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Hat ein Landwirt seinen Nachbarn mit dem Traktor verletzt? Das Amtsgericht fand keine Beweise für diesen Vorfall.

Nachbarschaftsstreit vor dem Amtsgericht

„Ich fahr dich über den Haufen“

Bad Tölz - Ein erbittert geführter Tölzer Nachbarschaftsstreit ist jetzt vor dem Strafrichter gelandet. Nötigung und Körperverletzung waren einem angeklagten Landwirt dabei nicht nachzuweisen. Verurteilt wurde er trotzdem: weil er ohne Führerschein Traktor fuhr – und ihn jemand anonym anzeigte.

Seit vielen Jahren leben zwei Tölzer Familien in inniger Abneigung nebeneinander. Nun trafen sie sich vor Gericht. Ein Landwirt soll dem Hausherrn von nebenan mit dem Traktor blaue Flecken an Oberschenkel und Hüfte zugefügt haben. Am Ende der Verhandlung wurde der 58-Jährige aber vom Vorwurf der Nötigung und Körperverletzung freigesprochen. Trotzdem muss er 1800 Euro Strafe zahlen: Er war ohne Führerschein Traktor gefahren – ein anonymer Briefschreiber hatte ihn wiederholt bei der Polizei angeschwärzt.

Der Streit schwelt nach Aussage des Angeklagten seit rund 15 Jahren. Damals habe sein Nachbar der Stadt Bad Tölz einen neben seinem Grundstück verlaufenden Privatweg abkaufen wollen. Als er davon erfuhr, habe er sein Veto eingelegt, so der Landwirt. Die Stadt verkaufte nicht, der Weg blieb öffentlich. „Seit dem Tag haben wir Stress“, sagte der Angeklagte, der regelmäßige gezielte Provokationen einräumte. „Ich bin oft durch den Weg gefahren, weil ich wusste, dass es ihm stinkt.“

Auch am 20. September 2014 gegen 16 Uhr war das wohl so. Damals soll sich der Nachbar (55) in den Weg gestellt haben, als der Beschuldigte mit Traktor und Kreiselschwader über sein Anwesen rollte (weil die Zufahrt zu seinem Hof an diesem Tag aufgrund einer Baustelle versperrt gewesen sei, wie der Angeklagte erklärte).

Um sich freie Fahrt zu verschaffen, soll der Landwirt gedroht haben: „Ich fahr dich über den Haufen, wenn du nicht aus dem Weg gehst.“ Dann sei er losgefahren und habe den Nachbarn verletzt. Das stimme nicht, ereiferte sich der Beschuldigte. Er habe den Traktor abgeschaltet, der andere habe ihn wüst beschimpft. „Du Drecksau, du Grattler fährst hier nicht durch.“ Eine Weile habe man sich „gehackelt“, dann habe er den Motor wieder angelassen. Der Nachbar habe sich erschreckt und sei ins Haus gegangen – ohne vorherigen Kontakt mit dem Traktor.

Der Versuch, das nachbarschaftliche Verhältnis mittels eines Täter-Opfer-Ausgleichs zu befrieden, war fehlgeschlagen. „Ich bin der Meinung, dass das bei ihm keinen Erfolg hat“, erklärte der Geschädigte, warum er eine außergerichtliche Einigung abgelehnt hatte. Die blauen Flecken, die der 55-Jährige einen Tag später bei der Polizei fotografisch hatte festhalten lassen, könnten zwar von einem Kontakt mit dem Traktor herrühren. „Man kann sich solche Verletzungen aber auch an der Tischkante oder an der Türklinke holen“, erläuterte ein Gutachter.

Dem Gericht reichte das für eine Verurteilung nicht aus. Der Landwirt wurde in diesem Anklagepunkt nach dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ freigesprochen.

Verurteilt wurde er dennoch, weil er am 25. Februar dieses Jahres wenige Meter von seinem Hof entfernt ohne Fahrerlaubnis auf dem Traktor angetroffen worden war. Den Schein hatte man ihm voriges Jahr im Frühjahr abgenommen: Bei einer Polizeikontrolle saß er mit 2,49 Promille Alkohol im Blut hinter dem Steuer seines VW Golf. Damals war er zudem zu 1000 Euro Geldstrafe (50 Tagessätze) verurteilt worden. Diesmal muss er 90 Tagessätze zu je 20 Euro berappen. Die Staatsanwältin hatte acht Monate Gefängnis auf Bewährung beantragt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Rudi Stallein

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