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Ganze Wochen muss Markus immer wieder im Krankenhaus verbringen.

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„Ich hatte Angst, er stirbt jetzt“

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Eine chronische Darmerkrankung schwächt Markus (Name geändert) so sehr, dass er kein normales Leben führen kann. Die Familie leidet mit dem Elfjährigen – und kommt an finanzielle und psychische Grenzen.

Markus (Name geändert) liebt Fußball, sein Vorbild heißt Cristiano Ronaldo. Wenn er gut drauf ist, schießt er in der D-Jugend genauso viele Tore wie Ronaldo für Real Madrid. Doch Markus ist selten gut drauf, der Elfjährige ist schwer krank: Colitis ulcerosa, eine chronische Darmerkrankung. Der ständige Durchfall schränkt ihn ein. Manchmal kann er nicht ins Fußballtraining, manchmal kann er sich nicht mehr bewegen. „Markus hat blutige Schürfwunden im Darm“, erklärt seine Mutter, die hier Martina Keller heißen soll.

Die Leiden ihres Sohnes, die seit nun zwei Jahren andauern, haben alle mitgenommen. Das Leben ist nicht mehr wie es war in der sechsköpfigen Familie, die einen voller Herzlichkeit in ihrer zu kleinen Wohnung empfängt.

Die Aktion „Leser helfen helfen“ des Tölzer Kurier und isar-Loisachbote/Geretsrieder Merkur leistet bei Schicksalen wie dem von Markus finanzielle Unterstützung. 

Die Kellers haben neben Markus noch eine Tochter im Teenageralter und noch zwei sehr viel jüngere Kinder, die ständig ihre Aufmerksamkeit fordern. Das Kleinste war überhaupt nicht geplant, doch der 34-Jährigen traut man zu, vier Kindern Liebe zu schenken. Sie würde das alles mit ihrem Mann, der selbstständig ist, schaffen. Wäre da nicht Markus’ unberechenbare Krankheit. 

Die Schübe häufen sich. Sie überfallen Markus. Der Durchfall hört nicht auf, der Junge ist dann so geschwächt, dass er die drei Meter von seinem Zimmer auf die Toilette nicht schafft. Nicht nur einem Elfjährigen ist das peinlich. Markus verliert mehrere Kilo in einer Woche. Wochenlang verpasst er den Schulunterricht, weil er in der Kinderklinik liegt. Vor ein paar Monaten dachte seine Mutter, es ist zu Ende. „Ich hatte Angst, er stirbt jetzt. Und du kannst nichts machen, außer ihm chemische Tabletten zu verabreichen“, sagt Martina Keller. Als sie von dem Nachmittag erzählt, kommen ihr die Tränen. Weil sie als Mutter ihrem Kind beim Leiden zuschauen muss. Immer wieder. Tagelang.

Die Schübe bringen die Familie in finanzielle Nöte. Vater Sebastian muss den Laden oft von einer Minute auf den andere zusperren, um seinen Sohn in die Klinik zu fahren. Das wirkt sich aufs Geschäft aus. „Spürbar“, sagt Martina Keller. „Aber es ist wichtig, dass wir ihn beide im Krankenhaus besuchen.“ Denn fühlt Markus sich einsam, geht es ihm körperlich noch schlechter.

Mit fructose- und lactosefreier Ernährung versuchen die Kellers gegenzusteuern. Und zwar alle. Die Familie hält für Markus zusammen. „Wir verzichten. Ich stelle zum Frühstück keine Marmelade und keinen Honig mehr auf den Tisch“, sagt Martina Keller. Manchmal gibt es aber auch bei den Kellers Schokolade. Nur nicht für Markus. „Es fällt schwer, als Mutter ständig Nein zu sagen.“ Markus müsse aber lernen, mit der Krankheit umzugehen.

Die Voraussetzungen sind gut. „Ein cleverer Junge“, sagt die Mama, die Noten sind okay – wenn er mal in der Schule ist: In der vierten Klasse war er gerade die Hälfte der Zeit anwesend. Die Eltern redeten mit der Schulleitung, Markus durfte auch ohne ausgefülltes Zeugnis in die fünfte.

Irgendwann wollen die Kellers umziehen. Die Wohnung ist einfach zu klein für sechs Menschen, die jüngsten Kinder schlafen in einem Bett im Schlafzimmer der Eltern. Jetzt ist auch noch die Spülmaschine kaputt. Für eine neue fehlt das Geld, das sein Vater nicht verdient, wenn er für Markus da sein will.

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