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„Ich werde als Nikolaus wiederkommen“- Richard Stoll verlässt das Tölzer Pater-Rupert-Mayer-Heim

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Von: Andreas Steppan

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Sieht das Pater-Rupert-Mayer-Heim zukunftsfähig aufgestellt: Richard Stoll im Garten der Einrichtung an der Königsdorfer Straße. Er hat dort am Freitag seinen letzten Arbeitstag.
Sieht das Pater-Rupert-Mayer-Heim zukunftsfähig aufgestellt: Richard Stoll im Garten der Einrichtung an der Königsdorfer Straße. Er hat dort am Freitag seinen letzten Arbeitstag. © Arndt Pröhl

Nach 17 Jahren im Pater-Rupert-Mayer-Heim geht der Leiter Richard Stoll nun in den Ruhestand. Im Gespräch mit dem Tölzer Kurier blickt der Münchner zurück.

Bad Tölz – Im Tölzer Pater-Rupert-Mayer-Heim steht ein personeller Umbruch bevor. Nach über 17 Jahren als Leiter des Alten- und Pflegeheims an der Königsdorfer Straße mit 96 Plätzen und 65 Mitarbeitern hat Richard Stoll am Freitag seinen letzten Arbeitstag. Er verabschiedet sich kurz vor seinem 63. Geburtstag in den Vorruhestand.

Herr Stoll, für Sie endet eine lange berufliche Laufbahn als Pflegeheimleiter. Was hat Ihnen an Ihrem Beruf so gut gefallen?

Tatsächlich fühle ich mich ein bisschen wie ein Relikt der Altenpflege. Hier im Pater-Rupert-Mayer-Heim habe ich 2005 angefangen. Ich habe aber schon 1988 als 28-Jähriger zum ersten Mal eine Heimleitung übernommen. Zwischendurch war ich einmal eineinhalb Jahre lang bei einer Firma als Vertreter im Außendienst tätig. Ich habe festgestellt: Das ist nicht das, was ich möchte. Es gefällt mir, wenn ich für andere Menschen ein Lebensumfeld kreieren kann. Ein Angebot zu schaffen, mit dem es Senioren, Pflegebedürftigen und deren Angehörigen gut geht, ein vertrauensvolles und behütetes Umfeld für die letzten Lebensjahre, das ist für mich das Schöne an dieser Tätigkeit. Vertrauen ist für mich die Basis davon. Und dass der Mensch im Mittelpunkt steht. All das war immer mein Antrieb.

Aber lassen sich all diese Vorstellungen unter den schwierigen Rahmenbedingungen in der Pflege auch umsetzen?

Das Problem des Personalmangels kenne ich seit 1988 – und es ist seither nicht besser geworden, im Gegenteil, es spitzt sich massiv zu. Seit Corona ist das nun auch verstärkt im öffentlichen Bewusstsein angekommen. Doch im Alltag rechtfertigen kann ich mich damit nicht. Wenn ein Bewohner bei mir im Zimmer steht, brauchen wir in dem Moment eine Lösung für einem mir anvertrauten Menschen. Da kann ich nicht sagen: „Die Rahmenbedingungen passen nicht.“ Deswegen stand meine Tür auch immer offen.

Wie lässt sich dem Personalmangel begegnen?

Schauen Sie mal das Plakat an der Wand an: Wir haben eine Prämie ausgeschrieben, wenn ein Kollege einen neuen Kollegen anwirbt. Aber das ist so eine Sache: Irgendwann überbietet man sich gegenseitig nur noch. Es ist schon schwierig. Gerade in Bad Tölz ist das Angebot an potenziellen Arbeitgebern in der Branche groß und räumlich dicht konzentriert, da kann man leicht wechseln. Gerade haben wir zum Beispiel Mitarbeiter an eine Rehaklinik verloren. Wir bezahlen nach dem kirchlichen Tarif. Das ist zwar einer der besten Tarife in der Altenpflege, aber es gibt zum Beispiel Krankenhäuser, die noch was drauflegen können. Und Personal, das uns in der Coronazeit verloren gegangen ist, das findet meist nicht mehr zurück in die Pflege.

Wie bewerten Sie in diesem Zusammenhang die einrichtungsbezogene Impfpflicht?

Das ist schwierig. Man weiß mittlerweile gar nicht mehr, wie man das diskutieren soll. Ich kenne Menschen, die schwer an Corona erkrankt sind. Es ist für mich schwer nachvollziehbar, wenn Menschen, die in der Pflege tätig sind, sich nicht impfen lassen, obwohl sie doch die möglichen Auswirkungen einer Infektion kennen. Aus der reinen Sicht des Arbeitgebers ist die einrichtungsbezogene Impfpflicht natürlich problematisch. Jetzt ab 1. Oktober gibt es übrigens noch einen bayerischen Sonderweg.

Richard Stoll verlässt Pater-Rupert-Mayer-Heim mit gutem Gefühl

Nämlich?

Neu einstellen können Pflegeheime nur Mitarbeiter mit vollständigem Impfschutz, der nun so definiert ist, dass entweder drei Impfungen oder zwei Impfungen und eine Genesung nachgewiesen sind.

Das macht Neueinstellungen für Sie noch schwieriger...

Aber andererseits ist es auch ein gewisser Schutz davor, dass Mitarbeiter mit nur zwei Impfungen uns verlassen.

Ihr Träger, die Stiftung Marienstift, hat angekündigt, am Krettnerweg Wohnungen für Pflegekräfte zu bauen. Ist das der richtige Weg, um attraktiver für Mitarbeiter zu werden?

Das ist auf alle Fälle eine gute Entscheidung. Wie werden künftig nur noch Mitarbeiter finden, wenn für sie bezahlbarer Wohnraum vor Ort vorhanden ist. In den vergangenen Jahren habe ich zum Glück in Bad Tölz immer wieder Wohnungen für Mitarbeiter gefunden. Ich bin begeistert, wie offen die Vermieter in Bad Tölz dafür sind. In Zukunft werden wir auch die Anwerbung von Mitarbeitern aus dem Ausland intensivieren. Da gibt es zum Beispiel ein Projekt mit Indien. In so etwas muss man frühzeitig Zeit investieren, denn der örtliche und überörtliche Stellenmarkt ist leer. Wenn nun das Josefistift im Neubau auf 126 Plätze erweitert, wird es dafür auch mehr Personal brauchen.

Welche weiteren Veränderungen haben Sie in Ihrer Laufbahn in der Pflege beobachtet?

Die gesundheitliche Lage, in der die Menschen bei uns einziehen, ist schlechter geworden. Es ziehen kaum fitte Menschen bei uns ein. Durch die funktionierende ambulante Pflege können die Menschen länger im eigenen Zuhause bleiben und gehen erst ins Pflegeheim, wenn ihr Zustand schlechter ist. Somit ist auch der Zeitraum, in dem sie bei uns leben, kürzer. Wir haben im Jahr 35 bis 40 Todesfälle. Es gibt Menschen, die waren nur drei Monate hier. Natürlich haben wir auch Bewohner, die schon seit zehn Jahren bei uns leben, aber der Schnitt sinkt. Mit der erhöhten Pflegebedürftigkeit der Bewohner verändern sich auch die sozialen Aktivitäten. Wenn alle im Rollstuhl sitzen oder dement sind, sind andere Angebote gefragt.

Wie zum Beispiel?

Früher haben wir drei- bis viermal im Jahr Bewohnerausflüge gemacht, einen davon hat immer der Lions Club gesponsert, zum Beispiel zum Achensee. Damals hatten wir noch viele Bewohner, die selbst in den Bus einsteigen konnten. Mit Corona kamen solche Aktivitäten zum Erliegen. Ob so ein Ausflug noch mal möglich sein wird, ist fraglich. Womit wir aber wieder anfangen, sind unsere Feiern: Oktoberfest, Geburtstagsfeieren, Nikolaus. Wir haben Musikanten, die bei uns ehrenamtlich auftreten. Ein schönes Erlebnis, das die Bewohner genießen, ist auch, bei uns im Garten zu sitzen.

Mit welchem Gefühl übergeben Sie das Haus jetzt in andere Hände?

Mit einem guten Gefühl, weil ich weiß, dass alle zusammen hier gute Pflege leisten. Zudem bin ich froh, dass sich im Bewerbungsverfahren um die Heimleitung Larissa Leitner durchgesetzt hat. Sie ist seit 15 Jahren im Haus und war bisher Pflegedienstleiterin und meine Stellvertreterin. Sehr gut ist auch, dass wir mit Hilfe der Agentur für Arbeit aktuell mehrere Mitarbeiter in Weiterbildungen untergebracht haben. Hervorheben möchte ich auch, wie gut hier in Bad Tölz die Zusammenarbeit mit allen Behörden funktioniert.

Im Dezember wird der ehemalige Leiter wieder ins Heim zurückkommen - nur etwas anders als gewohnt

In Bezug auf das Josefistift, das demnächst auf den großen Träger, den Paritätischen, übergeht, wurde immer wieder betont, dass ein einzeln dastehendes Haus es schwer habe. Auch das Pater-Rupert-Mayer-Heim hat keinen großen Träger im Rücken, sondern wird – zusammen mit einer weiteren Einrichtung in München – von der Stiftung Marienstift betrieben. Ist das zukunftsfähig?

Ich habe es immer genossen, in einem kleinen Haus zu arbeiten, weil man hier kreativ eigene Wege gehen kann. Die andere Seite ist: Wie man gerade bei Corona gemerkt hat, ist es auch ein Nachteil, wenn man als allein stehende Einrichtung vom ersten bis zum letzten Buchstaben sein eigenes Besuchs- und Hygienekonzept verfassen muss. Da ist es schon besser, wenn ein großer Träger das gleich für 20 oder 30 Heime erledigt. Das Pater-Rupert-Mayer-Heim ist aber als Mitglied im Caritas-Verbund auf alle Fälle zukunftsfähig aufgestellt. Vom dortigen Fachbereich Altenhilfe bekommt man schnell alle nötigen Informationen.

Und Ihre eigene Zukunft? Wie wird die im Ruhestand aussehen?

Ich werde mehr Sport treiben, wandern und Rad fahren. Außerdem habe ich wieder angefangen zu zeichnen. Vor Kurzem habe ich im Keller Ölpastellfarben aus meiner Studentenzeit gefunden. Und ich möchte Zeit mit der Familie verbringen. Meine Frau ist seit August ebenfalls im Vorruhestand, und wir haben zwei Enkelkinder.

Wird man Sie auch im Pater-Rupert-Mayer-Heim wiedersehen?

Ich werde als Nikolaus wiederkommen. Ich trete seit Jahren bei den Weihnachtsfeiern als Nikolaus auf und habe erlebt, mit welchen Emotionen das für viele alte Menschen verbunden ist.

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