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Weil die Anklagte schon einige Vorstrafen hat, hatte der Richter jetzt kein Mitleid.

Gericht

„Irgendwann geht’s ins Gefängnis – trotz Kind“

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Weil eine junge Mutter (24) aus dem Isarwinkel wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, griff der Richter jetzt durch.

Bad Tölz-WolfratshausenIst das besonders dreist? Einfach nur dumm? Oder vermengt sich im Fall einer jungen Mutter aus dem Isarwinkel beides zu einer verhängnisvollen Melange? Anders ist es fast nicht zu erklären, wie es passieren kann, dass die 24-jährige Verkäuferin binnen vier Monaten gleich zweimal ohne gültigen Führerschein am Steuer erwischt wurde – und das nur wenige Wochen, nachdem ihr die Fahrerlaubnis abgenommen worden war. Dafür wurde sie vom Amtsgericht Wolfratshausen zu vier Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt.

Am 23. Januar ergab ein Alkoholtest einen Wert von knapp einem Promille, was zur Folge hatte, dass sie ihren Führerschein für ein Jahr abgeben musste. Keine vier Wochen später, am 18. Februar gegen 23.45 Uhr, stoppte die Polizei die Beschuldigte erneut mit dem Auto eines Bekannten. Am 17. Juni wurde sie dann auf der B 13 bei Lenggries angehalten. „Das stimmt alles so“, sagte die junge Frau in der Verhandlung. „Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll.“

Richter Helmut Berger hatte eine Vermutung. „Sie wird das erste Mal erwischt und scheißt sich gar nichts“, unterstellte der Vorsitzende der Angeklagten ein gehöriges Maß an Gleichgültigkeit. Das mochte die junge Mutter so nicht auf sich sitzen lassen. „Ich wollte etwas mit meinem Sohn machen und bin zum Sylvensteinsee gefahren“, begründete sie die Fahrt auf der B 13. „Das entschuldigt es nicht“, konterte Berger.

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Als der Richter einen Auszug aus dem Bundeszentralregister verlas, war es dann endgültig um sein Verständnis geschehen. „Das ist völlig unbegreiflich“, sagte er angesichts von acht Einträgen, die die Beschuldigte seit 2010 gesammelt hat. Es begann mit Sachbeschädigung, ein Jahr später saß sie wegen Körperverletzung vier Wochen in Arrest. In der Folgezeit beschäftigte die Verkäuferin die Justiz wegen Unterschlagung, Beleidigung und Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Zuletzt war sie wegen unerlaubten Besitzes einer Schusswaffe zu 4800 Euro Geldstrafe verurteilt worden. „Das war eine alte, die ich gefunden hatte, ohne Magazin“, entschuldigte sich die Angeklagte.

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„So kann man sich täuschen“, stellte Richter Berger fest, nachdem er die Vorstrafen verlesen hatte. „Das ist keine Schnapsidee, sondern ein Spiel mit der Freiheit“, kommentierte der Richter die immense Rückfallgeschwindigkeit und Beharrlichkeit, mit der die Angeklagte sich über den Entzug der Fahrerlaubnis hinweggesetzt hatte. „Mir fehlen die Worte. Ich möchte nicht wissen, wie oft sie vorher schon gefahren sind“, sagte Berger, der mit seiner Strafe von vier Monaten auf Bewährung dem Antrag der Staatsanwältin folgte. „Irgendwann muss Ruhe sein“, mahnte Berger und machte der Frau deutlich: „Irgendwann geht’s ins Gefängnis – trotz Kind“.  

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