Weiterbildung statt Kundenkontakt: Karlheinz Leimer unterrichtet seine Azubis während des Lockdowns.
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Weiterbildung statt Kundenkontakt: Karlheinz Leimer unterrichtet seine Azubis während des Lockdowns.

Corona-Auswirkungen

Hotelliers aus dem Tölzer Land sorgen sich um ihre Existenz

  • Patrick Staar
    vonPatrick Staar
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Die Hotels hatten sich gerade einigermaßen vom Frühjahrs-Lockdown erholt, da setzt es nun mit dem „Lockdown light“ den zweiten Nackenschlag. Die bange Frage lautet: Wie lange dauert die Zwangspause dieses Mal? „Lange können wir so was nicht mitmachen“, sagt Christina Suttner, Chefin des Kochler Hotels Postillion.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Christina Suttner kommt sich in dem 34-Zimmer-Haus in Kochel sehr einsam vor. Mal ist ein Bett belegt, mal übernachten fünf Gäste – durchwegs Geschäftsreisende, da sie Urlaubsgäste vorerst nicht empfangen darf. „Das rentiert sich nicht“, sagt die Chefin des Hotels Postillion. „Aber wir sind eh da, und dann nimmt man das halt mit.“ Die Politik habe zwar Unterstützung zugesagt, doch dies sieht Suttner mit Skepsis. Ihrer Ansicht nach sei „alles noch unausgegoren“.

Auch Doreen Oberhauser, Inhaberin des Hotel Post in Egling, sieht die Hilfszusagen mit Skepsis: „Dieses Mal gibt es vom Staat angeblich 75 Prozent vom Umsatz im November 2019, aber davon hat noch niemand was gesehen.“ Abgesehen davon werde die 75 Prozent ohnehin niemand bekommen, „weil man alles Mögliche abziehen muss, wie zum Beispiel Kurzarbeitergeld“. Den Antrag könne nur ein Steuerberater stellen, „und da werden hohe Kosten anfallen, weil der Aufwand sehr hoch ist“.

Aufwand für Antrag sehr hoch

In ihrer Existenz sieht sich Oberhauser trotzdem nicht bedroht: „Wir können uns über Wasser halten, weil wir Einnahmen durch unsere Metzgerei haben, weil wir ein Familienbetrieb sind und keine Pacht zahlen müssen“. Da zudem auch noch das Sommergeschäft sehr gut gelaufen ist, lasse es sich verschmerzen, dass momentan nur ein Drittel der Zimmer belegt ist.

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„Lange können wir so was nicht mitmachen“

Etwas frustriert ist Lydia Hofherr, Chefin des Posthotels in Königsdorf. Sie habe ein Hygienekonzept erstellt, ein Lüftungskonzept, ein Parkplatzkonzept, die Mitarbeiter wurden in Hygienefragen geschult und Trennwände aufgestellt. „Wir haben uns Gedanken bis zum Anschlag gemacht, wie wir unsere Gäste so sicher wie möglich unterbringen können“, sagt Hofherr. „Und jetzt heißt es wieder stornieren, stornieren, stornieren.“ Die Beauty-Abteilung hat plötzlich nichts mehr zu tun, das Restaurant ist geschlossen, alle Tagungen sind abgesagt. Im Schnitt sind nur noch fünf bis 15 der 60 Zimmer belegt. „Wir können im Homeoffice kein Bier ausschenken und virtuelles Essen verschicken. Keine Übernachtungen, keine Urlauber, keine Wellness-Gäste. Es ist fraglich, wie lange wir das durchhalten.“ Zum Frühstücken werden die Gäste in die hauseigene Metzgerei geschickt, wo sie sich ihr Essen abholen müssen. Lakonisch sagt Hofherr: „So wie es ist, ist es eben. Jetzt müssen wir damit leben.“

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Sonder-Ausbildungen für Azubis statt Kundenkontakt

Karlheinz Leimer, Geschäftsführer und einer der drei Gesellschafter der Tölzer Hotels Kolberbräu und Kolbergarten, versucht, das Beste aus der Situation zu machen – die nicht einfach ist: „Bei uns übernachten pro Woche nur noch zehn Geschäftsreisende – das ist nicht mehr der Rede wert.“ Er setzt daher auf das Konzept, das sich bereits im Frühjahr bewährt hat. Er bietet Sonder-Ausbildungen für Azubis an. Zudem dürften sie ohne den Druck des Alltagsgeschäfts Verantwortung übernehmen. Eine derartige Situation könne man nur mit Kurzarbeitergeld und einem Griff in die Rücklagen überstehen, sagt Leimer.

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