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K.-o.-Tropfen sind durchsichtig und geschmacklos, weshalb die Opfer ahnungslos die Droge nehmen. 

Sie will andere warnen

In Tölzer Club: Frau geht K.o. - von einem Schluck auf den anderen

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An die Ereignisse kann sich die junge Frau kaum erinnern. Jemand hat ihr in einem Club in Tölz wohl K.-o.-Tropfen oder andere Drogen ins Getränk geschüttet. Ihren Namen will sie nicht öffentlich lesen. Aber ihre Geschichte. Um andere Frauen zu warnen.

Bad Tölz – Die Symptome treten von einem Schluck auf den anderen auf: Übelkeit, Schwindel, Herzrasen. Die junge Frau versteht die Welt nicht mehr. Zwar hatte sie am Samstagabend beim Ausgehen in Bad Tölz Alkohol getrunken. Aber bei Weitem nicht soviel, um plötzlich Probleme mit dem Sprechen und Laufen zu bekommen, beteuert sie. Als sie am Sonntag aufwacht und sich nicht erinnern kann, wie sie ins Bett gekommen ist, keimt in ihr ein schrecklicher Verdacht auf: Jemand könnte ihr K.-o.-Tropfen ins Getränk gemischt haben.

Sie ist nicht allein: Immer wieder kommt es vor, dass sich junge Frauen mit dieser Befürchtung an die Tölzer Polizei wenden. Im Schnitt erstatten ein bis zwei Betroffene pro Monat Anzeige gegen Unbekannt, sagt Polizei-Chef Bernhard Gigl. Nachgewiesen werden konnte der Einsatz solcher Substanzen, der rechtlich als gefährliche Körperverletzung gilt, bislang allerdings nie. „Das ist immens schwierig“, sagt Gigl. Innerhalb weniger Stunden baut der Körper die Droge ab, die Frauen müssten also sehr schnell einen Arzt aufsuchen, um eine Blut- oder Urinprobe abzugeben. „Am besten gleich, wenn sie wieder bei Bewusstsein sind.“

Video: Rebel Wilson Warnt Fans Vor KO-Drinks in Clubs


Im Taxi Hände und Füße nicht mehr gespürt

Im aktuellen Fall entschied sich das mutmaßliche Opfer dagegen. „Ich wollte diesen Aufwand nicht.“ Außerdem sei schließlich nichts passiert: Eine Freundin war ständig an der Seite der jungen Frau, rief ihr schließlich ein Taxi. „Ich wollte nur noch nach Hause und schlafen.“ Auf der Fahrt verschlechterte sich ihr Zustand weiter: „Ich habe hyperventiliert und spürte meine Hände und Füße nicht mehr.“ Gleichzeitig sei ihr alles völlig gleichgültig gewesen. Die junge Frau schaffte es, sich in ihre Wohnung zu schleppen. Danach erinnert sie sich an nichts mehr.

Solche Filmrisse und ein Gefühl der Willenlosigkeit sind typisch für die Wirkung von K.-o.-Tropfen, sagt Christoph Fuchs. Der Lenggrieser arbeitet ehrenamtlich beim Weißen Ring, eine Hilfsorganisation für die Opfer von Kriminalität. Er selbst hatte noch nie mit einer Frau zu tun, die durch Drogen außer Gefecht gesetzt worden ist. In größeren Städten werden die Berater des Weißen Rings aber oft mit diesem Thema konfrontiert, weiß Fuchs. Deshalb bietet die Organisation zum Beispiel sogenannte „Spikeys“ an.

Stopper aus Plastik können helfen

Diese kleinen Stopper aus Plastik passen genau auf die Flaschenöffnungen der gängigen Bier- und Limoflaschen. K.o.-Tabletten können nicht mehr hineingeworfen werden. Benutzt man zusätzlich einen Strohhalm, haben auch Täter, die die Drogen mittels Pipette in die Flasche füllen wollen, keine Chance mehr. Da die meisten Getränke in Gläsern serviert werden, bieten die „Spikeys“ aber keine umfassende Sicherheit. Deshalb gilt laut Fuchs: „Lassen Sie Ihr Getränk niemals unbeaufsichtigt und nehmen sie keine offenen Getränke von Fremden entgegen.“

Diese guten Ratschläge kennt auch die junge Frau aus dem aktuellen Fall. Dass wirklich jemand so weit gehen könnte und ihr etwas ins Getränk mixt – damit hätte sie allerdings nicht gerechnet. „Meine Freundin und ich standen nicht in irgendeinem dunklen Eck, das hätte jeder sehen können.“

Ihren Namen, ihren Wohnort und ihr Alter will sie nicht in der Zeitung lesen. Auch nicht den Ort des Geschehens, um den betreffenden Club nicht in Verruf zu bringen. Trotzdem ist es ihr wichtig, ihre Geschichte öffentlich zu machen. Mit ihrem Einverständnis postete ein Freund von ihr den Fall bereits in einer großen Facebook-Gruppe. Warum? „Ich will andere Frauen für das Thema sensibilisieren.“

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