Bei Unfällen mit dem Fahrrad kann viel passieren. Daher ist das Tragen eines Schutzhelms unverzichtbar.
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Bei Unfällen mit dem Fahrrad kann viel passieren. Daher ist das Tragen eines Schutzhelms unverzichtbar.

„Ein Fahrradhelm ist unverzichtbar“

Immer mehr Fahrradunfälle: Tölzer Unfallchirurg rät dringend zum Helm

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Die Zahl der Radlunfälle im Tölzer Land ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Leider tragen nicht alle Radfahrer einen Helm. Fachleute appellieren an die Freizeitsportler, nicht „oben ohne“ zu fahren.

  • 2020 gab es einen erheblichen Anstieg an Fahrradunfällen im Landkreis
  • Askelpios Stadtklinik erinnert wie wichtig das Tragen eines Sturzhelms ist
  • Beim Helmkauf sollte einiges beachtet werden

Bad Tölz-Wolfratshausen – Ob E-Bike, Mountainbike oder Cityrad: Radfahren liegt im Trend, vor allem jetzt in den Sommerferien zu Hause. Unfälle sind keine Seltenheit, und teils haben sie fatale Folgen.

Laut Andreas Rohrhofer, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bad Tölz, ist die Zahl der Unfälle mit Rad- und Pedelec-Fahrern erheblich gestiegen. „2020 sind es bis zu 50 Prozent mehr Unfälle als im Vergleichszeitraum 2019“, sagt er.

250 Patienten nach Radsturz in der Stadtklinik

In die Tölzer Asklepios-Stadtklinik kommen laut Sprecher Christopher Horn pro Fahrrad-Saison etwa 250 Patienten nach einem Sturz in die Notaufnahme. Die Klinik verzeichnete in den vergangenen Jahren eine kontinuierliche Steigerung von Radunfällen, heuer waren es 15 Prozent mehr als 2019.

Auch die steigende Zahl von E-Bikes führe zu einem höheren Unfallrisiko. „Mit ihnen werden zum Teil erhebliche Geschwindigkeiten erzielt, an die einige Radfahrer vorher nicht gewöhnt waren“, warnt Dr. Harald Rieger, Sektionsleiter Orthopädie, Unfallchirurgie und Endoprothetik an der der Asklepios-Stadtklinik. „E-Bikes verleiten oft auch Ungeübte zu Bergtouren, die wegen mangelnder Routine leicht entgleiten können.“

Vor allem Jugendliche und Senioren verzichten öfter auf einen Schutzhelm

Falsche Eitelkeit hin oder her: Um sich vor Kopfverletzungen zu schützen, ist ein Helm unverzichtbar, sagt der Unfallchirurg und erklärt: „Der Helm reduziert die Energie, die beim Aufprall auf den Schädel wirkt, und verringert so das Risiko, tödliche Hirnverletzungen zu erleiden.“ Laut Schätzung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) sinkt dieses Risiko um 60 bis 70 Prozent. „Auch wenn erfreulicherweise der Anteil der Radler mit Helm in den vergangenen Jahren gestiegen ist, verzichten weiterhin zu viele darauf“, so Rieger. „Wir sehen vor allem bei Jugendlichen und Senioren immer wieder Patienten, die keinen Helm tragen.“

Dr. Harald Rieger ist Unfallchirurg an der Asklepios Stadtklinik Bad Tölz.

Die Bandbreite der Verletzungen reicht laut Rieger von Prellungen, Risswunden und Knochenbrüchen bis hin zu Schädel-Hirn- oder Thorax-Traumata. „Bei etwa fünf bis zehn Prozent der Patienten kommt es zu schweren Verletzungen, die teils operativ versorgt werden müssen“, bedauert er. „Und leider ereignen sich auch immer wieder tödliche Unfälle.“

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Doch nicht nur mit hohen Geschwindigkeiten oder bei waghalsigen Bergabfahrten kann Schlimmes passieren. „Wir sehen öfter verhältnismäßig schwere Verletzungen bei Radfahrern, die im Stand samt Rad umgekippt sind und sich dabei Kopfverletzungen oder Frakturen zugezogen haben“, sagt der Mediziner.

Beim Helmkauf auf Prüfnorm und Passform achten

Wer einen Helm kaufen möchte, sollte sich am besten in einem Fachgeschäft beraten lassen. Dort werde der Helm dann exakt an den Kopf angepasst, sagt Rieger. Nur ein Helm, der der Prüfnorm DIN EN 1078 entspreche, biete ausreichenden Schutz im Straßenverkehr. Wichtig sei auch, dass der Kinnriemen vor jeder Fahrt auf Festigkeit kontrolliert werde. Kinderhelme sollten jährlich überprüft werden. Ebenfalls entscheidend: „Nach einem Sturz mit Kopfanprall muss der Helm ersetzt werden, auch wenn er keine sichtbaren Beschädigungen aufweist“, sagt Rieger.

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Auch Peter Riedelsheimer, Mitinhaber des Tölzer Fahrradfachgeschäfts Josef Riedelsheimer, sagt: „Das A und O ist, dass der Helm genau passt. Ich empfehle Helme von renommierten Herstellern.“ Diese kosten zwischen 60 und 300 Euro. „Je nach Preisklasse unterscheiden sie sich dann in der Belüftung, Innenpolsterung und dem Komfort, nicht aber in der Sicherheit“, erklärt der Fachmann. Eine Beratung und Anpassung sei dabei essenziell. „Jeder Mensch hat eine andere Kopfform.“

Wer mit Helm schwer stürzt, sollte trotzdem in die Notaufnahme kommen, rät der Unfallchirurg Rieger: „Vor allem nach Unfällen mit Schädelanprall sowie nach dem gefürchteten ,Fahrradlenker in den Bauch‘ sollte man sich dringend ärztlich untersuchen lassen.“ Das gelte ganz besonders für Menschen, die gerinnungshemmende Medikamente einnehmen.

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