Der Hund hätte angeleint sein sollen (Symbolbild)
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Der Hund hätte angeleint sein sollen (Symbolbild)

Hunde-Attacke 

Die Angst vor dem nächsten Biss

  • Silke Scheder
    vonSilke Scheder
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Schon mehrmals hat ein Hund aus Bad Tölz andere Vierbeiner angegriffen. Auch Menschen sind bereits zu Schaden gekommen. Die Stadt hat einen Leinenzwang angeordnet – den die Halterin offenbar nicht befolgt. 

Bad Tölz– Plötzlich hört Markus H. (Name geändert) seine Lebensgefährtin schreien. Er läuft etliche Meter vor ihr und den drei gemeinsamen Hunden am Ellbach in Bad Tölz. Markus H. rennt zurück – und sieht, wie einer seiner Hunde von einem viel größeren Hund gepackt wird. „Er wurde regelrecht zerfleischt.“ Später wird Markus H. erfahren: Das hätte nicht passieren dürfen. Die Stadt Bad Tölz hat Ende November des vergangenen Jahres einen Leinenzwang verhängt. Er galt bereits, als der Hund am Freitag, 13. Dezember 2019, gegen 20.30 Uhr auf Höhe der Greinerstraße einen Artgenossen attackierte. Eine Leine trug er nicht.

Stadt hatte bereits Leinen-Pflicht verhängt 

Mitte Oktober 2016 hatte die Stadt schon einmal einen Leinenzwang verhängt, nachdem der Hund zwischen März 2015 und März 2016 im Innen- und Außenbereich von Bad Tölz zwei Hunde gebissen hatte. Außerdem hatte er zwei Frauen angesprungen und zu Fall gebracht. Eine davon prellte sich beim Sturz auf die Teerstraße die Schulter und zog sich Blutergüsse am Oberschenkel zu.

Der Leinenzwang wurde damals teilweise zurückgenommen: Die Halterin hatte beim Verwaltungsgericht in München dagegen geklagt. Laut Gerichts-Pressesprecher Martin Friedrich wurde zwar kein Urteil gesprochen: „Die Beteiligten haben die Streitsache aber übereinstimmend für erledigt erklärt.“ Ein Sachverständiger war zu dem Schluss gelangt, dass ein genereller Leinenzwang nicht notwendig sei.

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Auch Menschen sind schon zu Schaden gekommen 

Über diese Einschätzung kann Max K. (Name geändert) nur den Kopf schütteln. Anfang September 2019 hatte ihn besagter Hund unter anderem in den rechten Mittelfinger gebissen. Der Mann hatte versucht, seinen Hund vor dem Angriff des geschätzt rund 80 Kilo schweren Tiers zu schützen. Der Tölzer erhebt schwere Vorwürfe gegen die Halterin. „Sie handelt unverantwortlich und ist als Hundehalterin gänzlich ungeeignet.“ Das Tier selbst sei unberechenbar und aggressiv. Ein Grund dafür: Es wohne zusammen mit zwei weiteren Hunden in einer zirka 50 Quadratmeter großen Wohnung. „Es ist nur eine Frage der Zeit, wann erneut eine Personen – vielleicht ein kleines Kind – zu Schaden kommt“, sagt der Tölzer.

Nicht nur Markus H. und Max K. meiden inzwischen den Spazierweg am Ellbach Richtung Naturschutzgebiet. Inzwischen gebe es sogar Eltern, die ihren Kindern verböten, dort zu spielen. Neben den genannten Fällen soll es viele weitere Attacken auf andere Hunde gegeben haben. Die Betroffenen schwiegen um des Friedens willen.

Viele meiden nun Spazierweg am Ellbach 

Die Halterin selbst will sich auf Anfrage des Tölzer Kurier nicht zu den Vorwürfen äußern. In der Vergangenheit hatte die Frau gegenüber der Stadt aber von einer Verkettung unglücklicher Umstände gesprochen. Außerdem hätten sich die Vorfälle nicht so zugetragen wie von den Opfern geschildert. Das geht aus einem Schreiben der Stadt Bad Tölz hervor, das dem Tölzer Kurier vorliegt.

Die Stadt selbst will sich aus Datenschutzgründen nicht zu dem Fall äußern. Auch zu der Frage nach den Konsequenzen, wenn die Frau gegen die Vorgaben verstößt, schweigt Falko Wiesenhütter aus diesem Grund. Ganz allgemein verweist der geschäftsleitende Beamte im Tölzer Rathaus auf hohe Zwangs- und Bußgelder. Nach Angaben der Behörde besteht außerdem die Möglichkeit, einem Hundehalter sein Tier wegzunehmen, sollte er „nicht fähig sein, einen Hund zu halten“.

Ein Hund hatte nur dank einer Not-OP die Attacke überlebt

Aus Sicht von Markus H. ist dieser Schritt längst überfällig. Nur dank einer Not-OP hat sein Hund die Attacke Mitte Dezember überlebt. Er hatte tiefe Bisswunden links von der Wirbelsäule und im Unterbauch. Markus H. hat Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet – Tiere gelten rechtlich als Sache. Zunächst wollte der Tölzer auf diesem Weg lediglich die Tierarztkosten erstattet bekommen. Seit er von den anderen Attacken weiß, geht es ihm aber um mehr, wie er sagt: „Was ist, wenn irgendwann etwas noch Schlimmeres passiert?“, fragt Markus H. „Ich will mir dann nicht vorwerfen müssen, nichts getan zu haben.“

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