erreichbar. Auch in Kiensee ist die Straße überschwemmt. Mit Sandsäcken sichert die Feuerwehr dort Anwesen.

In Beuerberg hat die Loisach Meldestufe 3 erreicht.

In Beuerberg hat die Loisach bereits Meldestufe 3 erreicht. Der Wasserstand ist am Mittag etwa zwei Meter höher als normal.

Auch in Bad Tölz hat die Isar Meldestufe 1 erreicht.

Update am 4. August, 9.33 Uhr: Land unter im Tölzer Land. In der Nacht hat die Loisach in Kochel am See die erste Meldestufe erreicht. Der Pegel der Isar steigt kontinuierlich. Große Probleme gibt es im Heilbrunner Ortsteil Mürnsee. Seit Montagabend um 22.45 Uhr ist die Feuerwehr dort im Einsatz und kämpft gegen das Oberflächenwasser und die Fluten, die der Reindlbach mitbringt. Mehrere Straßen sind überflutet. Mit Sorge blicken die Einsatzkräfte derzeit auf den steigenden Pegel der Loisach. Seit 6 Uhr ist die Heilbrunner Feuerwehr mit im Einsatz. Die Feuerwehren aus Geretsried und Bad Tölz lieferten Sandsäcke.
Im Norden des Landkreises ist die Münsinger Feuerwehr im Hochwassereinsatz.

Auch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen treten die Gewässer über die Ufer. Die B2 zwischen Murnau und Ohlstadt ist gesperrt wegen Überschwemmung. Ein Polizeiauto versank im Hochwasser.

Erstmeldung am 3. August, 18 Uhr: Bad Tölz-Wolfratshausen – Da der meiste Regen in der Nacht zum Dienstag erwartet wurde, gilt die Vorwarnung vor Hochwasser des Wasserwirtschaftsamts bis Dienstag um 10 Uhr. Die Niederschläge würden im gesamten Einzugsgebiet zu deutlichen Anstiegen der Wasserstände führen. An der Loisach kann am Dienstag in Beuerberg Meldestufe 1 erreicht werden, in Kochel liegt die aktuelle Prognose leicht unterhalb der Meldestufe. An der Isar seien die Zuflüsse zum Teil stark angestiegen, in der Folge kann es am Dienstag auch an den Isarpegeln zur Überschreitung der Meldestufen kommen.

Hohenbirken war ab dem Vormittag nicht mehr über die Straßen zu erreichen.

Bad Tölz: 90 Liter Regen pro Quadratmeter in 24 Stunden

Am Montag war zwar in Bad Tölz viel Wasser in der Isar, aber alles im grünen Bereich.

Allerdings sind ganz genaue Prognosen schwierig. Es handle sich deshalb „wirklich nur um eine Vorwarnung“, erklärt Roland Kriegsch, Leiter des Weilheimer Wasserwirtschaftsamts, auf Anfrage. Die Vorhersagen seien mit „großer Unsicherheit“ zu sehen, da die Niederschläge in der Regel lokal begrenzt seien, was sich nicht genau voraussagen lasse. Das zeigen auch die Zahlen vom Sonntagabend und Montag: In Bad Tölz fielen rund 90 Liter Niederschlag je Quadratmeter in 24 Stunden (bis Montagnachmittag), in Miesbach 28 und in Steingaden (Landkreis Weilheim-Schongau) weniger als 13 Liter. Die aktuellen Pegelstände kann man im Internet ablesen auf www.hnd.bayern.de.

Wasserstände gehen am Montag nur leicht nach oben

Am Montag war jedenfalls im Landkreis alles im grünen Bereich. Der Wasserstand des Sylvenstein-Stausees stieg zwar im Lauf des Tages leicht an, lag aber um 16 Uhr bei der normalen Sommerstauhöhe von 750 Metern über Normalnull. Zu gleichen Zeit betrug der Wasserstand der Isar bei der Brücke in Tölz 93 Zentimeter – 35 Zentimeter mehr als 24 Stunden zuvor. Meldestufe 1 wird dort aber erst bei zwei Metern erreicht. Ordentlich Wasser bringen die Zuflüsse der Isar mit. Durch den Arzbach rauschten am Montag um 10 Uhr beispielsweise 3,7 Kubikmeter pro Sekunde. Das ist das Dreifache der normalen Menge. Gegen 16 Uhr waren es aber nur noch 1,6 Kubikmeter pro Sekunde.  

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