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Bei der Begrüßung per Handschlag ist nicht jedem wohl. Das Beispiel zeigt: Kultur ist Aushandlungssache.   

Kooperationsprojekt

Interkulturelle Botschafter reichen die Hand 

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Bad Tölz - Hier die hilfsbedürftigen Flüchtlinge, dort die ehrenamtlichen Einheimischen: Dieses starre Bild versucht ein gemeinsames Projekt des Vereins Hilfe von Mensch zu Mensch und des Kreisbildungswerks aufzubrechen.

In den vergangenen sechs Wochen wurden Migranten, Geflüchtete und deutsche Ehrenamtliche in Bad Tölz zu zertifizierten interkulturellen Botschaftern ausgebildet. Die Schulung, die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gefördert wird, umfasst sechs ganztägige Seminare. Jeden Samstag kam ein anderer Referent in den Jodquellenhof, um mit den 20 Teilnehmern – davon 15 Flüchtlinge – über Kultur zu sprechen.

Aber was ist eigentlich Kultur? Dem Kooperationsprojekt zwischen Kreisbildungswerk und dem Verein Hilfe von Mensch zu Mensch geht es um eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Begriff, der so selbstverständlich in aller Munde ist. Das machten Christina Büchl und Elena Taurini (Hilfe von Mensch zu Mensch) und Ursula Menke (Kreisbildungswerk) in einem Pressegespräch deutlich.

Kultur ist zum Beispiel, Anderen die Hand zu reichen. Versteht man das wörtlich, tauchen Komplikationen auf. „Bei uns ist Händeschütteln nicht üblich, ich fühle mich unwohl dabei“, sagt Fardos Albaz, die am Kultur-Botschafter-Seminar teilgenommen hat. Die 42-Jährige kommt aus Palästina und lebt mit Mann und Kind seit über einem Jahr im Jodquellenhof. Albaz’ Mann ist Syrer mit palästinensischen Wurzeln. Deshalb ist die Familie in Palästina nicht akzeptiert, Syrien kommt als Wohnort wegen des Krieges nicht in Frage.

Fardos Albaz (42) aus Palästina lebt seit einem Jahr und drei Monaten im Tölzer Jodquellenhof. Sie ist nun interkulturelle Botschafterin

Die Hand reicht die Frau mit dem weißen Kopftuch trotzdem zur Begrüßung. Sie will zeigen: Ich nehme eure Umgangsformen an. Im Gegenzug möchte sie selbst Respekt erfahren. „Es gibt viele kleine kulturelle Unterschiede, die zu Konflikten führen können“, sagt Albaz. „Wenn man sie kennt, kann man Missverständnisse verhindern.“ Von denen hat sie im Kurs einige kennengelernt: Hier in Deutschland kommen die Menschen im Gespräch sehr nah ans Gesicht. Zu nah, findet Albaz und lacht: „Ich brauche Raum für mich.“ Der Italienerin Elena Taurini dagegen ist die Distanz, die viele Deutsche einnehmen, zu groß. „Wir kommen noch näher“, sagt die Landkreis-Koordinatorin der Asylsozialberatung von Hilfe von Mensch zu Mensch.

Das Beispiel zeigt: Kultur ist nichts Feststehendes, sondern muss im Alltag ständig neu ausgehandelt werden. Albaz und die anderen interkulturellen Botschafter sollen „Multiplikatoren“ werden, erklärt Taurini. Sie sollen aktiv zur Integration von Asylbewerbern beitragen, in Betrieben als Mediatoren oder Dolmetscher wirken, mit Helferkreisen zusammenarbeiten oder Sportveranstaltungen organisieren.

Aber ist das nicht typisch Deutsch? Kann man für so etwas Weiches wie Kultur ein Zertifikat ausstellen? „Flüchtlinge wollen oft nachweisen, dass sie hier etwas erreicht haben. Dass sie sich weiterbilden und bemühen“, sagt Taurini.

Bevor Fardos Albaz ihr Zuhause verließ, unterrichtete sie Arabisch und war Koordinatorin an einem Schulamt. „Ich möchte wieder in meinem Beruf arbeiten“, sagt sie. Das Zertifikat „Interkulturelle Botschafterin“ bereichert nun ihre Bewerbungsmappe.

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