Eine Frau zieht eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff auf.
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Seit 27. Dezember wird im Landkreis geimpft. Nach den Seniorenheimen folgen nun die über 80-Jährigen, die zu Hause wohnen.

Vor allem Senioren stehen vor Herausforderung

Reihenfolge, Registrierung und der Termin vor Ort: Alles zum Impfen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Das Interesse am Impfen ist groß. Mindestens ebenso groß ist allerdings die Verwirrung bei zahlreichen Senioren. Viele Fragen sind offen, viele sind in den vergangenen Tagen an die Redaktion gestellt worden. Die wichtigsten Fragen und Antworten gibt es hier zusammengefasst.

Wer ist jetzt mit der Impfung an der Reihe?

Als erstes wurden und werden im Landkreis die etwa 1200 Bewohner von Seniorenheimen und deren Mitarbeiter geimpft. Dort beginnen ab der kommenden Woche bereits die finalen zweiten Impfungen. Ebenfalls ganz oben auf der Priorisierungsliste stehen alle über 80-Jährigen, die zu Hause wohnen, Pflegekräfte in ambulanten Pflegediensten, Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen, in den Impfzentren und Beschäftigte in Bereichen mit infektionsrelevanten Tätigkeiten sowie in medizinischen Einrichtungen, die Menschen mit einem hohen Risiko behandeln, betreuen oder pflegen. Alle über 80-Jährigen erhalten derzeit Post von der Gemeinde und dem Landratsamt, in dem sie darüber informiert werden, wie sie sich für die Impfung registrieren können. Die Impfreihenfolge hat das Bundesgesundheitsministerium festgelegt.

Wie kann man sich für die Impfung registrieren?

Empfohlen wird die Online-Registrierung auf www.impfzentren.bayern – dafür sind ein Internetzugang und eine E-Mail-Adresse notwendig. Und Vorsicht: Pro E-Mail-Adresse kann nur eine Person registriert werden. Sobald man die Mailadresse eingegeben hat, muss man ein Passwort wählen. Das muss aus mindestens acht Zeichen bestehen – darunter mindestens eine Ziffer, ein Großbuchstabe und ein Sonderzeichen wie ein Bindestrich oder ein Ausrufezeichen. Ist diese Hürde genommen, schickt einem das System automatisch eine Mail zu. In dieser auf den Link klicken – und der persönliche Account ist erstellt. Danach müssen noch einige Fragen beantwortet werden – von den persönlichen Kontaktdaten bis zu Vorerkrankungen. Ist alles ausgefüllt und abgeschickt, gibt es noch einmal eine E-Mail mit der Anmeldebestätigung. Sobald der Termin für die Impfung feststeht, wird man per SMS oder Mail informiert.

Wer keinen Internetzugang hat, kann sich auch telefonisch registrieren lassen. Das geht unter der bundesweiten Telefonnummer 116 117 oder im Impfzentrum unter 0 81 71/3 86 36 10. Allerdings: „Die Telefonleitungen sind aufgrund der extrem hohen Anruferzahlen dauerhaft belegt. Das Telefonnetz ist komplett überlastet“, sagt Sabine Schmid, Pressesprecherin vom Landratsamt. Das heißt: Man braucht Geduld, um jemanden zu erreichen. Allerdings sollen die Anrufer im Impfzentrum künftig nicht mehr bei der Bandansage landen, die den Eindruck erweckt, man könnte sich nur online anmelden (wir berichteten). „Besser ein Belegtzeichen als diese Ansage, oder?“, sagt Schmid. Wer sich telefonisch registriert hat, wird angerufen, wenn sein Impftermin feststeht.

Warum können Senioren nicht einfach einen Fragebogen auf Papier ausfüllen? Man schreibt ja sowieso alle an, da hätte man den Bogen doch gleich beilegen können?

Hier muss der Landkreis die Vorgaben des bayerischen Gesundheitsministeriums vollziehen. „Eine Registrierung über den Postweg war nicht gewollt. Politisch gewollt war und ist die Online-Registrierung, um in möglichst kurzer Zeit große Datenmengen erfassen zu können“, so Schmid.

Wer legt eigentlich die Reihenfolge fest, wer von den über 80-Jährigen wann geimpft wird?

„Bei der Registrierung werden neben den persönlichen Daten auch Gesundheitsdaten abgefragt. Liegen Risikofaktoren wie zum Beispiel eine Krebserkrankung, Herzerkrankung oder eine Diabetes vor, dann wird diese Person schneller ein Impfangebot erhalten, als eine Person ohne Risikofaktoren“, sagt Schmid. „Die Impfreihenfolge erstellt kein Mensch, der Computer wertet anhand der Eingaben aus, wer zuerst geimpft werden soll.“ Grundlage dafür ist wiederum die vom Bund festgelegte Priorisierungsliste.

Wer hilft mir, wenn ich mich mit dem Internet nicht so gut auskenne?

Die Computersenioren Bad Tölz-Wolfratshausen bieten ihre Hilfe an – auch bei der Frage, wie man sich eine zweite Mail-Adresse anlegt. „Die Online-Anmeldung ist für viele eine Herausforderung“, sagt Vereinsvorsitzender Hans Lincke. „Wir können die Leute telefonisch führen, in ganz dringenden Fällen setzt sich auch jemand ins Auto und kommt – natürlich mit Maske und Abstand“, sagt Lincke. 17 Mitglieder stehen beim Verein bereit. Alle Infos findet man im Internet auf www.computersenioren-badtoelz-wolfratshausen.de. Telefonisch können sich Senioren aus dem Nordlandkreis an Wolfgang Martin (0 81 71/1 09 92) wenden, die Senioren aus dem südlichen Landkreis melden sich bei Hans Lincke (Telefon 0 80 41/13 95).

Was bedeutet es, wenn im Online-Formular steht: „Termin ausständig“?

Momentan wird in den beiden von der Aicher Group betriebenen Impfzentren an der Wolfratshauser Kreisklinik und der Tölzer Asklepios-Stadtklinik noch nicht geimpft. Verantwortlich dafür ist vor allem der Mangel an Impfstoff. „Eine Terminvergabe ist erst möglich, wenn der Impfstoff in so ausreichender Menge zur Verfügung steht, dass der Betrieb in den Impfzentren aufgenommen werden kann. Momentan ist dies nicht der Fall“, so das Landratsamt.

Wenn es dann soweit ist: Wie wird die Impfung ablaufen?

Zuerst erfolgt ein Datenabgleich. Dazu muss unter anderem ein Aufklärungsbogen ausgefüllt werden. Im anschließenden Beratungsgespräch mit dem Arzt wird die medizinische Vorgeschichte beleuchtet sowie über die Impfung informiert. Auch Fragen können geklärt werden. Dann unterschreibt der Impfwillige eine Einverständniserklärung. Nach der Impfung muss er noch etwa 30 Minuten zur Überwachung im Beobachtungsraum bleiben. Insgesamt sind zwei Impfungen im Abstand von 21 Tagen notwendig. Die Impfungen sind kostenlos. Es gibt keine Impfpflicht.

Was muss ich zum Impftermin mitbringen?

Neben der Terminbestätigung müssen wichtige Dokumente wie etwa der Impfausweis, der Herzpass, eine Medikamentenliste oder der Diabetikerausweis mitgebracht werden. Auch der Personalausweis sowie gegebenenfalls eine Arbeitgeberbescheinigung muss mitgebracht werden. Wichtig: Wer keinen Termin hat, wird nicht geimpft. Terminvereinbarungen vor Ort sind nicht möglich.

Der aktuell verfügbare Impfstoff wird in konzentrierter Form geliefert und muss quasi „angemischt“ werden. Sobald dies geschehen ist, darf er nicht mehr transportiert werden. Wenn eine einzelne Dosis aus einer Ampulle entnommen wurde, um einen Menschen zu Hause zu impfen, müsste man den restlichen Inhalt der Ampulle entsorgen. Daher ist das derzeit nicht möglich. Man werde aber versuchen, für Härtefälle Lösungen zu finden, so das Landratsamt. Zudem gibt es bereits erste Vereine, die bereit sind, Fahrdienste zu den Impfzentren für die in ihrer Gemeinde lebenden Senioren zu organisieren. Ein Beispiel ist der Dietramszeller Verein „Miteinander-Füreinander“. Ansprechpartnerin ist dort Margot Lätsch, 0 80 27/14 42.

Weitere Infos auf der Seite des Landratsamt www.lra-toelz.de/Coronaimpfung, auf der Seite des bayerischen Gesundheitsministerium www.stmgp.bayern.de/coronavirus/impfung sowie auf www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus

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