In den Krankenhäusern der Region sind die Intensivbetten gut gefüllt. (Symbolfoto)
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In den Krankenhäusern der Region sind die Intensivbetten gut gefüllt. (Symbolfoto)

Verantwortliche aus der Region widersprechen These aus sozialen Netzwerken

Intensivstationen: Nicht weniger Betten, aber weniger freie

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Sind die Intensivstationen etwa nur deshalb voll, weil dort massiv Betten abgebaut worden und nicht wegen Corona? Die Kliniken im Oberland weisen diese Behauptung zurück.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Intensivstationen im Oberland sind weiterhin gut gefüllt. In Bad Tölz-Wolfratshausen sind (Stand: Donnerstag, 12 Uhr) 23 von 24 Intensivbetten belegt, davon fünf – also rund 21 Prozent – mit Covid-19-Patienten. Die damit verbundene Warnung von Intensivmedizinern, Kontakte einzuschränken und Infektionsschutz-Regeln strikt zu beachten, hört allerdings nicht jeder gern. In sozialen Netzwerken kursiert die These, dass die geringe Zahl der freien Betten in Wirklichkeit nicht etwa auf die Corona-Fälle zurückzuführen sei, sondern auf einen massiven Bettenabbau in den Kliniken. Diese Behauptung weisen die Klinik-Verantwortlichen der Region auf Rückfrage des Tölzer Kurier zurück.

„Weder auf den Normalstationen noch auf der Intensivstation wurden Betten abgebaut“, erklärt Ingo Kühn, Geschäftsführer der Kreisklinik Wolfratshausen. Seit 2016 habe die Kreisklinik ihre Intensivbettenkapazität sogar von acht auf aktuell 14 Bettplätze erweitert. „Personal wurde und wird hierfür kontinuierlich akquiriert.“

Bei uns wurden weder Intensivbetten abgebaut noch Personal auf der Intensivstation reduziert.“

Christopher Horn, Sprecher Asklepios-Stadtklinik Bad Tölz

Räumlich und technisch, sagt Kühn, sei es auch kein Problem, die Kapazitäten weiter zu erweitern, ohne die Grund- und Regelversorgung einzuschränken. „Der limitierende Faktor ist jedoch das dafür notwendige pflegerische und intensivmedizinisch versierte ärztliche Personal“, ergänzt er. Die Kreisklinik sei bereits tätig, um den Personalbedarf für die Zukunft zu decken.

Auch Christopher Horn, Sprecher der Asklepios-Stadtklinik in Bad Tölz, stellt klar: „Bei uns wurden weder Intensivbetten abgebaut noch Personal auf der Intensivstation reduziert.“ Das Gegenteil sei der Fall: „Wir haben in den vergangenen Jahren und Monaten zusätzliches Personal eingestellt und sind stets dabei, weiteres Personal unter anderem für unsere Intensivstation zu akquirieren.“

Im Zuge der Covid-Krise habe die Tölzer Klinik außerdem zusätzliche Beatmungsmöglichkeiten beschafft, die bei Bedarf kurzfristig zum Einsatz kommen können. Dafür allerdings müsste die Klinik zusätzliche Intensivbetten im Aufwachraum betreiben und im Gegenzug den OP-Betrieb reduzieren.

Zahl der betreibbaren Intensivbetten im Oberland hat sich zwischen Februar 2020 und heute nicht geändert

Auch Dr. Martin Dotzer, Ärztlicher Koordinator für die Kliniken in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau, erklärt: „Nach meinem Kenntnisstand wurden auf den Intensivstationen der Kliniken im Oberland keine Stellen abgebaut.“ Die Zahl der Intensivbetten, die die Kliniken im Oberland als „betreibbar“ melden, hat sich laut Dotzer zwischen dem Februar 2020 und heute nicht geändert.

Im gleichen Zeitraum zurückgegangen seien hingegen die freien Kapazitäten: von rund 20 auf nur noch knapp über 10 Prozent. Zu erklären sei dies sowohl durch die Covid-Patienten als auch durch Patienten mit anderen intensivpflichtigen Erkrankungen und Verletzungen.

Dazu erklärt Kreisklinik-Chef Kühn, dass die Wolfratshauser Intensivstation zwar auch vor der Pandemie „gut belegt“ gewesen, nun aber ein weiterer Anstieg der Auslastung zu verzeichnen sei. Grund seien auch, aber nicht nur die Covid-Patienten. Wenn diese auf der Intensivstation liegen, müssten sie dort „deutlich länger intensivmedizinisch behandelt werden als beispielsweise in der ersten Welle“. Daneben gebe es aber auch viele andere schwere Krankheitsverläufe. Kühn mutmaßt als einen Faktor dabei „die Zurückhaltung der Patienten, den Hausarzt oder das Krankenhaus in einem frühen Stadium der Erkrankung aufzusuchen“.

Belegung der Intensivstationen im Verlauf der Pandemie auf ähnlichen Niveau geblieben

Verbreitet wird immer wieder auch die Behauptung, die Belegung der Intensivstationen habe sich im Verlauf der Pandemie kaum verändert – Infektionswellen hin oder her. Tatsächlich bestätigt Dotzer: „Die Belegung ist im Verlauf der Pandemie auf ähnlichen Niveau geblieben.“ Allerdings habe sich der Grund der Behandlungen auf den Intensivstationen verändert. „Bei hohen Inzidenzzahlen, wie sie während der ersten, zweiten und der aktuellen dritten Welle zu verzeichnen sind, bemerken wir einen steigenden Anteil von Covid-19-Patienen, während bei sinkenden Inzidenzzahlen der Anteil der Notfallpatienten und Behandlungen nach planbaren Eingriffen wieder steigt.“

Ähnlich äußert sich Kühn: Die Intensivbetten der Kreisklinik seien „stets gut ausgelastet“. Das sei auch während der Sommermonate 2020 der Fall gewesen, „wenn auch weniger mit Covid-Patienten“, sondern vermehrt mit „Patienten nach notwendigen großen Operationen, beispielsweise der Bauchorgane oder sonstigen schweren Erkrankungen“.

„Komfortable Situation“ bei Intensivbetten im Oberland

Dotzer verweist einmal mehr auf die „komfortable Situation im Oberland, dass im Verhältnis zur Einwohnerzahl sehr viele Intensivbetten zur Verfügung stehen“, nämlich 25 auf 100.000 Einwohner. Die Kapazitäten so zu steuern, dass die Intensivbehandlung von Covid-19- und Notfallpatienten stets gewährleistet ist, sei dank der Zusammenarbeit der Kliniken in der gesamten Pandemie bislang gut gelungen.

Auch am Donnerstag boten die Nachbar-Kreise Weilheim-Schongau mit vier beziehungsweise Garmisch-Partenkirchen mit zehn freien Intensivbetten einen gewissen Puffer. Sind die Intensivbetten einer Klinik einmal voll, kann die Rettungsleitstelle Patienten in die nächst gelegene Klinik umleiten.

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