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Die Rodelbahn am Blomberg ist beliebt.

Betriebswirtschaftliche Gründe

Im Winter: Blombergbahn schränkt Öffnungszeiten deutlich ein

Im Frühjahr wurde im Tölzer Stadtrat die Vision vom Erlebnisberg Blomberg vorgestellt. Der Weg dorthin wird steiniger als gedacht. Wie Blombergbahn-Betreiber Hannes Zintel bestätigt, werden im kommenden Winter die Öffnungszeiten der Bahn eingeschränkt.

Bad Tölz – Unter der Woche wird die Bahn von November bis Mitte April sowie erneut ab Anfang November 2019 geschlossen sein. Statt 60 Schließtagen in 2018 werden es 101 im Jahr 2019 sein.

Zintel führt betriebswirtschaftliche Gründe an. „Es rentiert sich unter der Woche im Winter einfach nicht.“ Er habe hohe Personalkosten, der Aufwand bei der Herstellung von Maschinenschnee und Präparierung der Rodelstrecke sei enorm und werde zudem oft von Wanderern zunichte gemacht. Der Umsatzanteil mache nur 5 bis 10 Prozent aus. Außerdem habe sein Personal im Sommer gewaltige Überstunden aufgebaut, die abgebaut werden sollen. Die Maßnahme sei im Blomberg-Beirat mit der Rathausspitze abgestimmt, sagt Zintel. Das bestätigt Bürgermeister Josef Janker, der die Argumentation Zintels „voll nachvollziehen“ kann.

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Hat die Mehrung der Schließtage aber nicht enorme Auswirkungen auf Bahn-Partner wie das Blomberghaus? „Ja“, antwortet Martin Ginhart, einer von drei Betreibern des Traditionshauses unverblümt. Tatsächlich sei das Wintergeschäft unter der Woche mau. Aber um die Mitarbeiter in Zeiten des Personalmangels in der Gastronomie zu halten, akzeptiere man lieber ein paar schlechte Tage. „Das gleicht sich dann übers Jahr aus.“

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Der Familienbetrieb wird sich nach dem Betriebsurlaub im November erst einmal anschauen, wie sich die Bahnschließung werktags auf den Gasthof auswirkt. Dann werde man entscheiden, ob das Blomberghaus im Winter unter der Woche auch geschlossen wird. Wanderer könnten sich dann in einem Aufenthaltsraum an Automaten zur Not selbst versorgen. Diese Lösung gefällt Ginhart nicht besonders, weil sie den eigenen Ansprüchen nicht genüge. Und es erschwere die Personalsuche. „Vielleicht müssen wir deshalb sogar einmal auf Selbstbedienung umstellen.“ Um die Situation fürs Blomberghaus zu verbessern, wünscht sich Ginhart vom Verpächter Stadt wenigstens mehr Unterstützung für Zintels Pläne beim geplanten Umbau der Rodelbahn. „Das hilft uns nämlich auch.“

Dieser Umbau ist übrigens am Freitag – durchaus brisantes – Thema im Blomberg-Beirat. Drei Unfälle mit drei schwer verletzten Kindern im vergangenen Jahr liegen Hannes Zintel immer noch schwer im Magen. Er drängt deshalb auf eine TÜV-Zertifizierung der Strecke, wie es auch in Österreich üblich ist. Kurz zur Erklärung: Eine Naturbahn, die einen Haftungsanspruch ausschließt, dürfte zum Beispiel nicht präpariert sein oder als Wirtschaftsfaktor beworben werden. Ein Umbau zu einer sicheren Winterrodelbahn wäre freilich teuer. Dafür wünscht sich Zintel eine Beteiligung der Stadt.

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Im Beirat wird erst einmal über den Auftrag für ein Gutachten diskutiert, das die nötigen Maßnahmen aufschlüsselt und die Kosten schätzt. Das ist nicht so einfach, wie man denkt. „Jeder Berg“, sagt Janker, „ist ein Prototyp und muss individuell beurteilt werden.“ Der Blomberg bestehe ja nicht aus massivem Fels, sondern sei ein Flyschberg, „der geht“. Für die Expertise sei also auch ein Geologe gefragt.

Erst wenn die Studie vorliege, könne im Stadtrat – das soll öffentlich geschehen – über eine finanzielle Beteiligung am Umbau der bisherigen Naturbahn gesprochen werden. Janker selbst kann sich diese Beteiligung vorstellen. „Eine zertifizierte Winterrodelbahn wäre toll“, sagt Janker. „Aber nicht um jeden Preis.“ Der Bürgermeister ist überzeugt, dass man sich mit den Betreibern der Blombergbahn einigen werde.

Die Vision vom Erlebnisberg Blomberg ist für Janker durch die Diskussion jedenfalls nicht in Frage gestellt. „Das ist ein Konzept für die nächsten Jahre, das Schritt für Schritt umgesetzt wird.“

Von Christoph Schnitzer

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