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Zahlreiche Zuhörer verfolgten am Dienstag die Debatte darüber, ob sich der Landkreis an den Kosten der Tölzer Geburtshilfe dauerhaft beteiligen kann. 

Kreisausschuss

Hoffnung für die Tölzer Geburtshilfe

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Bad Tölz - Es ist ein klares Signal: Der Kreisausschuss gab Landrat Josef Niedermaier am Dienstag  einstimmig den Auftrag, mit der Tölzer Asklepios-Stadtklinik über eine dauerhafte finanzielle Beteiligung an der Geburtshilfeabteilung zu verhandeln. Gerettet ist sie dadurch aber noch lange nicht. 

Die Debatte war lang, weil die Thematik komplex ist – und es am Ende um sehr viel Geld aus öffentlicher Hand geht. Am besten fasste die zweieinhalbstündige Diskussion Michael Müller (CSU) zusammen. „Wir stehen vor einem Dilemma.“ Er sah in dem dauerhaften Zuschuss einen ebenso „dauerhaften Kampf gegen Windmühlen. Wir quersubventionieren hier etwas, das sich aus dem System heraus nicht finanzieren lässt“. Das sei so, weil die Landes- und Bundespolitik, aber auch fachliche Kreise kleine Geburtshilfen wie die in Tölz nicht wollen, sondern auf die Konzentration und die sicherere Versorgung in größeren Zentren setzen, ergänzte Klaus Koch (Grüne). „Wir diskutieren hier eine bundespolitische Frage.“ Vom „Emotionalen her“ sei er voll für den Erhalt der Tölzer Geburtshilfe. Einem privaten Konzern wie Asklepios aber öffentliche Gelder zu geben, damit tue er sich hart. Zumal Asklepios schon seit fast zwei Jahren um das Problem wisse. „Die haben Nerven, erst jetzt an die Politik zu gehen“, so Koch.

Der Konzern habe nie um einen Zuschuss gebeten, stellte Landrat Josef Niedermaier klar. „Der Wille von Asklepios ist das Schließen der Abteilung.“ Um die Zustimmung zu dieser Schließung hatte Klinik-Geschäftsführer Joachim Ramming den Krankenhaus- Beirat Ende November gebeten. Das Gremium, dem auch Vertreter der Stadt und des Landkreises angehören, lehnte ab. Niedermaier sicherte aber zu, mit dem Kreisausschuss über eine finanzielle Beteiligung zu reden.

Genau das passierte am Dienstag. Zum Beginn der Sitzung hatte Niedermaier die Ist-Situation zusammengefasst. Wie berichtet, steht die Geburtshilfe in Tölz vor dem Aus, weil es nur noch zwei Belegärzte gibt, die pro Jahr knapp 600 Geburten begleiten. Weitere Gynäkologen konnten nicht zur Mithilfe bewegt werden. Zudem verhindert das neue Antikorruptionsgesetz, dass die Belegärzte – wie bislang üblich – von der Klinik bei den hohen Haftpflichtversicherungsbeträgen unterstützt werden. Die Schaffung einer eigenen Hauptabteilung in Tölz scheiterte daran, dass trotz großer Anstrengungen nicht einmal annähernd ausreichend Personal – unter anderem für den Chefarztposten – gefunden werden konnte. Neuer Plan ist nun eine gemeinsame Hauptabteilung mit einem anderen Krankenhaus. Wahrscheinlichster Kooperationspartner, so klang es in der Sitzung an, dürfte das Klinikum Agatharied im Nachbarlandkreis Miesbach sein. Die Vorteile: Das Krankenhaus bietet bereits eine umfangreiche perinatale Versorgung und hat natürlich einen besetzten Chefarztposten. Für Ärzte in Weiterbildung eröffne die Kooperation ein größeres Behandlungs- und OP-Spektrum und sei damit als Arbeitsplatz für Bewerber attraktiver, erläuterte Andrea Mangold, Fachanwältin für Medizinrecht. Dennoch warnte sie davor, schon jetzt von einer Rettung der Tölzer Geburtshilfe zu sprechen. Die Verhandlungen über einen Zuschuss seien der erste Schritt, „aber das zweite große Problem – das fehlende Personal – ist damit nicht gelöst.“

Trotzdem ist der Landkreis willens, alles in seiner Macht stehende zu tun, um die Geburtshilfe in Tölz zu erhalten. „Wir wollen das für unsere Bevölkerung, unsere Mütter und Babys“, sagte Barbara Schwendner. Und dabei drängt die Zeit: Gesichert ist der Betrieb im Moment nämlich nur bis Ende März.

Einstimmig befürwortete der Kreisausschuss, dass der Landrat in die Verhandlungen mit Asklepios einsteigt. Diese werden zeigen, wie hoch der jährliche Zuschuss tatsächlich ausfallen muss. Billig dürfte das nicht werden. Schon jetzt beläuft sich das Defizit der Geburtshilfe auf einen sechsstelligen Betrag. Niedermaier geht davon aus, dass es beim Kreis-Zuschuss um „mehrere 100 000 Euro geht, wenn nicht um einen siebenstelligen Betrag“. Finanziert werden müsste der über die Kreisumlage und damit von allen 21 Kommunen.

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