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Der Vorstand der Tierfreunde: Hans Fichtner (li). und sein neu gewählter Stellvertreter, Markus Stieglbauer.

Jahresversammlung

Tierschutzverein und Stadt: „Irgendwie zusammenraufen"

Bad Tölz - Der Tölzer Tierschutzverein ist nach wie vor mit der Finanzierung seiner Arbeit unzufrieden. Bürgermeister Josef Janker bietet nun ein Gespräch an.

„Wir haben unlängst ernsthaft überlegt, ob wir das Tölzer Tierheim nicht zusperren“, erklärte Schriftführer Thomas Klaar unmissverständlich in der Jahresversammlung des Tierschutzvereins. „Gerade die freiwillige Leistung bei der Tierpflege ist höchst defizitär“, legte auch Steuerberater Andreas Langeder dar, der die Jahresrechnung 2015 für das Tierheim Maria Much angefertigt hatte.

Obwohl im Vorfeld über die missliche Lage berichtet worden war, hatten nur elf der rund 130 Mitglieder des Vereins den Weg zu dem Treffen gefunden. Die Problematik an sich liegt in erster Linie an der Definition, was ein herrenloses und was ein Fundtier ist. Für die Versorgung von Letzteren sind die jeweiligen Kommunen zuständig, allerdings lediglich für einen Zeitraum von sechs Wochen. Damit bleibt das Tierheim auf den Kosten für den weiteren Verbleib des Viecherls sitzen. „Vor allem aber auf den immensen Kosten für den Tierarzt, der oftmals benötigt wird“, warf der Vorsitzende Hans Fichtner ein.

An einem Beispiel vom vergangenen Dezember in Kochel machte er diesen „untragbaren Zustand“ fest. Insgesamt 14 Kleintiere wurden da über den Amtstierarzt Dr. Georg Unterholzner aus einer verwahrlosten Wohnung ins Tierheim eingewiesen. Darunter waren neben Frettchen und Stallhasen auch zwei trächtige Meerschweinchen, die dann im Februar fünf Junge bekamen. Laut Gesetz alles herrenlose Tiere. Deshalb stieß Fichtner auch bei Kochels Bürgermeister Thomas Holz wegen der anfallenden Kosten auf taube Ohren.

Als „absolut unzureichend“ bezeichnete der Vorsitzende des Tierschutzvereins auch den aktuellen Vorschlag der Landkreis-Bürgermeister, jährlich pauschal für die Fundtier-Versorgung 25 Cent pro Einwohner zu bezahlen.

Das entsprechende Angebot einer Vereinbarung der Gemeinde Benediktbeuern will Fichtner erst einmal beim Deutschen Tierschutzbund auf Rechtskonformität überprüfen lassen.

In der hitzigen Diskussion betonte der Tölzer Bürgermeister Josef Janker, dass er weit davon entfernt sei, „den Verein auszehren“ zu wollen. Bei größeren Investitionen oder außergewöhnlichen Leistungen würde die Stadt den Tierschutzverein genauso wie auch jeden anderen Verein auf Antrag bis zu einem Drittel der Kosten unterstützen. Zudem regte der Rathauschef an, die seit vielen Jahren unveränderten Pensionssätze des Tierheims auf den Prüfstand zu stellen. Kein Verständnis zeigte Janker, dass der Tierschutzverein im Jahr 2011 den Vertrag über die bis dahin bezahlte Pauschale von jährlich 5000 Euro aufgekündigt hatte: „Da hätten sie besser einen Antrag an den Stadtrat gestellt, die Summe zu erhöhen. Dem wäre sicher entsprochen worden.“

Letztlich forderte der Bürgermeister Fichtner zu einem klärenden Gespräch anhand der vergangenen Jahresabrechnungen auf: „Wir müssen uns doch irgendwie zusammenraufen.“ Bei Steuerberater Langeder stießen Jankers Vorschläge auf offene Ohren, und auch Fichtner zeigte sich kompromissbereit.

Dennoch will er demnächst den Betrieb des Tierheims vom Verein abtrennen und in eine gemeinnützige GmbH umwandeln, die notfalls insolvent gehen kann, ohne dass das Vereinsvermögen in Mitleidenschaft gezogen würde. „Ein jährliches Tierheim-Defizit von rund 40 000 Euro können wir uns auf Dauer nicht leisten.“

Ohne Diskussion wurde schließlich Markus Stieglbauer zum Zweiten Vorsitzenden für den jüngst verstorbenen Georg Killer gewählt.

Ewald Scheitterer

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