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Aufwändige Reliefs gestaltet der Tölzer Künstler Daniel Fuchs. 

Im Porträt: Daniel Fuchs 

Der „Holzflüsterer“: Ausstellung im Tölzer Stadtmuseum

Der in Tölz lebende Holzkünstler Daniel Fuchs eröffnet am Freitagabend eine außergewöhnliche Ausstellung im Tölzer Stadtmuseum

Bad Tölz – Wer das Atelier des Tölzer Holzkünstlers Daniel Fuchs betritt, ist überrascht und meint, dass er Vergleichbares noch nie gesehen hat. Fuchs’ Arbeiten erinnern ein wenig an Akustikdecken moderner Konzertsäle, auch an Skulpturen des weltbekannten britischen bildenden Künstlers Tony Cragg, doch sie sind in ihrer Machart nicht damit vergleichbar.

Ab dem kommenden Samstag ist seine Ausstellung im Tölzer Stadtmuseum zu sehen, zur Vernissage am Freitagabend (19 Uhr) ist die interessierte Öffentlichkeit eingeladen.

Daniel Fuchs ist ein Filigrantechniker. Aus handelsüblichen, dreischichtig verleimten Fichtenholzplatten schneidet er mit einer Dekupiermaschine (eine mechanisierte Form der Laubsäge) Ring für Ring hauchdünne Scheiben heraus, die er dann wie bei einer Ziehharmonika auseinanderzieht und sie anschließend zu nach oben sich verjüngenden Gebilden verleimt, die an Stalagmiten von Tropfsteinhöhlen, in flacherer Ausprägung an Höhenlinien eines Geländeprofils erinnern.

Die Arbeitsweise ähnelt jener, wie man aus einem Furnier kunstvolle Intarsien herausschneidet oder die Einzelteile eines Puzzles. Aufwändig arbeitet Fuchs aus einer Platte die unterschiedlichsten Reliefs heraus und geht dabei in eine weitere Dimension, indem er die Ausgangsebene verlässt und seine Objekte in verschiedene Richtungen verdreht. Ist das Handwerk, Dekor oder Kunst, und was ist dann die künstlerische Botschaft? Fuchs: „Aus einem zweidimensionalen Nichts schaffe ich durch Transformation etwas Neues, ohne etwas wegzunehmen oder neu hinzuzufügen. Ich setze Formen in Beziehung zueinander und schaffe eine neue Ordnung – als Metapher für meine Wahrnehmung des Verbunden-Seins und der Beziehungen von Menschen.“

Daniel Fuchs (Jahrgang 1974) wuchs in der thüringischen Kleinstadt Greiz auf, wo er im Sommerpalais der Reussischen Fürstenlinie früh mit Kunst in Berührung kam, weil seine Oma dort im Museum, in den Ausstellungsräumen für Künstler und in der Nationalen Sammlung „Satiricum“ beschäftigt war. Der junge Mann lernte Kaminkehrer und Elektriker und hielt sich dann in seiner Hobby-Werkstatt mit dem Schneiden von Intarsien und der Restaurierung von Möbeln über Wasser.

Weil auch das ihn nicht befriedigte, suchte er nach einer persönlichen künstlerischen Ausdrucksform mit Alleinstellungsmerkmalen, die er nun gefunden hat.

Er fand jetzt die Unterstützung, um mit den Arbeiten aus seinem abgeschirmten Atelier an die Öffentlichkeit zu gehen. Bislang hat er auch noch keines seiner Werke verkauft – „und daran denke ich im Moment auch nicht“, sagt er. Noch schlägt sich Daniel Fuchs als Logistiker durch. Gut möglich, dass demnächst der Knoten platzt und er zum gefragten Künstler wird.  (Rainer Bannier)

Die Ausstellung ist zu sehen von Freitag, 18. Oktober, bis Sonntag, 3. November. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

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