+
Sprachen über „Gott und die Welt: Der altkatholische Pfarrer und Stadtrat Peter Priller (li.) mit Kurier-Redakteur Christoph Schnitzer.

Kreisbildungswerk

„Ich habe damals gehofft, dass ich das mit dem Zölibat hinkriege“

Geradlinig und einfach ist der Lebensweg von Peter Priller nicht verlaufen – das verspürten auch die Zuhörer der Veranstaltung „Reden über Gott und die Welt“ in der Weinstube Schwaighofer. Dort legte Priller als Gast der sechsten Auflage der vom Kreisbildungswerk organisierten und von Kurier-Redakteur Christoph Schnitzer moderierten Gesprächsreihe seine Vita ein gutes Stück weit offen.

Bad Tölz – Der Wunsch, Pfarrer zu werden, sei eigentlich von Kindheit an eine Option gewesen, erzählte der 56-jährige Theologe, der in Bad Feilnbach aufgewachsen ist. Nach dem frühen Tod seiner Mutter kam er ins Internat des Klosters Schäftlarn. Der Aufenthalt dort sei eine Schule fürs Leben gewesen: „Man lernte dort Strukturen und Gemeinschaft und erhielt immenses Wissen vermittelt.“ Und er sei dort weder missbraucht noch misshandelt worden, fügte Priller hinzu.“ Nach dem Abitur folgte 1981 der Einstieg in das Theologie-Studium – zusammen mit Stadtpfarrer Peter Demmelmair und dem heutigen Weihbischof Wolfgang Bischof. Die prächtige Primiz-Feier in Feilnbach, die Schnitzer in Erinnerung rief, sei zwar ein großer Tag gewesen, „aber so was zwängt einen schon in ein Korsett. Da sind Erwartungen damit verbunden, und es wird ein bestimmtes Verhalten vorausgesetzt.“

Die Kaplan-Jahre in Tölz zu verbringen, habe ihm zugesagt, weil er den damaligen Stadtpfarrer Rupert Berger sehr geschätzt habe „Ich dachte mir, von dem kannst du was lernen.“ Und: „Ich habe damals auch noch gehofft, dass ich das mit dem Zölibat hinkriege.“ Denn Priller war sich in jener Zeit seiner Homosexualität bewusst geworden und hatte hier seinen Lebensgefährten Sepp Hanfstängl kennen- und lieben gelernt. „Wir haben das anfangs genossen und versucht, unsere Beziehung geheim zu halten. Aber irgendwann merkt man, dass die Sache ernst ist und man Entscheidungen treffen muss.“

Zwei Gespräche gab es schließlich darüber mit Kardinal Wetter – „der konnte zuhören, aber persönliche Worte gab’s da nicht.“ Trotz Suspendierung und Exkommunikation von Seiten der römisch-katholischen Kirche und seinem Eintritt in die liberalere altkatholische Kirche sieht Priller diese Veränderung nicht als Bruch, sondern vielmehr als „Wohnungswechsel innerhalb des gleichen Hauses“. Hätte denn nicht auch ein Übertritt in die evangelische Kirche seinen Standpunkten entsprochen?, hakte Schnitzer nach. „Nein, da bin ich nicht daheim, da fehlt mir zu viel.“

Als ehrenamtlicher Pfarrer der altkatholischen Filialgemeinde Bad Tölz und bayerisches Oberland brauchte es aber eine berufliche Alternative, um Geld zu verdienen. Der „Seelsorger aus Leidenschaft“ arbeitete deshalb in einer psychiatrischen Einrichtung vor Ort, bis 2009 sein Lebenspartner starb – eine schwere Zäsur, die ihn all seine bisherigen Lebensinhalte in Frage stellen ließ. Die gewachsenen Bindungen hielten ihn aber doch hier fest. Seine berufliche Neuorientierung führte Priller nach München, wo er seitdem als Sozialarbeiter speziell in der Beratung für ältere Schwule, Lesben und Transgender tätig ist. Die vielfältigen sozialen Probleme dieser Menschen hatten ihn bereits 1994 dazu bewogen, den Tölz und das Oberland umfassenden Verein „SchuTz“ zu gründen.

Zweimal wurde er auf der Liste der Grünen in den Stadtrat gewählt. „Zu den Grünen bin ich hauptsächlich deshalb gegangen, weil die unserer Lebensart gegenüber weitaus toleranter waren als die anderen Parteien“, erklärte Priller. Inzwischen seien manche Vorurteile abgebaut, „und gerade auf dem Land sind die Leute oft offener als man denkt.“ Und das strittige Thema Zölibat? „Wenn der Papst das Zölibat aufheben würde, müsste die römische Kirche ihre ganze Sexuallehre ändern. Deren These, dass jegliche Sexualität außerhalb der Ehe Sünde sei, steht nirgends geschrieben. Wichtig ist vielmehr der verantwortliche Umgang damit.“ Rosi Bauer

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Freitagabend
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Freitagabend
Alm-Abtrieb: B 307 am Wochenende offen
Die B 307 ist vom Sylvensteindamm Richtung Kaiserwacht seit einer Woche gesperrt. Am Wochenende wird die Sperrung aufgehoben.
Alm-Abtrieb: B 307 am Wochenende offen
Heute Großübung von BRK und Feuerwehren im Loisachtal
Heute Großübung von BRK und Feuerwehren im Loisachtal
Lkw beim Abbiegen übersehen
Geduld brauchten am frühen Freitagnachmittag Autofahrer, die auf der B 472 unterwegs waren. Ein Unfall auf Höhe der Abzweigung in die Langau brachte den Verkehr zum …
Lkw beim Abbiegen übersehen

Kommentare