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Sehr aufwendig ist die Instandhaltung „Integrale“ – hier ein Foto bei der Revision im Lenggrieser BOB-Betriebswerk.

Infrastruktur

Pendler können sich vorsichtig freuen: BOB setzt auf neue Dieselloks ab 2020

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Für BOB-Fahrgäste, die unter den Alterserscheinungen der bestehenden Flotte leiden, könnte es eine deutliche Verbesserung bedeuten: Schon 2020 könnten neuen Züge fahren. Zeit wird‘s!

Holzkirchen/Bad-Tölz/Tegernsee/Miesbach – Auf mittlere Sicht setzt die Bayerische Oberlandbahn (BOB) auf die Elektrifizierung der Bahn-Strecken nach Lenggries, Tegernsee und Bayrischzell. Noch-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch rechnet allerdings nicht damit, dass aus diesem Wunsch vor dem Jahr 2032 Wirklichkeit wird. Ebenso klar ist für ihn aber auch: Die jetzigen „Integral“- und „Talent“-Züge halten keinesfalls so lange durch. Wie Rosenbusch am Freitag vor einer Besuchergruppe erklärte, strebt die BOB für die Übergangszeit nun den Kauf neuer Dieselfahrzeuge an.

Aktuell laufen laut Rosenbusch, der bald nicht mehr für die BOB arbeiten wird, und seinem Co-Geschäftsführer Fabian Amini derzeit Gespräche über die Neuanschaffung mit dem Eigentümer – also dem französischen Transdev-Konzern –, der Politik und der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG). „Es wird sich in den kommenden Wochen und Monaten entscheiden“, sagte Rosenbusch. Sei ein Beschluss gefasst, könnten die Dieselloks in zwei Jahren geliefert werden. „Damit könnten wir sofort einen massiven Qualitätssprung erreichen“, so der scheidende Geschäftsführer. 

Eine „Klimaanlage, die auch bis 40 Grad funktioniert“, sei da nur ein Beispiel. Im Vergleich zu den 20 Jahre alten „Integralen“ und den ebenfalls nicht taufrischen „Talent“-Zügen „kommt bei den neuen Dieselfahrzeugen de facto kein Stickstoff- und kein Feinstaub raus“. Ein CO2-Ausstoß bleibe freilich.

Nicht nur deshalb setzt Rosenbusch für die Zukunft auf die Elektrifizierung, die 75 bis 90 Millionen Euro kosten werde. Sie ist ihm zufolge auch nötig, damit die BOB künftig die zweite Münchner Stammstrecke befahren kann. „Wir brauchen im Oberland eine Regional-S-Bahn“, so Rosenbusch, der im Oktober zum MVV wechselt.

All diese Einblicke gewährten die Geschäftsführer bei einem Besuch der Vereine „Wirtschaftsforum Oberland“ und „Unternehmervereinigung Miesbach“ im Lenggrieser Bahnbetriebswerk, in dem 38 Mitarbeiter die Züge der BOB warten und reparieren.

Laut den beiden BOB-Chefs sind andere Übergangslösungen vom Tisch. „Die Wasserstoff-Technologie ist für das Oberland mit seinen Steigungen nicht geeignet“, sagte Amini. Zudem wäre dafür zuerst der Bau einer Wasserstoff-Tankstelle nötig. „Dafür ist der Platz nicht da.“ Auch der Umstieg auf Hybrid-Fahrzeuge lohne sich nicht, da die Batterien bis zur Elektrifizierung mindestens einmal ausgetauscht werden müssten. Dadurch entstünden Zusatzkosten in Höhe von 78 Millionen Euro für einen zwölfjährigen Betrieb von Hybrid-Fahrzeugen.

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Die jetzigen „Integral“- und „Talent“-Züge könnten maximal bis zum Ende des laufenden Vertrags zwischen BEG und BOB 2026 weiterfahren, so Rosenbusch. Danach tue sich auf alle Fälle ein Zeitloch von sechs Jahren bis zur Elektrifizierung auf. „Da ist es besser, gleich auf neue Fahrzeuge umzusteigen, dann lohnt es sich wenigstens noch etwas mehr.“ In der Ausschreibung für den Betrieb der Oberlandstrecken ab 2026 müsste dann festgeschrieben werden, dass der nächste Betreiber die Fahrzeuge übernimmt.

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Bei einer Werksführung erläuterte Amini der Besuchergruppe die Probleme der jetzigen Flotte, die sich aus 17 „Integralen“ und neun „Talenten“ zusammensetzt. Die „Integral“-Züge legen laut Amini pro Jahr 220 000 Kilometer zurück – und das seit 1998. Die „Talente“, die nicht die Fahrzeiten der „Integrale“ einhalten könnten, seien aus logistischen Gründen nur 50 000 bis 70 000 Kilometer jährlich unterwegs. Die Herstellerfirma der seinerzeit hochinnovativen „Integrale“ gibt es längst nicht mehr. „Es sind Fahrzeuge mit sehr speziellen Komponenten, die auf dem Markt nicht mehr frei verfügbar sind.“ Sie am Laufen zu halten, sei eine „Herausforderung“, so Amini. Im Lenggrieser Betriebswerk befänden sich praktisch immer ein bis zwei „Integrale“ zur Reparatur. Der Aufwand der Instandhaltung sei vier- bis fünfmal so hoch wie etwa bei der Flotte der Baureihe „Lint“ aus dem Hause Alstom, die bei der Schwestergesellschaft Bayerische Regiobahn im Einsatz ist. An die Qualität der „Lint“-Züge könnten die alten „Integrale“ aber nie mehr heranreichen.

Der Kauf einer Diesel-Flotte wäre eine Großinvestition. Für 26 Züge – also genauso viele, wie jetzt im Einsatz sind – müsse man „einen dreistelligen Millionenbetrag“ veranschlagen, sagt Amini.

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