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Beleuchteten die Sicherheitslage im Landkreis (v. li.): Landrat Josef Niedermaier, Polizeipräsident Robert Kopp und dessen Stellvertreter Harald Pickert . 

Polizei zieht Bilanz

Im Landkreis lebt es sich sicher: Zahl der Straftaten sinkt um 4,2 Prozent

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Der Doppelmord von Höfen überschattet die polizeiliche Bilanz des Jahres 2017. Abseits solcher Ausreißer zeigt sich aber: Das Leben im Landkreis ist so sicher wie seit 2009 nicht mehr.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Im Landkreis lebt man fast zweieinhalbmal so sicher wie im Bundesdurchschnitt. Das geht aus den Zahlen hervor, die Polizeipräsident Robert Kopp am Donnerstag beim jährlichen Sicherheitsgespräch im Landratsamt vorlegte. 2017 sank die Zahl der Straftaten in Bad Tölz-Wolfratshausen um 4,2 Prozent auf 4027. „Das bedeutet die niedrigste Kriminalitätsbelastung seit 2009“, sagte Kopp.

Rechnerisch ergibt sich eine Zahl von 3204 Straftaten pro 100 000 Einwohner. Das ist der niedrigste Wert unter den neun Landkreisen im Zuständigkeitsbereich des Rosenheimer Präsidiums Oberbayern Süd, liegt deutlich unter dem Bayernschnitt (4533) und weit entfernt vom Wert für das Bundesgebiet, der in der Regel rund 7700 beträgt.

Kopp hatte allerdings auch von einigen Wermutstropfen zu berichten. Überschattet werde die Bilanz in erster Linie vom grausamen Doppelmord in Königsdorf-Höfen. Es handelte sich allerdings auch um die einzigen vollendeten Tötungsdelikte – dazu kamen drei versuchte. Bei insgesamt 17 Morden beziehungsweise Mordversuchen im ganzen südlichen Oberbayern habe die Polizei zum Glück „alle Täter festgenommen“, betonte Kopp.

Auch in Bezug auf die ganze Bandbreite an Straftaten ist die Aufklärungsquote laut Kopp gestiegen, und zwar um 0,5 Punkte auf 64,2 Prozent. „Das ist ein klares Signal an die Bevölkerung: Es ist deutlich wahrscheinlicher, nach einer Straftat zur Verantwortung gezogen zu werden als davonzukommen.“

Dennoch wirkten sich das Verbrechen in Höfen wie auch überregionale Ereignisse – zuletzt speziell das „Zufahren auf Menschenmengen“ – negativ auf das individuelle Sicherheitsgefühl der Menschen aus, so Kopp.

Was der Polizei ebenfalls nicht gefällt: Entgegen dem bayernweiten Trend hat sich die Zahl der Wohnungseinbrüche im Landkreis 2017 beinahe verdoppelt: auf 57 Fälle. In dieser Statistik seien aber auch einige Fälle von 2016 enthalten, die erst 2017 abgeschlossen wurden, schränkte Vize-Polizeipräsident Harald Pickert ein. Am Werk seien vor allem Profis gewesen, „reisende Täter“, die sich gern „abgelegene Einfamilienhäuser“ als Ziele ausgesucht hätten. Dennoch: In 29 der 57 Fälle scheiterten die Einbrecher. „Das ist ein Indiz dafür, dass unsere Präventionskampagne wirkt: Man kann sein Heim mit überschaubarem finanziellen Aufwand gegen Einbrecher schützen“, betonte Pickert.

Deutlich zugenommen haben auch die Einsätze in Asylbewerberunterkünften: von 195 im Vorjahr auf 282. „Die große Masse der Bewohner ist friedliebend“, erklärte dazu Kopp. „Doch einzelne kristallisieren sich immer wieder als Rädelsführer heraus. Es geht uns darum, Menschen, die vor Gewalt geflohen sind, davor zu schützen, auch hier Opfer von Gewalt zu werden.“ Immer wieder komme es auch zu Widerstandshandlungen bei Abschiebungen.

Im Bereich Straßenkriminalität schlug sich in der Statistik (872 Fälle, plus 16 Prozent) nieder, dass in Lenggries und Geretsried ein Reifenstecher höchst aktiv war. „Wir konnten den Serientäter festnehmen, er ist mittlerweile untergebracht“, sagte Pickert. „Daher sind wir optimistisch, dass die Deliktzahl wieder deutlich zurückgeht.“ Vor etwa zehn Jahren wurden übrigens noch über 1000 Taten im Bereich Straßenkriminalität gezählt.

Ein klarer „Trend ist bei den Trickbetrügereien zu erkennen. Während der „Enkeltrick“ so gut wie nicht mehr angewandt werde, geben sich Gauner laut Pickert mittlerweile häufig als Polizisten, Staatsanwälte oder Richter aus, die angeblich die Wertsachen von einbruchgefährdeten Bürgern sicher verwahren wollen.

Im Gespräch mit den Vertretern unter anderem von BRK und Feuerwehr sensibilisierte Kopp besonders für das Phänomen der Gewalt gegen Rettungskräfte. Er forderte sie auf, jeden kleinen Vorfall anzuzeigen. Dazu Kopp: „Wehret den Anfängen!“

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