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Wie oft sollen Busse auf der Hauptverkehrsachse zwischen den drei Landkreisstädten fahren? Auch das ist im Nahverkehrsplan des Landkreises definiert.

Nahverkehrsplan muss überarbeitet werden

„Ich weiß nicht, ob wir so lange Zeit haben“

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Einige Kreisräte drängen darauf, den Nahverkehrsplan endlich zu überarbeiten. Der Landrat aber will erst Details zur S-Bahn.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Der Landkreis muss seinen Nahverkehrsplan überarbeiten. Darin sind sich im Prinzip alle Kreisräte einig. Nur wie schnell das Thema angepackt werden soll – darüber gehen die Meinungen auseinander.

Auf kam das Thema noch einmal in der jüngsten Kreistagssitzung, als über einen Antrag der Gemeinde Egling entschieden werden musste. Sie wünscht sich eine zusätzliche Anbindung des Ortsteils Endlhausen nach Sauerlach zum dortigen S-Bahnhof – beispielsweise durch die Verlängerung der Buslinie 375. Allerdings hatten bereits Kreis- und Umweltausschuss den Antrag abgelehnt. Nicht, weil die zusätzliche Ost-West-Verbindung nicht sinnvoll wäre, „sondern weil es vergaberechtlich nicht geht“, verdeutlichte Wirtschaftsförderer Andreas Roß im Kreistag. Die Linie 375 wurde 2014 für zehn Jahre vergeben. Eine Erweiterung der Leistung ist deshalb nicht möglich.

Eglings Bürgermeister Hubert Oberhauser (FW) versteht, dass die Rahmenbedingungen hier schwierig sind. Aber der Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) müsse vorangetrieben werden. „Wir brauchen mehr Querverbindungen“, sagte er. Das müsse auf der Agenda oben bleiben, forderte auch Oberhausers Amtsvorgänger Hans Sappl (FW). Beide sprachen Annelies Wiedenbauer-Schmidt (Grüne) „aus der Seele“. Die angestrebte Energiewende bis 2035 „erreichen wir nur, wenn wir die Mobilität mit einbeziehen“.

Die Marschrichtung, wo es in Sachen ÖPNV hingehen soll, legt der Nahverkehrsplan fest. Das aktuelle Werk für den Landkreis stammt aus dem Jahr 1996. Es ist praktisch ein Leitbild mit definierten Zielen. In welchem Takt sollen die drei Stände verbunden sein? Wie oft müssen die anderen Gemeinden durch den ÖPNV bedient werden? Solche Fragen beantwortet der Nahverkehrsplan. „Er muss überarbeitet werden“, forderte Oberhauser. Da gibt ihm Landrat Josef Niedermaier (FW) durchaus recht. „Wir werden das tun, sobald Details in Sachen S-Bahn-Verlängerung klar sind.“ Beispielsweise müsse man wissen, ob die Bahn im 20- oder 40-Minuten-Takt nach Geretsried fahren wird.

Um das Thema S-Bahn ging es am Ende der Kreistagssitzung (wir berichteten). Seitdem ist klar, dass die S-Bahn frühestens Ende 2028 rollen wird. „Ich weiß nicht, ob wir so lange Zeit haben“, sagte Oberhauser mit Blick auf den Nahverkehrsplan.

Eines der künftigen Ziele für den ÖPNV könnte übrigens auch sein, dass der MVV-Tarif im gesamten Landkreis gilt. Das ist attraktiv, schließlich ist das System von der öffentlichen Hand subventioniert – sprich von der Landeshauptstadt, dem Freistaat und den acht beteiligten Landkreisen. Die Ticketpreise sind in der Regel entsprechend günstiger als auf privatwirtschaftlich betriebenen Linien. Außerdem wäre es dann beispielsweise auch möglich, mit einem Ticket von München bis zum Walchensee oder nach Lenggries zu fahren.

Momentan zählt nur der nördliche Teil des Landkreises zum MVV-Gebiet. Die Ausweitung ist schwierig. „Wenn unser Landkreis komplett zum MVV gehören soll, müssen auch die beiden Nachbar-Landkreise mitmachen, durch die unser Schienenverkehr reinkommt“, sagte Landrat Niedermaier. Das wären Miesbach (BOB) und Weilheim-Schongau (Kochelseebahn). „Sonst müssten wir den Ausgleich zahlen, für das, was das MVV-Ticket billiger ist als das BOB-Ticket“, erklärte der Landrat.

Wer im MVV-Gebiet ist, muss allerdings einiges für den ÖPNV ausgeben. In Bad Tölz-Wolfratshausen ist das weit über eine Million Euro pro Jahr, in Miesbach sind es im Moment nur rund 150 000 Euro. „Wir haben an den MVV nun eine Anfrage gestellt, wie weitere Landkreise diesem Konstrukt beitreten können und wie das kostenmäßig laufen müsste“, erklärte Niedermaier.

Der Antrag der Gemeinde Egling auf Verlängerung des Buslinie bis Sauerlach wurde abgelehnt – mit 30 zu 23 Stimmen. Querverbindungs-Verfechterin Cornelia Irmer (FW) macht das Hoffnung: „Das nächste Mal schaffen wir es.“

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