Wiesenfläche mit Parkplatz
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Auf rund 8400 Quadratmeter Fläche plant die Familie Tien auf der Wackersberger Höhe das Hotel „BergeBlick“. Der bestehende Wanderparkplatz (li.) wird verlegt.

Umstrittenes Projekt

Investor stellt Hotelpläne für die Wackersberger Höhe vor

Jahrelang versuchte die Stadt Tölz vergeblich, ein Hotelgrundstück auf der Wackersberger Höhe zu verkaufen. Nun, da es ein Investor bebauen will, gibt es viele Widerstände.

  • 100-Betten-Hotel im Vier-Sterne-Segment mit Topblick auf die Berge.
  • Investor will ein Garni und setzt auf örtliche Gastronomie.
  • Rund 20 Vollzeit- und 10 bis 20 Teilzeitarbeitsplätze sollen entstehen.

Bad Tölz/Wackersberg – „Tölz hat ein gutes Image und jeder muss mithelfen, die Attraktivität des Tourismus auszubauen.“ In einem Leserbrief äußerte sich Johannes Tien vor zweieinhalb Jahren einmal zum Thema Tölzer Spa und nahm gegenüber den Kritikern kein Blatt vor den Mund. „Machen, nicht nur meckern“, schloss der ehemalige Unternehmer, der 2006 in den Isarwinkel gezogen ist. Zuvor hatte er im Versandhandel eine 350-Mitarbeiter-Firma aufgebaut und schließlich verkauft.

Jetzt packt der 61-Jährige auf der Wackersberger Höhe an und will dort zu seinem kleinen Ferienhaus ein 100-Betten-Hotel im Vier-Sterne-Segment errichten. Die Widerstände dagegen sind groß, obwohl die Stadt die Fläche auf der Wackersberger Höhe viele Jahre „wie Sauerbier“ als Hotelfläche angeboten hat. Bis der Neu-Wackersberger sie erwarb.

Nicht nur deshalb hat Tien wenig Verständnis für den Chor der Kritiker. Er tut sich sichtlich schwer mit der öffentlichen Diskussion seiner Hotelkonzeption und seine „unternehmerischen Entscheidungen. Mir hilft keiner, wenn ich Vollgastro anbiete und es dann nicht funktioniert“, sagt er energisch. Damit ist er im Gespräch mit dem Tölzer Kurier gleich mitten in den Streitthemen angelangt.

,Mit Garni machst du alles richtig‘, sagt die Fachpresse“

Johannes Tien

„Garni geht gar nicht“, sagen einige Stadträte und manche Tölzer mit Blick auf die isolierte Lage. „Mit Garni machst Du alles richtig“, zitiert Tien die Fachpresse, die „so schlank wie möglich“ als Trend ausgebe. Und er verweist er auf Beispiele in München, „wo Hotels noch nicht einmal mehr Frühstück anbieten“.

Eine Vollgastronomie vorzuhalten, entspreche dem Standard, sagt Tien. Gutes Personal zu bekommen sei aber erstens schwer. Zweitens: „Wir wollen Erlebnisgastronomie.“ Und die böte die örtliche Gastronomie. Tien nennt einige Namen. Das Hotel wolle eng mit hiesigen Restaurants zusammenarbeiten. Shuttles sollen die Hotelgäste befördern. „Das alles lässt sich organisieren.“

Zum Konzept: Letztlich soll der Gast entscheiden

Vor Ort soll es gleichwohl eine voll ausgestattete Küche geben, die zum einen kleine und eigene Gastro-Events wie Barbecues ermöglicht. Zum anderen hat sich Tien auf die Fahnen geschrieben, dass „der Gast über das Konzept entscheidet“. Wenn der also also kein Garni wolle, „werden wir auf Vollgastronomie umstellen“.

Dem ebenfalls zu hörenden Vorwurf, er habe kein touristisches Vorwissen, kontert Tien mit dem Hinweis, dass er in Wackersberg seit acht Jahren sein kleines Ferienhaus „BergeBlick“ mit drei Wohnungen führe und „90 Prozent Auslastung“ habe. Rund 300 Familien habe seine Familie bisher beherbergt und „viele Erfahrungen generiert“. Diese sollen jetzt – aus klein wird groß – ins Hotelkonzept einfließen. Der Name wandert mit. 50 bis 60 Klicks pro Tag auf der bestehenden Ferienhaus-Seite müssten genutzt werden, sagt der geschäftstüchtige Unternehmer.

Die digitale Welt ist für den künftigen Hotelier sowieso von großem Nutzen. Tien nennt ein Beispiel: Statt, dass die Bedienung immer wieder in den weitläufigen Garten geht und nach den Wünschen der Gäste fragt, sollen diese per Smartphone ordern. Die gesparte Zeit könne in echten Service und Kundenkontakt investiert werden. Digital sollen individuelle Urlaubsprogramme für die Gäste erstellt und – bei schlechtem Wetter – aktuell angepasst werden. „Da gibt es so viele tolle Lösungen.“

Natur genießen, biken, wandern will auch die Generation Z

Die Isarwinkler Natur genießen, biken, wandern, das sind für den Wackersberger immer noch touristische Erlebnisse, mit denen man auch bei der Generation Z, den 20-Jährigen, punkten kann. Es müsse nur zeitgemäß präsentiert werden. Dazu ein Hotel mit viel Holz, das im Gelände viele Wasserflächen, ja sogar einen Wasserfall, Erdsaunen und Meditationshäuser bieten soll. Am Waldrand will Tien klimawandelgemäß aufforsten.

Rund 20 Vollarbeitsplätze sollen entstehen, dazu zehn bis 20 weitere Teilzeitjobs. „Möglichst mit Leuten von hier“, sagt Tien und erzählt, dass er diesbezüglich schon einige Male angesprochen worden sei.

Er verwehrt sich gegen den Vorwurf, dass das Hotelprojekt nicht auf Nachhaltigkeit angelegt sei. Gerade als Quereinsteiger fühlt er sich im Hotelsektor genau richtig, weil er neue Ideen mitbringe. Und: Er fange doch kein Buch zu schreiben an, ohne das Ende mit zu bestimmen. Er ist überzeugt von seinem Konzept, für das „der einstellige Millionenbereich nicht reichen wird“, und auch davon, dass seine Kinder mal einsteigen. Und wenn nicht, werde ihm und seiner Frau ein funktionierender Betrieb mit Kusshand abgenommen werden.

Er wolle unüblicherweise zwei Betreiberwohnungen, wurde im laufenden Bebauungsplanverfahren moniert. „Darauf habe ich jetzt verzichtet“, sagt Tien, obwohl er sich neben der Betreiberwohnung für die Familie auch eine temporäre Personalwohnung gewünscht hätte.

Mehr öffentliche Beteiligung der Bürgerschaft wurde ebenfalls angemahnt. Dem Vorwurf will Tien mit seiner Beteiligung an der Aktion „Tölz-lädt- ein“ am Sonntag, 4. Oktober, Rechnung tragen. Von 10 bis 16 Uhr werden kleine Gruppen vom künftigen Hotelier nach Anmeldung (siehe Bericht unten) am Wanderparkplatz über die Hotelpläne informiert. Von Christoph Schnitzer

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