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Die StadtAlm in Bad Tölz: Die Kommentare zur eigenwilligen Architektur würden ein Buch füllen, erzählen die Betreiber Nadine Schmitt und Sepp Mangold. „90 Prozent davon sind nach Fertigstellung des Baus aber positiv.“

Die etwas andere Ferienwohnanlage in der Isarstadt

In der Tölzer StadtAlm soll man wohnen, nicht nur übernachten

„Endlich mal Einheimische, die im Tourismus eine Chance sehen und investieren“, lobte Vize-Bürgermeister Andreas Wiedemann von Tölz. Es waren keine Höflichkeitsfloskel. Bei der Einweihung der kleinen Ferienwohnanlage „StadtAlm“ in Tölz staunten gestern alle Gäste über das durchdachte und innovative Konzept, das Sepp Mangold mit seiner Lebensgefährtin Nadine Schmitt auf die Beine gestellt hat.

Bad Tölz –Die Anlage mit drei Ferienwohnungen inmitten der Stadt bietet insgesamt acht Betten plus weitere acht mögliche Schlafstellen. Die Gäste sollen aber „hier wohnen und nicht nur übernachten“ umriss der gelernte Schreiner und Bergführer Mangold den Ansatz beim Bau der Anlage. Zweites Motto: „Wir haben so gebaut, dass wir, wenn wir alt sind, selbst drin leben wollen“. Barrierefrei, versteht sich.

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Mit einigem Schmunzeln erinnerte man sich gestern daran, wie skeptisch der moderne Bau vor einigen Jahren im Tölzer Bauausschuss diskutiert wurde – und durchging. Mangold berichtete vom „nicht einfachen Hanggelände“, auf dem früher die Janker-Buben Schlitten bis zum Rehgraben gefahren seien. In den Hang sei, so Architekt Hanse Schmid aus Ellbach, hineingegraben worden und ein leichter, luftiger Baukörper mit drei würfelförmigen Wohnbereichen, einer Brücke und begrüntem Flachdach entstanden. Alles nur mit örtlichen Handwerkern, ergänzt Mangold, und in ökologischer Bauweise. Auf dem Familiengrund stand früher der Stadel einer Ziegelei. Lehm ist, nur folgerichtig für den Bauherrn, einer der zentralen Werkstoffe für das Haus und sorgt für angenehmes und gesundes Raumklima. Ansonsten viel Holz: Zirbe, Eiche und Ahorn.

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Zirbe, Eiche, Ahorn: Im Inneren herrscht viel Holz vor. 

Mangold und Schmitt haben das Thema Ökologie noch weiter gedacht. Auf dem Grundstück wurden früher Lamas und Alpakas gehalten. Ihre Wolle wurde für die Bettwäsche der Appartements verarbeitet. Und wer als Gast mit Zug oder Bus anreist, erhält grundsätzlich zehn Prozent Nachlass auf die Preise. Da staunte Kurdirektorin Brita Hohenreiter: „Das höre ich zum ersten Mal. Das ist super und innovativ.“ Mangold bezieht sich ausdrücklich auf Anton Hoefters Feststellung, dass Kur und Tourismus in Tölz tot seien, weil es weder an Seen, Meer oder Bergen liegt. „Wir haben hier sehr viel.“ Er sei gespannt, wie seine Wohnungsangebot ankommt.

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Sehr viel haben die zwei Tölzer Neu-Vermieter richtig gemacht, sagen die Touristiker Brita Hohenreiter und Tölzer-Land-Chef Andreas Wüstefeld. Hohenreiter gefiel der Begriff „StadtAlm“ für diese Oase mitten in der Stadt wunderbar und sie freute sich über die pfiffige Internetpräsenz (www.stadt-alm.de) „des tollen Produkts“.

Wüstefeld hatte wie Hohenreiter überhaupt keine Zweifel, dass für dieses Angebot ein Markt existiert. „Das wird ankommen – sicher.“ Wüstefeld brachte einen der neuen Tourismus-Trends mit der Tölzer StadtAlm in Verbindung: Coworkation. Da kämen Leute, die eine gute Infrastruktur und schönes Ferienumfeld fordern, dort vielleicht auch mal arbeiten wollen und dennoch zeitweise etwas mit der Familie unternehmen können.

Von Christoph Schnitzer

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