Reinhold Krämmel (li.) ist Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Bad Tölz-Wolfratshausen. Er begrüßte die Gäste zum Pressegespräch im Gasthaus Kolberbräu und moderierte die Diskussion.  Foto: Arndt Pröhl
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Reinhold Krämmel (li.) ist Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Bad Tölz-Wolfratshausen. Er begrüßte die Gäste zum Pressegespräch im Gasthaus Kolberbräu und moderierte die Diskussion.

Tourismus im Corona-Jahr 2020

IHK-Regionalausschuss zieht Bilanz – „Bad Tölz-Wolfratshausen nochmal mit blauem Auge davon gekommen“

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Keine Frage: Das Tölzer Land hat in puncto Freizeit viel zu bieten und ist daher ein beliebtes Ziel für Touristen und Tagesausflügler. Das ist den Vertretern des Regionalausschusses Bad Tölz-Wolfratshausen der Industrie und Handelskammer (IHK) und vielen Geschäftstreibenden bewusst. Bei einem Pressegespräch der IHK, das kürzlich im Tölzer „Kolberbräu“ abgehalten worden ist, wurden die Herausforderungen sowie die allgemeine Situation des besonderen Corona-Jahres 2020 für den Tourismus im Landkreis genauer erörtert.

Bad Tölz-Wolfratshausen - Der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses, Reinhold Krämmel, hielt gleich zu Beginn fest: „Eines muss allen klar sein: Geht’s dem Tourismus gut, profitieren alle davon – Wirtschaft und Gesellschaft.“ Andreas Wüstefeld, Chef von Tölzer Land Tourismus (TLT), betonte in seinem Vortrag, dass der Wirtschaftsfaktor Tourismus in Bruttoumsätzen von 2016 bis 2019 ein Plus von 12 Prozent gemacht habe. In Zahlen: 300 Millionen. „2019 war ein Rekordjahr.“ 51 Prozent der Bruttoumsätze entstünden durch Tagestouristen. Dadurch gibt es mehr als 4500 Vollzeitarbeitsplätze in der Region.

2019 war ein Rekordjahr

Nicht nur diese Zahlen, sondern auch die mannigfaltigen Freizeitangebote wie Seilbahnen, Fahrradwege, Loipen, Skilifte und Co. verdeutlichen laut Wüstefeld das Gewicht des Tourismus für die Lebensqualität im Landkreis. „All diese Angebote werden maximal zu einem Drittel von Einheimischen genutzt. Sprich: Wir hätten niemals so viel Angebot im Freizeit- und Gastronomiesegment.“

Doch trotz der Attraktivität des Tölzer Lands als Naherholungsgebiet im Corona-Sommer gab es im März und April 2020 einen Umsatzausfall von 33 Millionen Euro. „Bis jetzt sind bei den Beherbergungsbetrieben am härtesten die Jugendherbergen und die Tagungshotels von der Krise betroffen“, erklärte Wüstefeld. Im Gegensatz dazu gab es nach dem Lockdown einen Boom bei Campingplätzen und Ferienwohnungen.

„April und Mai katastrophal gelaufen“

Allgemein seien in allen Betrieben April und Mai „katastrophal gelaufen“. Dies sei vor allem auf den Lockdown zurückzuführen. „Im Juni lief der Tourismus langsam wieder an.“ Seit Juli könne man laut Wüstefeld von einer „Erholung“ sprechen. „Teilweise war sogar ein Aufholen zum Vorjahresmonat möglich“, berichtete der TLT-Chef.

TLT möchte aufgrund der Entwicklungen in Kooperation mit verschiedenen Gemeinden und Gewerbetreibenden durch die neue Kampagne „Charmant miteinand’ im Tölzer Land“ eine Wertschätzung gegenüber den Touristen zum Ausdruck bringen (wir berichteten). Es gehe aber auch darum, für mehr Wertschätzung der Bürger für den Tourismus zu werben, meinte Wüstefeld. Denn es sei nicht nur in erster Linie das Gastgewerbe, das von Ausflüglern profitiere. „Der Profit findet hier auf mehreren Ebenen statt. Denn die Unternehmen aus dem Gastgewerbe tätigen wiederum bei anderen Bestellungen oder beauftragen Ausstattungen von lokalen Handwerkern.“

Über-Tourismus im Tölzer Land als konzeptionelle und strategische Herausforderung

Dennoch sei ihm bewusst, dass das Tölzer Land vor „großen konzeptionellen und strategischen Herausforderungen durch den Über-Tourismus stehe. „Das betrifft vor allem die Kochelsee-Walchensee-Region, die schon immer, aber heuer mehr denn je, mit einer Gebietsüberlastung zu kämpfen hat“, so der TLT-Chef. Mit Hilfe eines „Ausflug-Tickers“ habe man bereits versucht, dem gegenzusteuern. Dieses Online-Programm kann genutzt werden, um zu sehen, wie viel an welchem Ort aktuell los ist. „Der Ticker wurde gut angenommen, ist aber natürlich nicht die finale Lösung des Problems“, sagte Wüstefeld. Es bedürfe eines „angepassten Marketing-Konzeptes“, dessen Entwicklung oberste Priorität habe.

Zusammenfassend stellte Wüstefeld fest, dass der Landkreis – unter der Voraussetzung, dass es keinen erneuten Lockdown gibt – „mit einem blauen Auge davon gekommen“ sei. Man habe durch die aktuelle Lage auch neue Chancen bekommen, beispielsweise ein jüngeres Gästeklientel anzusprechen. „Man muss auch sehen, dass es Städte wie München viel härter getroffen hat“, sagte Wüstefeld. Die Landeshauptstadt sei beispielsweise auch auf Messe- und Kongresstourismus angewiesen, aber auch das abgesagte Oktoberfest habe große Auswirkungen auf die Tourismus-Bilanz.

Lesen Sie auch: Stimmen zur TLT-Tourismuskampagne „Charmant miteinand im Tölzer Land“

In der folgenden Diskussionsrunde pflichteten die anwesenden Hoteliers, wie etwa Lydia Hofherr, Andreas Wüstefeld zu. Sie alle hätten durch den Lockdown gespürt, welch fatale Auswirkungen der Ausfall des Tourismus’ für die hiesige Wirtschaft haben kann. „Die breite Bevölkerung muss mitbekommen, was alles vom Tourismus abhängt. Man muss hier die Geschäfte und Läden unterstützen und für Probleme, wie am Walchensee, konstruktive Lösungen finden“, forderte die Inhaberin des Königsdorfer Posthotels Hofherr.

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