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„Hotel, nein danke“: Mit diesen Transparenten machen die Initiatoren eines Bürgerbegehrens am Gabriel-von-Seidl-Weg auf ihr Anliegen aufmerksam.

Bürgerbegehren 

Hotel-Gegner sehen sich auf gutem Weg

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„Hotel, nein danke!“ oder „Beton statt Bäume – nein!“ Transparente mit diesen Aufschriften sind seit einigen Tagen an mehreren Bäumen am Gabriel-von-Seidl-Weg angebracht. Damit möchten die Initiatoren eines Bürgerbegehrens auf ihr Anliegen aufmerksam machen. Anwohner wollen wie berichtet verhindern, dass auf dem Grundstück an der Arzbacher Straße ein Hotel errichtet wird.

Bad Tölz - Mindestens 1400 Unterschriften müssen beim Bürgerbegehren zusammenkommen, damit es einen Bürgerentscheid gibt. Franz Mettal – neben Andreas von Schweinitz und Willibald Raab einer der Initiatoren – ist zuversichtlich, dass dies gelingt. „Spätestens Ende April wollen wir soweit sein“, erklärt er. 400 Unterschriften liegen ihm nach eigenen Angaben aktuell vor. Und viele weitere Listen seien in Umlauf. „Sie liegen mittlerweile an 53 Stellen aus, zum Beispiel in Apotheken und Geschäften“, sagt Mettal. Auf den Listen steht die Forderung, dass das Grundstück an der Arzbacher Straße in städtischer Hand bleibt und nicht wie vorgesehen an einen Investor verkauft wird, damit dieser dort ein Hotel, ein Sportstudio sowie – zur Querfinanzierung – fünf Blöcke mit Wohnungen baut. Kommen die Unterschriften zusammen, muss die Stadt die Rechtmäßigkeit des Bürgerbegehrens prüfen und gegebenenfalls innerhalb von drei Monaten einen Termin für einen Bürgerentscheid ansetzen.

Dass Bürger auf diese Weise ihre Position vertreten, hält Zweiter Bürgermeister Andreas Wiedemann für legitim. „Aber es wäre schade, wenn es dadurch zu Verzögerungen kommt“, sagt er. „Das wäre ein Wettbewerbsnachteil auf dem schnelllebigen Tourismus-Markt.“ Und die Stadt wolle die Entwicklung – verzahnt mit dem Bau der städtischen Wellness-Einrichtung „Natura Tölz“ an der Bockschützstraße – zügig voranbringen.

Inhaltlich ist Wiedemann vollständig von dem Hotelprojekt überzeugt. „Das Hotel ist dringendst nötig“, sagt er. „Alle Experten sind sich einig, dass wir diese Hotelbetten brauchen.“

Nach Meinung der Anlieger aber ist das Gelände ungeeignet, weil es an der Umgehungsstraße liegt und immer wieder Rettungshubschrauber auf dem Weg zum Krankenhaus darüberfliegen. Wiedemann hält dem entgegen, dass sowohl der Investor als auch ein Betreiber von dem Standort überzeugt seien. „Gute Hotels liegen meist nicht irgendwo im Wald versteckt, sondern dort, wo es eine gute Verkehrsanbindung gibt.“

Mettal und seine Mitstreiter hingegen befürchten, dass ein Hotelbau an der Arzbacher Straße die Entwicklung dort bremst, wo Hotels ihrer Meinung nach eigentlich hingehören: im „touristischen Kerngebiet“ im Badeteil, wo es „viele öde Flächen“ gebe, so Mettal. Er nennt als Beispiel die Bauruine Haus Bruckfeld und den Jodquellenhof. Wiedemanns Antwort: Auch die Stadt wünsche sich an diesen Stellen Hotels, werde die Eigentümer realistischerweise aber nicht so schnell davon überzeugen. Das Hotel an der Arzbacher Straße werde keine Entwicklung behindern, ist der Zweite Bürgermeister überzeugt: „Ein Hotel reicht ja nicht aus, es ist bloß der erste Schritt, den wir brauchen.“

Skeptisch beäugen die Projektgegner die geplanten Wohnhäuser auf dem Gelände. „Zur Querfinanzierung des Hotels sind sie nicht nötig“, glaubt Mettal. Die Anlieger befürchten, dass vor allem betuchte und betagte Neubürger hier einziehen werden. Auch die würden Steuern zahlen und in der Stadt einkaufen, entgegnet Wiedemann. „Und bis jetzt sind bei jedem Bauvorhaben auch Einheimische eingezogen.“ Dem Zweiten Bürgermeister zufolge ist die Querfinanzierung sehr wohl notwendig, weil die kreditgebenden Banken so etwas als Sicherheit verlangen würden.

Mettal bleibt dabei: Mit Hotels und Wohnungen werde eine Grünfläche „sinnlos zugepflastert“. Wiedemann streitet nicht ab, dass für das Bauprojekt Bäume gefällt werden müssten. Er wundert sich aber, dass sich Bürger nun plötzlich für den Erhalt der Grünfläche einsetzen. „Bislang hat sich niemand dafür interessiert. Der Gabriel-von-Seidl-Weg liegt im Dornröschenschlaf und ist nicht besonders schön hergerichtet.“ Das Bauprojekt sehe eine Aufwertung des Wegs und Neupflanzungen vor.

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