1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bad Tölz
  4. Bad Tölz

Ins Rathaus nur mit Termin: Kommunalverwaltungen nur zum Teil zur Normalität zurückgekehrt

Erstellt:

Von: Andreas Steppan

Kommentare

rathaus kochel
Parteiverkehr gibt es im Rathaus Kochel nur nach Terminvereinbarung. © Arndt Pröhl

Mit der Corona-Pandemie schlossen sich die Türen der Rathäuser für den Parteiverkehr. Mittlerweile dürfen die Verwaltungen Anliegen wieder ohne Terminvereinbarung bearbeiten. Manche bleiben dennoch dabei. Ein Überblick.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Den Wohnsitz anmelden, einen neuen Personalausweis beantragen, Fragen zum Bauantrag stellen oder das Aufgebot bestellen: Es gibt viele Anliegen, für die man als Bürger ins Rathaus muss. Doch einfach spontan vorbeischauen: Damit war es seit Beginn der Corona-Pandemie vorbei. Mittlerweile ist das Bild gespalten. Viele Gemeindeverwaltungen sind zur Normalität der offenen Türen zurückgekehrt. Andere halten an den Beschränkungen fest, obwohl das von der Staatsregierung nicht mehr vorgeschrieben ist.

„Parteiverkehr im Rathaus nur nach Terminvereinbarung“ heißt es zum Beispiel weiterhin bei der Gemeinde Kochel am See. Bürgermeister Thomas Holz sieht keinen Grund, etwas daran zu ändern. „Das hat sich bewährt“, sagt er. Von Bürgerseite gebe es auch keine Beschwerden. „Im Gegenteil: Die Bürger sagen, sie brauchen dann nicht zu warten, und der Sachbearbeiter ist vorbereitet.“ Auch mit Blick auf die steigenden Corona-Zahlen im Landkreis hält Holz die Maßnahme immer noch für sinnvoll. „Allein schon zum Schutz der Mitarbeiter. Wenn wir einen Corona-Fall im Rathaus haben, muss ich alle Mitarbeiter in Quarantäne schicken. Wir wollen aber weiter handlungsfähig bleiben.“

Neues Terminmanagement-System eingeführt

Im Rathaus der Stadt Geretsried hält man ebenfalls an den Vorzügen der Termine fest. „Wir haben uns dazu sehr intensive Gedanken gemacht“, erklärt Pressesprecher Thomas Loibl. Das Ergebnis: Es sei für die Bürger vorteilhaft, wenn sie feste Termine buchen und „nicht mehr in langen Menschenschlangen warten“ müssten. „Gleichzeitig können auch wir als Verwaltung effizienter arbeiten und unsere Personalressourcen zielorientierter einsetzen.“

Anfang September hat die Stadt sogar ein neues Terminmanagement-System eingeführt, sodass die Termine für die wichtigsten Bereiche vom heimischen Rechner oder übers Smartphone gebucht werden können – „bequem und intuitiv“, wie versprochen wird. „Während der allgemeinen Geschäftszeiten bleiben die Türen des Rathauses natürlich aber trotzdem immer offen“, ergänzt Loibl. „Ist ein Anliegen spontan und nachweislich besonders dringend, bemühen wir uns immer, auch kurzfristig zu helfen.“

Terminvergabe bleibt auch im Landratsamt Usus

„Das Terminvergabesystem hat sich bewährt, und wir werden dieses System weiter beibehalten“, heißt es auch aus dem Tölzer Landratsamt. „Viele Bürger signalisieren uns, dass sie die Termine gerne vereinbaren, da sie dann in der Regel ohne beziehungsweise nur mit kurzer Wartezeit bedient werden können“, sagt Sprecher Michael Heigl. Es gebe zwar auch Bürger, die sich ärgern, wenn es mit der gewünschten spontanen Vorsprache nicht klappt. „Aber das kommt nur vereinzelt vor.“

Außerdem gelte es angesichts der hohen Corona-Infektionszahlen, „weiterhin Vorsicht walten zu lassen“, so Heigl. „Es kam zwar immer wieder einmal zu Infektionen einzelner Beschäftigter, aber es gab kein Infektionsgeschehen, das auf Ansteckungen durch Bürger beziehungsweise unter den Beschäftigten im Amtsgebäude zurückzuführen gewesen wäre. Die entsprechenden Regelungen wie auch die sonstigen Hygienemaßnahmen haben sich insofern bewährt.“

Jachenauer und Reichersbeurer Rathaus wieder frei zugänglich

Anders handhabt dies das Jachenauer Rathaus. Dort hat wieder jeder freien Zutritt – und zwar schon seit die Hotels in den Pfingstferien wieder öffnen durften. „Bei uns sind Verwaltung und Tourist-Info nicht räumlich getrennt“, erklärt Bürgermeister Klaus Rauchenberger. In dem Moment, in dem man wieder Gäste hereingelassen habe, um nach freien Betten zu fragen, sei klar gewesen, dass auch wieder jeder Bürger unangemeldet herein darf.

Eine Besonderheit gibt es im neuen Reichersbeurer Rathaus: Hier umfasst der Bürgerservice-Bereich, zu dem das Melde- und Passwesen und das Gewerbeamt gehören, auch eine Postfiliale – und beides zusammen blieb auch in der Corona-Zeit geöffnet, wie Bürgermeister Ernst Dieckmann erklärt. Seit Sommer seien auch die anderen Rathausbereiche wieder normal geöffnet. Für Dieckmann gehört das zum Dienstleistungsgedanken gegenüber dem Bürger.

Auch ins Wackersberger Einwohnermeldeamt darf seit mehreren Wochen wieder jeder ohne Anmeldung. „Natürlich mit den üblichen Auflagen wie Mundschutz, Hände-Desinfizieren und dass immer nur eine Person in ein Büro darf“, erklärt Elisabeth Danzer vom Vorzimmer des Bürgermeisters.

Terminvereinbarung erwünscht in Tölz und Wolfratshausen

„Prinzipiell wie vor der Pandemie geöffnet“ hat das Tölzer Rathaus, wie Sprecherin Birte Otterbach mitteilt. „Amtsgeschäfte im Einwohnermeldeamt, Standesamt und Friedhofsamt können zu den Öffnungszeiten ohne Termin erledigt werden“, erklärt sie. „Damit ermöglichen wir für die am meisten nachgefragten Leistungen den Bürgern einen unkomplizierten Zugang und eine zeitnahe Erledigung ihrer Anträge.“ Für Bereiche, in denen eine Beratung notwendig ist, wie zum Beispiel Renten- und Sozialamt oder Bauberatung, „bitten wir um eine Terminvereinbarung“, so Otterbach.

Im Wolfrathauser Rathaus „wäre es uns am liebsten, wenn die Bürger Termine für die Besuche im Rathaus vereinbaren würden“, sagt Bürgermeister Klaus Heilinglechner. „Das erleichtert natürlich die Verwaltungsabläufe.“ Ein Muss sei es aber nicht mehr. Wem in der Stadt spontan einfalle, dass er einen neuen Personalausweis beantragen muss, der könne das zu den Öffnungszeiten ohne Anmeldung tun.

Auch interessant

Kommentare