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Verlassene Rutschen: Das ungenutzte Alpamare steht noch weitgehend so da, wie es am Tag seiner Schließung am 31. August 2015 ausgesehen hat. 

Hotels oder Wohnungen auf Flächen der Jod Ag  

Badeteil bald ein Fall für das Gericht?

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Bad Tölz – Es sind wichtige Zukunftsfragen: Wohin entwickelt sich das Tölzer Badeteil nach der Schließung von „Jodquellenhof“ und Alpamare? Die Jod AG hat bekanntlich gänzlich andere Vorstellungen als die Stadt. Im Rathaus geht man davon aus, dass der Konflikt früher oder später vor Gericht landet.

Ein leer stehendes Spaßbad, in dem sich seit der Schließung am 31. August 2015 kaum etwas verändert hat – außer dass die Rutschen nun seltsam sinnlos in den menschenleeren Raum ragen. Zusammen mit den leeren Becken geben sie ein trostloses Bild ab. Daneben das frühere Hotel, das zehn Monate vorher geschlossen hat. Im „Jodquellenhof“ leben seit etwas mehr als einem Jahr Asylbewerber. Nicht weit entfernt befindet sich die 1930 erbaute Wandelhalle, einst Schauplatz von Trinkkuren, heute sporadisch als Ausstellungsraum genutzt. So sieht aktuell das Panorama im Herzen des Tölzer Badeteils aus.

Was sich dort ihrer Ansicht nach in Zukunft tun sollte, das legt die Stadt derzeit mit zwei Bebauungsplänen fest. Weiter fortgeschritten ist der Plan fürs Areal von Alpamare und „Jodquellenhof“. Der Bebauungsplan schreibt laut Bauamtsleiter Christian Fürstberger eine rein touristische Nutzung vor: „Der Standort ist prädestiniert für ein Top-Hotel, eventuell mit Badeflächen“, sagt Fürstberger. Um ein tragfähiges Konzept zu ermöglichen, lasse der Bebauungsplan ein Gebäude mit bis zu 200 Zimmern und 300 Betten zu.

Nicht erlaubt werde auf der zwei Hektar großen Fläche eine Nutzung für den Gesundheitsbereich, ebenso wenig Pensionen und Ferienwohnungen, stellt Fürstberger klar. Keine Aussicht auf Verwirklichung hätte demnach das Konzept, das Hoefter vor Längerem für die Nachfolgenutzung des „Jodquellenhofs“ als Gesundheitszentrum vorstellte. Die angedachten medizinischen Einrichtungen bewertet Fürstberger ohnehin nur als „Köder“, um in den oberen Geschossen Wohnnutzung durchzubringen.

Zurzeit prüft das Bauamt die Stellungnahmen, die nach der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplans eingegangen sind: in erster Linie ein etwa 30-seitiges Schreiben der Jod AG. Dessen Tenor gibt laut Fürstberger die hinlänglich bekannte Einstellung des Grundbesitzers wieder: „Tourismus hat an dieser Stelle keine Zukunft.“ Im Rathaus sieht man das anders. Das werde die Stadt anhand von Zahlen und Fakten in ihrer Antwort darlegen, so Fürstberger. Er wisse sogar von interessierten Investoren.

Fürstberger merkt an, dass die Jod AG noch vor einigen Jahren durchaus auf Tourismus gesetzt habe. Um Alpamare und „Jodquellenhof“ zu erhalten, so die damalige Argumentation, sei als Querfinanzierung der Bau von Wohnungen im Herderpark und auf dem Minigolfplatz nötig. Das Ergebnis heute: Die Wohnungen sind da, „Jodquellenhof“ und Alpamare geschlossen.

Der Bauamts-Chef rechnet damit, dass der Bebauungsplan und die Stellungnahmen noch vor der Sommerpause, spätestens im September, dem Stadtrat vorgelegt werden. Wenn noch einmal Veränderungen und eine zweite Auslegung nötig seien, werde er wohl „bis Weihnachten“ rechtskräftig. Im Anschluss hält es Fürstberger für gut möglich, dass die Jod AG gegen den Bebauungsplan klagt. „Dann wird es wohl ein bis zwei Jahre dauern, bis sich das Verwaltungsgericht damit beschäftigt.“

Ebenso vor Gericht landen könnte nach Fürstbergers Einschätzung der zweite Bebauungsplan, an dem die Stadt arbeitet. Er umfasst 8,8 Hektar, die ebenfalls zum Großteil der Jod AG gehören: Herderpark, Wandelhalle und P 3. Nach aktuellem Stand würde auch das Kurhotel Eberl dazugehören. Aktuell liegt allerdings ein Antrag der Familie Eberl vor, aus dem Geltungsbereich des Bebauungsplans herausgenommen zu werden. Sie will in ihr Hotel investieren und dies mit Wohnbebauung querfinanzieren. „Das Bauamt befürwortet den Antrag“, sagt Fürstberger. Auch wie sinnvoll die Einbeziehung der Gärtnerei Schmidl (Mehlstäubl) in den Bebauungsplan ist, werde noch geprüft.

Inhaltlich legt der Bebauungsplan laut Fürstberger ebenfalls eine rein touristische Nutzung fest. „Hier werden aber auch Gesundheitseinrichtungen zulässig, so etwas wie die Schlemmer-Klinik zum Beispiel.“ Pensionen und Ferienwohnungen dagegen sollen ausgeschlossen werden. Der Herderpark werde als Grünfläche ausgewiesen. Damit würde der Bebauungsplan die Idee durchkreuzen, die Wandelhalle zu Wohnungen umzubauen, wie es die Jod AG schon einmal angedacht hat.

Bis die Bebauungspläne fertig sind, gilt auf beiden Arealen eine Veränderungssperre. Mit einem verordneten Stillstand sei das nicht gleichzusetzen, meint Fürstberger. „Man kann dort durchaus etwas planen – nur eben im Sinn der künftigen Bebauungspläne.“

Thema im Stadtrat

Der Tölzer Stadtrat berät in seiner Sitzung am Dienstag, 28. Juni, darüber, den Geltungsbereich des Bebauungsplans „Sondergebiet Badeteil Mitte“ zu ändern. Weitere Themen: die Entwicklungen am „Bichler Hof“, Christkindl- und Ostermarkt, der Kostenstand bei der Rathaus-Sanierung und ein „Kommunaler Unterstützungsfonds für Kinder, Jugendliche und Familien“. Der öffentliche Teil der Sitzung im Feuerwehrhaus an der Lenggrieser Straße beginnt ausnahmsweise erst um 17 Uhr.

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